5G-Netze tragen zur Digitalisierung der Industrie bei : Digitalisierung in der Industrie: WLAN oder 5G am Shopfloor?

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Datenverfügbarkeit in der Werkshalle: Rund ein Viertel aller deutschen Industrieunternehmen planen, mittelfristig so genannte Campusnetze – also eigene lokale Funknetze mit 5G einzurichten.

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5G ist eine wichtige Netzwerktechnologie, die Innovation und die digitale Transformation unterstützt. Drahtlose Kommunikation ist aus den Werkshallen der Industrie längst nicht mehr wegzudenken: Immer mehr Sensoren in der Produktionsumgebung, die Daten an Gateways übermitteln und von dort aus in die Cloud geleitet werden, machen eine lückenlose Vernetzung unumgänglich. Maschinensteuerung, Fernwartung oder mobile industrielle Roboter: Unternehmen, die nachhaltig wachsen und die Vorteile der Digitalisierung nutzen wollen, stellen sich heute die technologische Frage:

Lassen sich die Herausforderungen für den verlässlichen und sicheren Datenfluss in einer immer mobileren Fabrik am besten über ein lokales WLAN – oder besser über das 5G-Mobilfunknetz lösen?

Studie: 5G-Mobilfunk oder WLAN in den Werkshallen der Industrie?

Eine Studie des deutschen IT-Branchenverbandes BITKOM ist dieser Frage auf den Grund gegangen. Rund ein Viertel oder 26 Prozent aller deutschen Industrieunternehmen planen, mittelfristig so genannte Campusnetze – also eigene lokale Funknetze mit 5G einzurichten. Vor allem in großen Fertigungshallen stellt die nahtlose Übergabe von Daten zwischen WLAN Access Points eine Herausforderung dar, sodass über 5G-Lösungen nachgedacht wird. Rund zwei Drittel der Unternehmen, die lokale Campusnetze planen, wollen dies, so die BITCOM Studie über einen Mobilfunkanbieter oder Netzausrüster machen, rund ein Drittel planen solche Campusnetze in Eigenregie.

Wie sieht es in Österreich mit 5G-Netzen im Zuge der Digitalisierung der Industrie aus? Welche Usecases gibt es für 5G-Campusnetzwerke? Macht Selbermachen Sinn – oder soll man auf Serviceanbieter oder Betreiber zurückgreifen? Telekom-Experte Christoph Uferer, Partner der ADLittle Unternehmensberatung, gibt Tipps.

Christoph Uferer: "Geringe Latenz, hohe Mobilität und Verfügbarkeit sprechen für 5G"

INDUSTRIEMAGAZIN: Viele Industrieunternehmen stehen vor einer Technologieentscheidung im Bereich Konnektivität am Shop Floor. Mehr als ein Viertel der deutschen Industrieunternehmen planen Campusnetzwerke. Wie sieht es in Österreich aus?

Christoph Uferer: Österreichs Industrie ist da natürlich keine Ausnahme, viel eher sogar Vorreiter in vielen Bereichen. Wir sehen eine stark zunehmende Digitalisierung und Mobilisierung von Produktionsprozessen entlang der Wertschöpfungskette. Die daraus resultierenden Use-Cases haben ein deutlich verändertes Anforderungsprofil bezüglich Konnektivität oder Datendurchsatz, Latenz und Verfügbarkeit.

Warum reicht WLAN oft nicht? Was sind die Usecases von 5G, was verändert das?


Vorab ist es wichtig zu verstehen, dass dies keine reine Technologieentscheidung, sondern vielmehr eine Business Model Frage ist – wie komme ich von „cost-down“ zu „value-up“ Use-Cases. Zellulare Kommunikationstechnologien wie etwa 5G kommen generell dann zum Einsatz, wenn ein hoher Datenbedarf mit geringer Latenz benötigt wird, wenn Mobilität und Verfügbarkeit essenziell sind und wenn die Datensicherheit und Datenhoheit von großer Bedeutung sind. Also konkret, wenn autonome Roboter zum Einsatz kommen, wenn Video und bildbasierte Steuerung und Wartung von Produktionsmaschinen eingesetzt wird oder wenn die Versorgung von großen Outdoorflächen mit Konnektivität essenziell ist.

Wozu raten Sie? Selbstmachen? Service-Anbieter? Mach ichs durch Betrieber?


Wir sehen diese Frage als eine der wesentlichen Betriebsmodell-Fragen welche sich Unternehmen in den nächsten Jahren stellen werden müssen. Es ist weniger eine klassische „make or buy“-Entscheidung sondern vielmehr die Frage welche Rolle man Digitalisierung im Unternehmen zuschreiben möchte. Ein guter Startpunkt ist es, sich die Digitalisierungsstrategie anzusehen und daraus zukünftige Anforderungen an Konnektivität abzuleiten. Daraus ergibt sich schonmal ein starkes Bild – wir empfehlen dies dann agnostisch mit verschiedensten Anbietern (Mobilfunker, Systemintegratoren, Campus Spezialisten) zu besprechen. Es ist keine binäre Entscheidung zwischen Selber machen und Vergeben – vielmehr eine sehr bewusste Entscheidung welche Themenbereiche man entlang der Value Chain selbst abdecken möchte und kann.

Wenn das eigentlich eine strategische Entscheidung ist, bedeutet das, dass die involvierten Entscheidungesbenen auch eher im C-Level liegen…?


Absolut. Wenn wir jetzt und in den letzten Jahren im Bereich WiFi oder anderen Kabel gebundenen Technologien gesprochen haben, sind das meist Entscheidungen von Werksleiter und lokalen IT-Organisationen, die da einfach den Ausbau vorantreiben. Wenn wir jetzt in Richtung Cellular 5G denken, ist es typischerweise eine Entscheidung, die deutlich strategischer ist und dann im C-Level-Bereich getroffen werden.

Welche Projekte haben Sie in Österreich schon begleitet?


Wie schon eingangs erwähnt ist das Thema bereits am heimischen Markt angekommen – verschiedenste Unternehmen aus unterschiedlichsten Sektoren, von Industrie, Transport & Logistik bis zur Energieversorgung, haben wir bei der Umsetzung privater Netzwerke begleitet. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist die Prinzhorn Gruppe, welche 5G Campus Netze in Ihren Produktionsstandorten einsetzt mit den klaren Zielen, neue Umsatzmöglichkeiten zu erschließen und Effizienzen entlang der Wertschöpfungskette zu realisieren.

Christoph Uferer, ADLittle: "Wenn wir in Richtung Cellular 5G denken, ist es typischerweise eine Entscheidung, die deutlich strategischer ist und dann im C-Level-Bereich getroffen werden."
Technologie-Entscheidung in den Werkshallen: WLAN oder 5G am Shopfloor? ADLittle-Experte Christoph Uferer im Interview