Strafzölle auf chinesische E-Autos : Mindestpreise als Signal: EU greift in den Preiskampf mit China ein
Mindestpreise statt Zollaufschläge: Die EU zeigt in China produzierenden Elektroautoherstellern Wege zur Vermeidung der 2024 eingeführten Zusatzzölle auf.
- © Robert - stock.adobe.comAnstelle der im Jahr 2024 eingeführten Zusatzzölle bietet die Europäische Union Elektroautoherstellern aus China nun die Möglichkeit, diese durch Mindestpreise zu umgehen. Laut neuen Leitlinien der EU-Kommission können sich Unternehmen verpflichten, für den Export in die EU verbindliche Mindestpreise festzulegen. Auf diese Weise könnten die Hersteller den zusätzlichen Zollbelastungen entgehen. Diese sollen jedoch nicht pauschal gelten, sondern für jedes Fahrzeugmodell individuell berechnet werden, wie aus dem Papier der Kommission hervorgeht. Ziel ist es, die schädlichen Auswirkungen staatlicher chinesischer Subventionen gezielt auszugleichen. Zudem sollen zusätzliche Maßnahmen Anreize schaffen, eine Umgehung der Zölle durch den Import anderer Fahrzeugtypen, etwa Hybridfahrzeuge, zu verhindern. Auch freiwillige Zusagen zu Investitionen in der EU sowie eine Begrenzung der Exportmengen sollen positiv berücksichtigt werden.
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Wie es in den Leitlinien heißt, würden entsprechende Angebote von der Europäischen Kommission „objektiv und fair bewertet“. Eine zentrale Voraussetzung sei dabei, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen die durch Subventionen verursachten Wettbewerbsverzerrungen ausgleichen und eine mit den Zöllen vergleichbare Wirkung erzielen.
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„Sanfte Landung“: China begrüßt EU-Vorschlag zu Mindestpreisen
Das chinesische Handelsministerium sieht in den Fortschritten ein Zeichen dafür, dass beide Seiten gewillt und in der Lage seien, Differenzen „im Rahmen der Regeln der Welthandelsorganisation“ zu lösen. Der Fortschritt spiegele zudem den Geist der jüngsten Gespräche zwischen beiden Seiten wider. China hatte sich in den Verhandlungen allerdings für einen einheitlichen Mindestpreis für Elektroautos ausgesprochen. Auch die chinesische Handelskammer in Brüssel äußerte sich positiv und bezeichnete das EU-Papier als eine „sanfte Landung“ im Verfahren zu Elektrofahrzeugen. Das Ergebnis berücksichtige die Anliegen der Wirtschaft und schaffe ein stabileres, besser planbares Umfeld für chinesische Hersteller und deren europäische Lieferketten.
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Die Diskussion über Mindesteinfuhrpreise als Alternative zu den Zusatzzöllen läuft bereits seit längerem. Die Ende 2024 eingeführten Abgaben dienen dem Schutz der europäischen Autoindustrie. Die EU-Kommission hatte im Zuge einer Antisubventionsuntersuchung festgestellt, dass chinesische Hersteller – insbesondere BYD, Geely und SAIC – in erheblichem Maße von staatlichen Subventionen profitieren. Diese Unterstützung ermöglicht es ihnen, Elektrofahrzeuge rund 20 Prozent günstiger anzubieten als vergleichbare Modelle europäischer Hersteller. Die Kommission will mit den Maßnahmen verhindern, dass der europäische Markt mit „Billig-E-Autos“ aus China überflutet wird – ein Szenario, das insbesondere für den Fortbestand der europäischen Automobilindustrie als bedrohlich gilt.
Bis zu 35 % Aufschlag: Diese Hersteller zahlen am meisten
Die Höhe der Ausgleichszölle richtet sich nach dem jeweiligen Hersteller und liegt zwischen 7,8 und 35,3 Prozent. Davon betroffen sind auch international tätige Unternehmen mit Produktion in China – darunter Tesla, BMW und Mercedes-Benz. Mercedes arbeitet in China etwa mit Geely zusammen, auf dessen Exporte ein Zusatzzoll in Höhe von 18,8 Prozent fällig wird. Für Tesla gilt ein Satz von 7,8 Prozent, bei BMW sind es 20,7 Prozent.
Zudem führen auch deutsche Hersteller Elektroautos aus China in die EU ein – darunter Volkswagen mit dem Cupra Tavascan sowie BMW mit dem elektrischen Mini. Diese Fahrzeuge fallen ebenfalls unter die Regelungen.
Als Reaktion auf die EU-Maßnahmen verhängte China seinerseits Sonderzölle auf Importe aus der EU – unter anderem auf Branntwein, Schweinefleisch und Milchprodukte.
20 % günstiger: Warum chinesische E-Autos unter Verdacht stehen
Die Einführung der EU-Zusatzzölle auf Elektroautos aus China im Jahr 2024 erfolgte als Reaktion auf eine umfassende Antisubventionsuntersuchung der Europäischen Kommission. Diese hatte ergeben, dass chinesische Hersteller in erheblichem Maße von staatlichen Subventionen profitieren, die ihnen einen unfairen Wettbewerbsvorteil auf dem europäischen Markt verschaffen. Die Subventionen ermöglichen es chinesischen Unternehmen, Elektrofahrzeuge rund 20 Prozent günstiger anzubieten als vergleichbare Modelle aus der EU. Besonders betroffen seien laut Kommission Unternehmen wie BYD, Geely und SAIC, die nachweislich von staatlicher Unterstützung bei Forschung, Produktion und Export profitieren. Die EU sah darin eine Gefährdung der heimischen Industrie und reagierte mit differenzierten Ausgleichszöllen zwischen 7,8 und 35,3 Prozent – je nach Ausmaß der empfänglichen Subventionen. Ziel dieser Maßnahme ist es, Wettbewerbsbedingungen auf dem Binnenmarkt wiederherzustellen und einer drohenden Verdrängung europäischer Hersteller entgegenzuwirken. Die Zölle sollen verhindern, dass der europäische Markt von preislich unterbotenen Importen überschwemmt wird, die nicht unter fairen Marktbedingungen entstanden sind.
Preisschock mit System? Chinesische E-Autos in Europa mehr als doppelt so teuer
Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des privaten Center Automotive Research (CAR), sieht keinen Hinweis darauf, dass chinesische Hersteller ihre Fahrzeuge in Europa zu Dumpingpreisen verkaufen. Im Gegenteil: Die Modelle würden hier mehr als doppelt so teuer angeboten wie auf dem chinesischen Heimatmarkt. Nach Angaben des CAR liegt der durchschnittliche Preisaufschlag chinesischer Modelle in Europa bei rund 118 Prozent gegenüber dem Heimatmarkt. Die analysierten 13 Modelle kosten demnach in China durchschnittlich 14.936 Euro netto, während in Europa ein Preis von 32.573 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer verlangt wird. Dudenhöffer schließt daraus: „Beim aktuellen Preisniveau in Europa dürfte es für die chinesischen Hersteller noch deutliche Spielräume für Preissenkungen geben.“
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Marken wie BYD, MG oder Great Wall setzten laut ihm vor allem auf technologische Alleinstellungsmerkmale, etwa durch hohe Reichweiten oder kompakte Fahrzeuge für den Stadtverkehr. Ein Preiskampf sei dagegen nicht geplant: „Hohe Werbe- und Vertriebskosten erlauben bei den kleinen Verkaufszahlen derzeit keinen Preiskrieg.“
Deutlich optimistischer bewertet der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) die neue EU-Leitlinie. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn betont, dass klare Regeln zu Mindestpreisen die bestehenden Zölle ablösen und damit mehr Planungssicherheit für den Handel schaffen könnten. Für viele Autohäuser seien chinesische Marken längst ein fester Bestandteil des Geschäfts. Die bisherigen Zölle hätten jedoch auch europäische Modelle betroffen, was Unsicherheiten bei Preisgestaltung und Kundenberatung verursacht habe. Mindestpreise könnten hier zu mehr Stabilität führen – ohne den Wettbewerb gänzlich auszubremsen.