Energieversorger

Verbund: Starkes Gewinnplus - Netzlast sinkt bereits wegen Corona

Dank deutlich höherer Strompreise und mehr Erzeugung mit Wasserkraft meldet der größte Energieversorger Österreichs für das Vorjahr deutlich gestiegene Ergebnisse. Derzeit sinkt der Bedarf der Industrie und der Verbund schaltet in "stabilen Krisenbetrieb".

Dank um ein Drittel höherer Strom-Absatzpreise und teurerer CO2-Zertifikate hat der Verbund-Stromkonzern 2019 seine Jahresziele bei operativem Ergebnis und Nettogewinn erreicht. Die Dividende soll angehoben werden. Strom aus Wasserkraft wurde mehr produziert, die kalorische Erzeugung ging zurück, womit sich der CO2-Footprint verbesserte.

Verbund: Netzlast schon geringer - Versorgung gesichert

Nach Angaben von Wolfgang Anzengruber führt die Coronavirus-Krise schon zu einem geringeren Strombedarf der Industrie, die ihre Produktion gedrosselt hat. Die Last im heimischen Stromnetz ist um ein Zehntel niedriger als in normalen Zeiten. Die Stromversorgung sei gesichert, "wir sind in einem stabilen Krisenbetrieb", sagte der Verbund-Chef im APA-Gespräch.

Im Verbund seien seit 25. Februar Krisenstäbe im Einsatz. Man arbeite zur Vermeidung von Sozialkontakten in getrennten Teams, und alle nicht operativ wichtigen Beschäftigten - rund 1.400, etwa die halbe Belegschaft - seien über Fernzugang im Dienst. Konferenzen würden nur noch auf Web-Basis erfolgen. Es seien somit "für die Mitarbeiter Vorkehrungen getroffen, die gut greifen".

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Stromkonzern in "stabilem Krisenbetrieb"

Die Betriebssituation selbst sei stabil, auch die Netzsituation, betonte Anzengruber. Der Zugang zu Kraftwerken sei gegeben, auch im Zillertal in Tirol mit örtlichen Teams. An Baustellen halte man nur noch jene für die Anlagensicherheit notwendigen aufrecht und schließe diese ab - "Stichwort die bevorstehende Schneeschmelze". "Alle anderen Baustellen sperren wir zu."

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Industriebedarf sinkt bereits

Die Prognose-Bandbreite zu den Ergebnissen im Jahr 2020, die der Verbund mit den Bilanzzahlen 2019 gegeben hat, sieht Anzengruber "basierend auf dem aktuellen Wissensstand" als "relativ sicher" an. Dabei orientiere man sich unter anderem an den Forward-Notierungen, auch wenn es an den Energie-Großhandelsmärkten aktuell "natürlich eine fallende Tendenz" gebe. Der Verbund habe rund 70 Prozent seiner diesjährigen Produktion gehedgt, also bereits abgesichert.

Dauer der Gas-Connect-Gespräche nicht absehbar

Das Verbund-Interesse am Kauf des 51-Prozent-Anteils der OMV am Gaspipeline-Betreiber Gas Connect Austria begründete Anzengruber mit der "interessanten Position" der Gas Connect in der Energie-Infrastruktur und der wichtigen Rolle, die Erdgas bei der Entwicklung der Wasserstoff-Wirtschaft spielen werde.

Der "Green Deal" sei ein großes Thema, da gehe es auch um "Greening the Gas" mit Einspeisungen von synthetischem Gas ins Netz, gewonnen etwa aus Wind-Überschussstrom. Darin liege ein erhebliches Potenzial für eine CO2-ärmere Zukunft. Auch in den nächsten Jahrzehnten werde Gas elementar sein, so der Verbund-CEO.

Einen Zeithorizont für die Vertragsverhandlungen könne er wegen der Corona-Krise nicht nennen, die Due Diligence solle in den nächsten Wochen starten. Dass der Verbund einen Kauf prüft, ist erst seit 12. März bekannt. OMV und Verbund haben Exklusivität vereinbart. Weiters dazu: OMV will Tankstellen und Gas Connect Austria abstoßen >>

Die Ergebnisse im Detail

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wuchs um 37 Prozent auf 1,184 Mrd. Euro, teilte der Verbund am Mittwoch mit - angepeilt waren 1,19 bis 1,24 Mrd. Euro. Der Nettogewinn stieg um 28 Prozent auf 555 Mio. Euro, hier zielte man auf 540 bis 580 Mio. Euro ab. 2020 sollen es - gemessen an normalen Verhältnissen - 1,15 bis 1,34 Mrd. EBITDA und 510 bis 630 Mio. Euro Konzernergebnis werden. Auf die Corona-Krise wurde dabei nicht explizit Bezug genommen.

Die Dividende für 2019 soll von 42 auf 69 Cent pro Aktie steigen - das entspricht knapp über 43 Prozent des Konzernergebnisses. Für 2020 ist eine Ausschüttungsquote zwischen 40 und 50 Prozent angepeilt, bezogen auf ein um Einmaleffekte bereinigtes Konzernergebnis von 510 bis 630 Mio. Euro.

Der Umsatz wuchs um 46 Prozent auf 3,90 Mrd. Euro, der Mitarbeiterstand betrug rund 2.800. Der operative Cashflow kletterte um 81 Prozent auf 817 Mio. Euro, der Free Cashflow nach Dividende um 170 Prozent auf 639 Mio. Euro. Die Relation Nettoschulden zu EBITDA wurde von 3,0 auf 1,9 verbessert. Damit zähle man "zu den Top-Werten aller europäischen Versorger". Der Return on Capital Employed (die Rentabilität des eingesetzten Kapitals; ROCE) bzw. die Eigenkapitalrentabilität verbesserten sich auf 7,8 bzw. 10,2 Prozent, auch das seien Spitzenwerte. Die EBITDA-Marge betrug 30,4 Prozent.

Seine gesamten Strom-Eigenerzeugung steigerte der Verbund-Konzern um 6,5 Prozent auf 33.159 Gigawattstunden (GWh), dabei in der Wasserkraft um 6,9 Prozent auf 30.660 GWh und in der Windkraft um 11,4 Prozent auf 929 GWh. Der Laufwasserkraft-Erzeugungskoeffizient lag mit 101 Prozent des langjährigen Schnitts um 7 Prozentpunkte höher als 2018.

Strom aus Wärmekraft gab es beim Verbund mit 1.570 GWh um 2,6 Prozent (oder 42 GWh) weniger. Grund: Das Gas-Kombikraftwerk Mellach, dessen Leistung immer wieder zur Netzstützung abgerufen wird, produzierte um 27 GWh weniger Strom, das Steinkohlekraftwerk Mellach um 15 GWh weniger. Der Kohle-Teil in Mellach läuft nur noch für die Fernwärmeversorgung für Graz, laut Vertrag noch bis Ende dieser Heizsaison. Die spezifischen Treibhausgas-Emissionen pro kWh konnte der Verbund 2019 um fast 6 Prozent auf 32,4 (34,4) Gramm CO2 senken.

Samt 29.056 GWh Strom-Fremdbezug (aus Handel & Vertrieb), um 7,5 Prozent mehr, und inklusive Fremdbezug Verlust- und Regelenergie (-18,9 Prozent auf 4.077 GWh) brachte der Konzern 66.292 GWh Strom auf (+4,9 Prozent).

Den gesamten Stromabsatz steigerte der Verbund um 5,6 Prozent auf 62.179 GWh - dabei an Endkunden um 15,9 Prozent auf 14.478 GWh und an Händler um 10,7 Prozent auf 19.894 GWh. Die Absatzmenge an Weiterverteiler sank leicht um 2,3 Prozent auf 27.806 GWh. Über die Hälfte des Gesamtabsatzes (34.475 GWh) entfielen auf Österreich (+20,5 Prozent), ein gutes Drittel auf Deutschland (-9,6 Prozent). Die Schwerpunktverschiebung von Deutschland Richtung Österreich liegt am "Aus" für die gemeinsame Preiszone der beiden Länder im Herbst 2018.

Beim Verkauf von Strom aus seiner eigenen Wasserkraft-Erzeugung konnte der Verbund 2019 einen Anstieg um gut ein Drittel erzielen, pro Megawattstunde (MWh) legten die Preise kräftig um 9,7 Euro auf 39,0 Euro pro MWh zu.

(APA/red)

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