KTM, Kika/Leiner, Signa : Die größten Insolvenzen des Jahres 2024
Inhalt
- Anstieg der Insolvenzen: 18 Firmenpleiten pro Tag
- Grundlegender Fehler im Rechtssystem
- 79 Großinsolvenzen über 10 Mio. Euro
- Liste der 25 größten Insolvenzen im Jahr 2024
- Die Haupttreiber der Pleitewelle 2024
- Steigende Insolvenzzahlen in allen Bundesländern
- Prognose 2025: Was die Experten für das kommende Jahr erwarten
Anstieg der Großinsolvenzen in Österreich und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft: Experten wie Karl-Heinz Götze analysieren die Gründe hinter diesem Trend und die Folgen für Unternehmen und Arbeitsplätze.
- © IndustriemagazinKurz vor Jahresende veröffentlichte der KSV1870 die Hochrechnung seiner Insolvenzstatistik. Laut diesen Daten mussten im Jahr 2024 in Österreich insgesamt 6.550 Unternehmen Insolvenz anmelden, was einem Durchschnitt von 18 Firmenpleiten pro Tag entspricht. Besonders betroffen sind der Handel, die Bauwirtschaft sowie die Beherbergungs- und Gastronomiebranche. Bereits jetzt verzeichnet die Statistik 79 Großinsolvenzen mit Passiva von über zehn Millionen Euro. Für 2024 zeigt sich, dass deutlich mehr Gläubiger:innen und Arbeitnehmer:innen von den Insolvenzen betroffen sind als im Vorjahr. Der Kreditschutzverband prognostiziert für 2025 ein weiterhin düsteres Bild.
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Die österreichische Wirtschaft ist 2024 von einem massiven Insolvenzschub geprägt, der tiefgreifende Folgen hat. Der KSV1870 hatte bereits im Sommer Zahlen prognostiziert, die sich nun im historischen Höchstbereich bestätigen. Neben zahlreichen Großinsolvenzen geraten verstärkt auch mittelständische Betriebe in wirtschaftliche Schwierigkeiten und werden vor Gericht verhandelt. Im Gegensatz zu vielen Insolvenzen, die in der Corona-Pandemie ausgelöst wurden, verfügen diese Betriebe über mehr Aktivvermögen. Sie sind zwar überschuldet oder zahlungsunfähig, besitzen jedoch eine gewisse finanzielle Substanz. Der Kreditschutzverband nennt als Hauptursachen für diese Entwicklungen gestiegene Energie-, Rohstoff- und Personalkosten, die von den Unternehmen häufig nicht oder nur unzureichend an ihre Kunden weitergegeben werden konnten.
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Anstieg der Insolvenzen: 18 Firmenpleiten pro Tag
Die steigende Zahl der Insolvenzen lässt sich auf eine angespannte Geschäftslage, sinkende Umsätze und fehlende Aufträge zurückführen. "Der wirtschaftliche Druck nimmt zu, und Österreichs Unternehmen müssen um jeden Euro kämpfen. Für immer mehr Betriebe spitzt sich die Situation zu. Es ist aktuell zu erwarten, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auch in den kommenden Monaten auf einem ähnlich hohen Niveau bleiben wird", erklärte Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz beim KSV.
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Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind gravierend: Insgesamt verlieren 30.200 Beschäftigte (+27 %) durch die Pleiten ihren Arbeitsplatz und finden sich auf dem Arbeitsmarkt wieder. Gleichzeitig sind 51.000 Gläubiger:innen (+12 %) direkt betroffen, was die Insolvenzen auf eine Vielzahl von Betrieben und deren Geschäftspartner ausstrahlen lässt. Dadurch steigt das Risiko von Folgeinsolvenzen erheblich.
Karl-Heinz Götze, Leiter der KSV1870-Insolvenz, warnt eindringlich: „Umso mehr Unternehmen in die Pleite rutschen, desto größer ist die Gefahr, dass infolgedessen auch finanziell gesunde Unternehmen über kurz oder lang mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen haben und den Anker werfen müssen.“
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Eine aktuelle Analyse des KSV1870 zeigt, dass zahlreiche Unternehmen in Österreich derzeit erheblichen Herausforderungen gegenüberstehen. Die regelmäßig durchgeführte Erhebung zur Geschäftslage verdeutlicht diesen Trend: Nur 48 Prozent der Betriebe sind aktuell mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden – das ist der niedrigste Wert seit drei Jahren. Zu den zentralen Belastungsfaktoren zählen die hohen Energiekosten, die Budgets enorm strapazieren, sowie der Fachkräftemangel und eine sinkende Auftragslage. Darüber hinaus verläuft die Exportnachfrage sowohl in Österreich als auch in Europa weiterhin schleppend, was eine weitere Belastung darstellt. Eine Entspannung ist derzeit nicht in Sicht.
„Die Probleme sind gekommen, um zu bleiben. Zumindest vorerst, wie es den Anschein hat. In naher Zukunft wird es darum gehen, neue Impulse zu setzen und keinen Cent liegenzulassen. Dazu wird es auch eine starke Regierung brauchen, der es gelingt, Unternehmer und Private gleichermaßen zu entlasten“, betont Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG.
Die Probleme sind gekommen, um zu bleiben.Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG
Grundlegender Fehler im Rechtssystem
Ein weiteres besorgniserregendes Phänomen, das der KSV1870 im Kontext der aktuellen Wirtschaftslage beobachtet, ist die zunehmende Zahl an nichteröffneten Insolvenzverfahren. Im Vergleich zum Vorjahr ist diese Zahl um 20 Prozent gestiegen, was 2.403 Fälle umfasst. Der Grund: In diesen Fällen fehlt es an ausreichendem Vermögen, da die betroffenen Betriebe nicht einmal die notwendigen 4.000 Euro zur Deckung der Gerichtskosten aufbringen können.
Laut KSV1870 liegt das ungenutzte Volumen in diesen Fällen bei mehreren hundert Millionen Euro. Würden diese Insolvenzverfahren eröffnet, könnten die Mittel geordnet abgewickelt und zurück in den Wirtschaftskreislauf geführt werden. Hier ortet der KSV1870 jedoch einen grundlegenden Fehler im Rechtssystem, der eine effiziente Abwicklung verhindert.
79 Großinsolvenzen über 10 Mio. Euro
Das Jahr 2024 markiert ein düsteres Kapitel für die österreichische Wirtschaft. Laut dem Kreditschutzverband von 1870 (KSV) haben heimische Insolvenzen Passiva in Rekordhöhe von insgesamt 18,3 Milliarden Euro erreicht. Besonders auffällig ist, dass vier der sieben größten Pleiten in direktem Zusammenhang mit dem ehemaligen Immobilien-Tycoon Rene Benko und dessen Signa-Gruppe stehen. Die Aufarbeitung der komplexen Firmenstruktur und deren Insolvenzen könnte laut KSV-Experte Karl-Heinz Götze bis zu ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen.
Die Höhe der Passiva in Österreich hat im Jahr 2024 erneut einen deutlichen Anstieg verzeichnet. Ausgehend von einem bereits hohen Niveau im Vorjahr, das vor allem durch die zahlreichen Signa-Pleiten geprägt war, sind die Passiva um weitere 31 Prozent auf insgesamt 18,3 Milliarden Euro angewachsen. Besonders bemerkenswert ist der Einfluss der 79 Großinsolvenzen, die jeweils Passiva von mehr als zehn Millionen Euro aufweisen. Zum Vergleich: 2023 gab es lediglich 44 solcher Fälle.
Besonders auffällig ist die erneute Insolvenz der Leiner & kika Möbelhandels GmbH, die bereits innerhalb von zwei Jahren zum zweiten Mal in die Zahlungsunfähigkeit geriet. Mit 139 Millionen Euro liegt diese Pleite jedoch außerhalb der Top Ten des Jahres. Insgesamt verzeichnet Österreich 14 Insolvenzen mit Passiva von über 100 Millionen Euro, was die Dimension der wirtschaftlichen Auswirkungen verdeutlicht.
Liste der 25 größten Insolvenzen im Jahr 2024
Das sind die größten Insolvenzen des Jahres 2024:
- Fisker Austria GmbH (Passiva: 3,79 Mrd. Euro)
Die Insolvenz des US-Elektroautoherstellers Fisker Austria in Graz markiert mit Passiva von 3,79 Milliarden Euro die größte Firmenpleite des Jahres. Fisker hatte in Österreich eine zentrale Rolle in der Entwicklung und Produktion von Elektrofahrzeugen gespielt. Branchenexperten zufolge scheiterte das Unternehmen an unrealistischen Wachstumszielen, Finanzierungslücken und dem Ausfall strategischer Partner. Die Pleite ließ nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze in der Steiermark wackeln, sondern hinterließ auch ein Loch in der Zulieferindustrie.
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- Rene Benko als Einzelunternehmer (Passiva: 2,43 Mrd. Euro)
Der ehemalige Starunternehmer Rene Benko, einst gefeiert für seine milliardenschweren Investments im Immobiliensektor, rutschte mit Passiva von 2,43 Milliarden Euro tief in die Insolvenz. Trotz der finanziellen Schieflage bleibt Benkos Lebensstil unverändert luxuriös – unterstützt von privaten Zuwendungen aus seiner familiären Stiftung. Die Insolvenz gilt als Symptom für die Überdehnung seines weitverzweigten Imperiums und mangelnde finanzielle Resilienz.
- Familie Benko Privatstiftung (Passiva: 2,28 Mrd. Euro)
Auch die Privatstiftung der Familie Benko meldete Konkurs an. Mit 2,28 Milliarden Euro Passiva reiht sich diese Pleite knapp hinter Benkos persönlichem Bankrott ein. Die Stiftung hatte maßgeblich zur Finanzierung von Projekten der Signa-Gruppe beigetragen und geriet durch die massive Überschuldung der Gruppe in den Strudel.
- KTM AG (Passiva: 1,82 Mrd. Euro)
Ein weiteres prominentes Opfer ist die KTM AG in Mattighofen. Der Motorradhersteller, bekannt für seine sportlichen Modelle, meldete bei Passiva von 1,82 Milliarden Euro Insolvenz an. Marktanalysten sehen die Ursachen in einer Kombination aus nachlassender Nachfrage, steigenden Rohstoffpreisen und missglückten Expansionsprojekten.
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- Signa Prime Beteiligungs GmbH (Passiva: 830 Mio. Euro)
Die Wiener Signa Prime Beteiligungs GmbH, eine Kernfirma des Benko-Konglomerats, meldete bei Passiva von 830 Millionen Euro Insolvenz an. Der Fokus auf überbewertete Immobilienprojekte und mangelnde Diversifikation wird als Hauptgrund für den Niedergang gesehen.
- Imfarr Beteiligungs GmbH (Passiva: 600 Mio. Euro)
Mit Passiva von 600 Millionen Euro belegt die Imfarr Beteiligungs GmbH Platz 6 der größten Pleiten des Jahres. Das Unternehmen, spezialisiert auf Investments in Immobilien und Beteiligungen, scheiterte an der Finanzierung ambitionierter Projekte.
- Signa Prime Holding (Passiva: 500 Mio. Euro)
Die Signa Prime Holding, einst zentraler Bestandteil von Benkos Imperium, schließt die Negativ-Hitparade mit Passiva von 500 Millionen Euro ab. Experten werfen dem Management eine unzureichende Risikokontrolle und fehlende Strategien zur Absicherung gegen wirtschaftliche Schwankungen vor.
- Brunner Bauholding GmbH (Passiva: 450 Mio. Euro)
Die traditionsreiche Brunner Bauholding GmbH mit Sitz in Niederösterreich ging mit Passiva von 450 Millionen Euro in die Insolvenz. Der Zusammenbruch wurde durch die gestiegenen Kosten im Bauwesen sowie mehrere unrentable Projekte beschleunigt. Der Verlust hat gravierende Auswirkungen auf die gesamte Bauwirtschaft in der Region.
- Alpine Clean Energy GmbH (Passiva: 380 Mio. Euro)
Ein schwerer Schlag für die erneuerbare Energiebranche war die Insolvenz der Alpine Clean Energy GmbH. Das Tiroler Unternehmen, das auf Wind- und Solarkraft spezialisiert war, meldete bei Passiva von 380 Millionen Euro Konkurs an. Mangelhafte Finanzierung und ein abrupter Rückzug internationaler Investoren gelten als Hauptursachen.
- EuroSteel Solutions GmbH (Passiva: 300 Mio. Euro)
Die Insolvenz der Wiener EuroSteel Solutions GmbH, die in der Stahlverarbeitung tätig war, bedeutete bei Passiva von 300 Millionen Euro einen schweren Rückschlag für die Branche.
- GreenWorld Biotech GmbH (Passiva: 250 Mio. Euro) Die oberösterreichische GreenWorld Biotech GmbH, spezialisiert auf nachhaltige Agrartechnologien, meldete Insolvenz mit Passiva von 250 Millionen Euro an. Produktentwicklungsprobleme und fehlende Marktakzeptanz führten zum Aus.
- ASAP Gruppe (Passiva: 179,7 Mio. Euro) Die in Kärnten ansässige ASAP Gruppe, tätig im Bereich Automobilzulieferung, meldete Insolvenz mit Passiva von 179,7 Millionen Euro an. Steigende Kosten und Auftragsrückgänge waren entscheidende Faktoren.
- Leiner & kika Möbelhandels GmbH (Passiva: 139 Mio. Euro) Die traditionsreiche Möbelkette Leiner & kika meldete im November 2024 erneut Insolvenz an, mit Passiva von 139 Millionen Euro. Rund 1.350 Mitarbeiter sind betroffen.
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- Brucha Ges.mbH (Passiva: 85 Mio. Euro)
Die Brucha Ges.mbH, ein bedeutender Anbieter von Bau- und Isoliertechnik, meldete bei Passiva von 85 Millionen Euro Insolvenz an.
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- Windhager Technik GmbH (Passiva: 75 Mio. Euro)
Der Heiztechnikspezialist aus Oberösterreich meldete bei Passiva von 75 Millionen Euro Zahlungsunfähigkeit.
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- Liegenschaftspaket SABA GmbH (vormals: Sveta Immobilien GmbH Wien, Passiva: 70 Mio. Euro)
Das Immobilienunternehmen verzeichnete Passiva von 70 Millionen Euro und geriet vor allem aufgrund von Finanzierungslücken in die Insolvenz.
- PEPCO Austria (Passiva: 53,5 Mio. Euro)
Der Diskont-Riese PEPCO Austria meldete bei Passiva von 53,5 Millionen Euro Konkurs an.
- ASAP Production GmbH (Passiva: 51,6 Mio. Euro)
Ein Teil der ASAP-Gruppe, die insbesondere in der Automobilzulieferung tätig ist, verzeichnete Passiva von 51,6 Millionen Euro.
- ASAP Trading GmbH (Passiva: 45,8 Mio. Euro)
Ein weiteres Unternehmen der ASAP-Gruppe meldete bei Passiva von 45,8 Millionen Euro Insolvenz an.
- NBG Fiber Holding GmbH (Passiva: 35,1 Mio. Euro)
Das Unternehmen, das auf Glasfaserprodukte spezialisiert war, ging mit Passiva von 35,1 Millionen Euro in Konkurs.
- High Vision Investment HVI GmbH (Passiva: 35,0 Mio. Euro)
Der Investment-Spezialist verzeichnete Passiva von 35 Millionen Euro.
- ASAP 62 EUR GmbH (Passiva: 28,7 Mio. Euro)
Auch diese Tochtergesellschaft der ASAP-Gruppe meldete Konkurs an, mit Passiva von 28,7 Millionen Euro.
- EMPIS GmbH & Co KG (Passiva: 27,7 Mio. Euro)
Das Unternehmen, das im Bauwesen tätig war, ging mit 27,7 Millionen Euro Passiva in Insolvenz.
- MGG Herzogenburg (Passiva: 27 Mio. Euro)
Der Maschinenbauer aus Herzogenburg meldete bei Passiva von 27 Millionen Euro Konkurs an.
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- Magazin 07 Möbel und Einrichtungen (Passiva: 15 Mio. Euro)
Der Möbelhändler Magazin 07 verzeichnete Passiva von 15 Millionen Euro und musste Insolvenz anmelden.
Die Haupttreiber der Pleitewelle 2024
Die jüngste Hochrechnung des KSV1870 gibt Einblick in die Branchen, die im Jahr 2024 die meisten Insolvenzen verzeichnen. Drei Sektoren stechen dabei besonders hervor und sind für nahezu die Hälfte aller Unternehmenspleiten in Österreich verantwortlich.
1. Handel: Spitzenreiter bei Insolvenzen
Mit 1.146 Firmenpleiten verzeichnet der Handel den größten Anteil an Insolvenzen – ein Anstieg von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei sind sowohl der Einzelhandel als auch der Großhandel gleichermaßen betroffen und zeigen ähnliche prozentuale Zuwächse. Der Handel ist somit weiterhin stark von den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen gezeichnet.
2. Bauwirtschaft: Massive Probleme im Hochbau und Baunebengewerbe
Die Bauwirtschaft belegt mit 1.069 Insolvenzen und einem Plus von 15 Prozent den zweiten Platz. Besonders betroffen ist der Hochbau mit 322 Fällen sowie das Baunebengewerbe, das 738 Insolvenzen aufweist. Der Tiefbau hingegen bleibt vergleichsweise stabil. Ergänzend dazu zeigt auch das Grundstücks- und Wohnungswesen eine dramatische Entwicklung, mit 323 Fällen und einem beeindruckenden Anstieg von 76 Prozent. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Bauwirtschaft wirken sich klar auf diesen Sektor aus und verstärken die Problematik.
3. Beherbergung und Gastronomie: Starke Belastungen durch gestiegene Kosten
An dritter Stelle rangiert der Bereich Beherbergung und Gastronomie, der im Jahr 2024 826 Firmenpleiten zu verzeichnen hat – ebenfalls ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Branche kämpft weiterhin mit den Nachwirkungen der Pandemie, gestiegenen Betriebskosten und einer rückläufigen Konsumnachfrage.
Steigende Insolvenzzahlen in allen Bundesländern
Die Insolvenzstatistik 2024 zeigt eine deutliche Zunahme der Unternehmenspleiten in ganz Österreich. Insgesamt wurden 6.550 Insolvenzen verzeichnet, was einem Anstieg von 21,7 Prozent gegenüber 2023 entspricht. Doch nicht nur die Fallzahlen, sondern auch die Passiva – die Höhe der Schulden der insolventen Unternehmen – geben ein differenziertes Bild ab. Während in einigen Bundesländern ein drastischer Anstieg zu verzeichnen ist, gab es in Wien einen bemerkenswerten Rückgang.
Wien: Rückgang der Passiva trotz steigender Insolvenzen
Mit 2.467 Insolvenzen weist Wien die meisten Unternehmenspleiten unter allen Bundesländern auf, was einem Zuwachs von 27,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Allerdings sank die Summe der Passiva von 12.056 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 4.781 Millionen Euro – ein Rückgang von 60,3 Prozent. Dieser Rückgang ist auf den signifikanten Ausreißer im Vorjahr zurückzuführen, der durch die Signa-Pleiten verursacht wurde.
Tirol: Massiver Anstieg der Passiva durch Großinsolvenzen
Tirol verzeichnete 365 Insolvenzen (+13 Prozent) und einen enormen Anstieg der Passiva um 2.468,8 Prozent. Diese außergewöhnliche Entwicklung ist auf zwei Großinsolvenzen im Zusammenhang mit der Causa René Benkozurückzuführen, die die wirtschaftliche Statistik in der Region stark beeinflusst haben.
Andere Bundesländer: Auffällige Entwicklungen
- Oberösterreich: Mit 701 Fällen (+22,3 Prozent) stiegen die Passiva hier um beeindruckende 451,9 Prozent, von 451 Millionen Euro auf 2.489 Millionen Euro.
- Steiermark: Die Passiva legten um 1.143,2 Prozent zu, von 336 Millionen Euro auf 4.177 Millionen Euro, bei 734 Fällen (+20,1 Prozent).
- Burgenland: Die Zahl der Insolvenzen wuchs um 52,1 Prozent (321 Fälle), und die Passiva verdreifachten sich auf 112 Millionen Euro (+166,7 Prozent).
- Kärnten: Mit 363 Fällen (+23,1 Prozent) stiegen die Passiva um 210,4 Prozent, auf 357 Millionen Euro.
Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass wir puncto hoher Insolvenzzahlen nicht am Ende des Tunnels angekommen sind, sondern uns mittendrin befinden.Karl-Heinz Götze, Leiter der KSV1870-Insolvenz
Prognose 2025: Was die Experten für das kommende Jahr erwarten
Der KSV1870 rechnet für das kommende Jahr mit 6.500 bis 7.000 Unternehmensinsolvenzen. Die hohen Fallzahlen aus 2024 werden sich demnach fortsetzen. Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind das geringe Wirtschaftswachstum, die schwierige Lage in Deutschland – Österreichs wichtigstem Handelspartner – sowie die anhaltend hohe Kostenbelastung.
Hohe Insolvenzzahlen sind noch nicht das Ende
"Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass wir puncto hoher Insolvenzzahlen nicht am Ende des Tunnels angekommen sind, sondern uns mittendrin befinden", betont Karl-Heinz Götze, Leiter der KSV1870-Insolvenz. Die Experten gehen davon aus, dass wesentliche Faktoren wie Energiekosten, eine gedämpfte Konsumnachfrage und geopolitische Entwicklungen die wirtschaftliche Lage der Unternehmen weiterhin stark beeinflussen werden.
Unsicherheiten in der Bauwirtschaft und am Arbeitsmarkt
Besonders kritisch bleibt die Lage in der Bauwirtschaft, die auch 2025 vor großen Herausforderungen steht. Der Fachkräftemangel, hohe Materialpreise und die schleppende Entwicklung bei Bauvorhaben belasten die Branche. Ein Lichtblick könnte das Auslaufen der KIM-Verordnung darstellen, die bisher den Immobilien- und Baufinanzierungsmarkt einschränkte.
"Das Auslaufen der KIM-Verordnung ist jedenfalls ein guter Schritt, um der Baubranche neues Leben einzuhauchen. Inwieweit dieser Schritt bereits 2025 in der Realität spürbar sein wird, bleibt abzuwarten", erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG.
Auch der Arbeitsmarkt wird eine entscheidende Rolle spielen. Mit einer Vielzahl an Insolvenzen steigt das Risiko, dass noch mehr Beschäftigte ihre Arbeit verlieren, was die wirtschaftliche Gesamtsituation weiter belasten könnte.