Maschinenbau : Schlechte Stimmung bei deutschen Maschinenbauern

Maschinenbau: Zu Jahresbeginn noch sieben Prozent Wachstumsprognose, jetzt bei einem Prozent
- © WintersteigerDie deutschen Maschinenbauer senken angesichts des Ukraine-Kriegs, der globalen Lieferschwierigkeiten und der Lockdowns in Teilen Chinas erneut ihre Produktionsziele für 2022. "Wir müssen unsere Prognose von bisher plus vier Prozent auf plus ein Prozent reduzieren", sagte der Präsident des Branchenverbands VDMA, Karl Haeusgen, am Montag in Hannover.
Zugleich könne die Branche aber immer noch auf ein sehr hohes Auftragspolster mit einer Auslastung von aktuell 11,6 Monaten blicken, betonte er. Beim Umsatz rechneten die Volkswirte des Verbands mit einem nominalen Zuwachs von 8 Prozent - dies würde einen Höchststand von 239 Milliarden Euro bedeuten.
Auf der Branche lasteten viele Risiken, sagte Haeusgen. Diese reichten vom Ukraine-Krieg über den Lockdown in Teilen Chinas bis hin zur Inflation und gestörten Lieferketten. Zuversicht zögen die Maschinenbauer aber aus "zahlreichen Geschäftschancen auf vielen wichtigen Absatzmärkten". Dazu zählten "vor allem die nach wie vor wirkenden staatlichen Konjunktur- und Infrastrukturprogramme rund um den Globus sowie die wachsenden Anstrengungen vieler Staaten, den Klimawandel zu bekämpfen".
Belastend auch auf die deutsche Schlüsselindustrie wirke indes der russische Angriff auf die Ukraine. Dieser habe "zu einer Vollbremsung der Geschäfte mit der Region geführt". Aus einer aktuellen Umfrage unter knapp 300 Unternehmen, die in Russland engagiert waren, ergebe sich, dass 95 Prozent ihre Aktivitäten dort spürbar eingeschränkt oder sogar eingestellt hätten. "Die Sanktionen gegen Russland wirken, und sie sind absolut richtig", fügte Haeusgen hinzu. Es werde auch nach einem Ende des Konflikts viele Jahre dauern, bis die Geschäfte der Maschinenbauer mit Russland wieder auf einem echten Vertrauensverhältnis beruhen könnten.
Der Verband warnte zudem, dass der russische Angriffskrieg die Debatte über den Klimaschutz in Europa nicht in den Hintergrund drängen dürfe. Dieser sei auch wichtig, um die Abhängigkeit von russischer Energie zu reduzieren. Dabei solle ein wesentlich größerer Fokus auf eine Steigerung der Energieeffizienz gelegt werden. Vor einem Gas-Embargo gegen Russland hatte der VDMA wie auch andere Industrie-Verbände bereits wegen der wirtschaftlichen Folgen gewarnt.
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Kriegsfolgen und Lieferketten
Die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges haben sich schon im März in den Auftragsbüchern der deutschen Maschinenbauer niedergeschlagen. Die Bestellungen sanken gegenüber dem Vorjahresmonat bereinigt um Preiserhöhungen (real) um 4 Prozent, wie der Branchenverband VDMA am Dienstag mitteilte.
"Fehlende Aufträge oder gar Auftragsstornierungen aus Russland und der Ukraine dürften ebenso zu diesem Rückgang geführt haben wie eine allgemein stärkere Kaufzurückhaltung verunsicherter Investoren", erläuterte damals VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.
Zudem machten sich die Lieferkettenprobleme wieder stärker bemerkbar, unter anderem in Folge des Corona-Lockdowns in Shanghai. Die Inlandsorders verringerten sich um 3 Prozent, die Bestellungen aus dem Ausland um 5 Prozent.
Trotz des Rückgangs im März verbuchten die Unternehmen der exportorientierten Branche im ersten Quartal insgesamt noch ein Auftragsplus von 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der VDMA hatte angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine seine Prognose für dieses Jahr zuletzt deutlich gesenkt. Statt eines ursprünglich erwarteten Produktionszuwachses von real 7 Prozent wird nun mit einem Plus von 4 Prozent gerechnet.