Geschäftsende

Der Rückzug von Siemens aus Russland

Siemens Logo Siemenslogo
© Siemens

Siemens zieht sich komplett aus Russland zurück. Nachdem der Konzern die Geschäfte mit dem Staat bereits eingestellt hatte, will er das Land nun komplett verlassen, wie Siemens am Donnerstag in der Früh mitteilte. Damit geht eine Präsenz in Russland von rund 170 Jahren zu Ende.

„Wir verurteilen den Krieg in der Ukraine und haben beschlossen, unsere industriellen Geschäftsaktivitäten in Russland in einem geordneten Prozess zu beenden“, sagt Roland Busch, Vorstandsvorsitzender von Siemens. „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, denn wir haben eine Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und langjährige Kundenbeziehungen in einem Markt, in dem wir seit rund 170 Jahren tätig sind. Derzeit prüfen wir die Auswirkungen auf unsere Belegschaft und werden sie weiterhin nach besten Kräften unterstützen. Gleichzeitig leisten wir humanitäre Hilfe für unsere Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine, sowie für das ukrainische Volk und rufen gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft zum Frieden auf.“

Doch Siemens ist ein großer Konzern – welche Bereiche sind von dem Rückzug betroffen? Anscheinend sind durch die Sanktionen gegen Russland Belastungen entstanden, die auf rund 600 Millionen Euro beziffert werden. Sie sind besonders im Bahnservice und in der Instandhaltung entstanden. Dass noch schärfere Sanktionen drohen, ist ebenfalls schädlich für das Geschäft.

Die Sparte Siemens Mobility produziert seit 160 Jahren Transportlösungen und ist unter anderem mit einem Standort in Wien vertreten. Die Sanktionen hätten zuletzt sogar Schmierstoffe betroffen, so wäre eine Aufrechterhaltung der Service-Tätigkeiten nicht mehr möglich, erklärte Bosch laut Medienberichten.

Siemens Zentrale in Moskau

Das Siemens-Zentrale in Moskau: Errichtet 2011 nach modernsten Kriterien von Funktionalität, Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit, ist heute verwaist.

- © Siemens

Siemens Österreich ist an sich nicht in Russland tätig, wohl aber in der Ukraine sowie in mehreren angrenzenden Ländern. Entsprechend angespannt durch hohe Belastungen und Sorgen über eine Ausbreitung des Kriegs in diese Regionen können die Produktionsbedingungen dort sein. Eine Stellungnahme darüber, ob die Österreich-Division von dem aktuellen Rückzug betroffen sein könnte, wollte der Konzern derzeit nicht abgeben.

Konkret steuert Siemens Österreich die Aktivitäten in Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Georgien, Israel, Kosovo, Kroatien, Moldawien, Montenegro, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Ukraine, Ungarn, Polen und Tschechien.

Roland Busch, CEO Siemens
Roland Busch, CEO Siemens: "haben beschlossen, unsere industriellen Geschäftsaktivitäten in Russland in einem geordneten Prozess zu beenden“ - © YouTube/ CNBC International TV

Die aktuelle Lage – und damit Grund für den Rückzug – drückt auch auf die parallel veröffentlichten Ergebniszahlen für das abgelaufene zweite Geschäftsquartal, in dem Siemens 1,2 Milliarden Euro Gewinn machte. Das ist nur noch halb so viel wie im Vorjahreszeitraum, dennoch bestätigte der Konzern seine Prognose für das laufende Jahr.

Beim gesunkenen Gewinn machen sich nicht nur die Folgen des Abschieds aus Russland bemerkbar, wo Siemens bisher rund ein Prozent seiner Umsätze generiert und etwa 3.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hat. Das Vergleichsergebnis aus dem Vorjahresquartal war zusätzlich auch durch hohe positive Effekte nach oben verzerrt - unter anderem im Zusammenhang mit dem Verkauf von Flender.

"In einem extrem schwierigen Umfeld ist unser Geschäft weiterhin stark", sagte Siemens-Chef Roland Busch. Der Konzern habe im zweiten Quartal seinen Wachstumskurs fortgesetzt. "Der gestiegene Auftragseingang und Umsatz spiegeln erneut das Vertrauen unserer Kunden in uns wider." Der Umsatz lag bei 17 Mrd. Euro, das sind nominell 16 Prozent mehr als vor einem Jahr, der Auftragseingang legte sogar um 32 Prozent auf knapp 21 Mrd. Euro zu.

Bereits im März reagierte Siemens schnell und stellte sein Neugeschäft mit Russland ein. Dies gelte auch für internationale Lieferungen, teilte der Konzern damals mit. "Wir halten uns bei unseren Geschäftsaktivitäten in und mit Russland selbstverständlich an geltendes Recht sowie an die geltenden Exportkontrollrichtlinien und an das geltende Sanktionsrecht", hieß es in der Stellungnahme von Siemens.

Das lokale Service- und Wartungsgeschäft wurde zu dem Zeitpunkt aber noch fortgesetzt. In den vergangenen Jahren hatte Siemens etwa mehrfach Züge nach Russland geliefert und dafür auch Wartungsverträge abgeschlossen.

Auch Siemens Energy – das von Siemens inzwischen abgespaltene Energietechnik-Unternehmen– hat sein Neugeschäft mit Russland gestoppt und prüft die weiteren Auswirkungen der Sanktionen. "Siemens Energy unterstützt die Haltung der internationalen Regierungskoalition, die Sanktionen gegen Russland verhängt hat", hieß es in einer Erklärung des Vorstands an die Mitarbeiter. Priorität habe derzeit die Unterstützung der Mitarbeitenden und ihrer Familien vor Ort. Siemens ist noch mit 35 Prozent an Siemens Energy beteiligt. (apa/red)