Metaller-KV

Trotz verhärteter Fronten Einigung beim Metaller-KV

Die Streiks sind abgewendet, eine Einigung erreicht: Neben Zugeständnissen im Rahmenrecht als Ausgleich für die neuen Arbeitszeitregeln erhalten Metaller eine durchschnittliche Entgelterhöhung von 3,46 Prozent.

Sprecher der Arbeitgebervertreter, Christian Knill und die Verhandler auf Arbeitgeberseite Veit Schmid-Schmidsfelden und Stefan Ehrlich-Adam nach Abschluss der Metaller-KV Verhandlungen.

Nach 64 Stunden in sieben Verhandlungsrunden hat es am Sonntagabend endlich eine Einigung im Metaller-KV für die Metalltechnische Industrie (FMTI) mit 130.000 Beschäftigten gegeben. Damit wurden weitere von der Gewerkschaft angedrohte Streiks abgewendet. Der Abschluss gilt grundsätzlich für alle Lohnrunden - und speziell für 60.000 weitere Metaller in anderen Teilbereichen - als richtungsweisend.

Neben Zugeständnissen im Rahmenrecht als Ausgleich für die neuen Arbeitszeitregeln, die den 12-Stundentag und die 60-Stundenwoche erleichtern, erhalten die Mitarbeiter eine durchschnittliche Entgelterhöhung von 3,46 Prozent. Die untersten Einkommen steigen um 80 Euro bzw. 4,3 Prozent. Das neue Mindestgrundgehalt liegt somit bei 1.928 Euro. Die höchsten Einkommen steigen um 3,0 Prozent. Gefordert hatten die Gewerkschaften 5 Prozent.

Ab 1. Juli 2019 - und damit nicht rückwirkend ab 1. November wie die Entgelterhöhung und anderen Neuerungen - gibt es Zuschläge von 100 Prozent für die elfte und zwölfte Arbeitsstunde bzw. ab der 51. Wochenstunde.

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Auch die Lehrlinge bekommen künftig deutlich mehr. Das hoben beide Verhandlungsseiten hervor, zeigten hier praktisch die größte Einigkeit. "Die Lehrlingsentschädigungen steigen im Durchschnitt um 10 Prozent. Das ist eine tolle Geschichte", sagte der Chefverhandler der Gewerkschaft PRO-GE, Rainer Wimmer. Auch Arbeitgeber-Chefverhandler Veit Schmid-Schmidsfelden hob die "signifikante Erhöhung der Lehrlingsentgelte" hervor. "Das hat natürlich für uns den Hintergrund, die Lehre in ihrer Attraktivität zu steigern."

Ansonsten waren sich die Gewerkschafter und die Arbeitgeber nicht ganz so nahe, wie das der Abschluss glauben machen könnte. So gab es getrennte Stellungnahmen. Der Fachverbandsobmann des FMTI, Christian Knill, sagte, das Verhältnis zu de Gewerkschaften sei ob deren politischem Vorgehen "abgekühlt". Er forderte einmal mehr, dass der Verhandlungsmodus mit den Gewerkschaften geändert werden müsse und will das unter dem "Stichwort KV 4.0 bei den nächsten Verhandlungen angehen". Die Gewerkschafter meinten, man habe gegen eine "Abwehrhaltung" der Arbeitgeber ankämpfen müssen.

Das Ergebnis an sich stellten die Arbeitgeber als an der Schmerzgrenze dar. Die Arbeitnehmervertreter zeigten sich zufrieden. "Wir haben einen Abschluss, der sehr lange gedauert hat, um ein ordentliches Ergebnis für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erzielen", sagte Wimmer. "Wir haben für die Arbeitszeit einfach etwas gebraucht", sagte er zu den Zugeständnissen im Rahmenrecht. "Die Bundesregierung hat es möglich gemacht, dass zwölf Stunden angeschafft werden können, ohne dass sich die Arbeitnehmer wehren können." Die elfte und zwölfte Stunde bekommen nun einen 100-prozentigen Zuschlag. "Das heißt, wir haben sie verteuert."

Auch die Arbeitgeber richteten der Bundesregierung etwas aus: "Es liegt auch an der Bundesregierung, ihren Anteil zu leisten, dass die Arbeitskosten in unserem Land nicht weiter steigen. Wir brauchen eine Reduktion der Lohnnebenkosten", forderte Mitverhandler Stefan Ehrlich-Adam (EVVA-Geschäftsführer). Dass sich die Lohnspirale über die Kalte Progression nach oben dreht, müsse beendet werden. "Vom heutigen Abschluss profitiert auch der Finanzminister sehr stark." Es müsse künftig "mehr Netto vom Brutto übrigbleiben".

GPA-djp-Verhandler Karl Dürtscher freute sich vor allem über Zugeständnisse bei Gleitzeitregelungen. So gibt es den 100-Prozent-Zuschlag für die elfte und zwölfte Stunde künftig auch dort.

Wimmer will den Abschluss in der Metalltechnischen Industrie weiterhin auf die anderen, kleineren Metallersparten mit insgesamt 60.000 Mitarbeitern ummünzen. Man werde rasch Gesprächstermine ausmachen. Es geht um die Metaller-Sparten Bergbau-Stahl, Fahrzeugindustrie, Gießereiindustrie (Verhandlungen gemeinsam mit Metalltechnischer Industrie, also abgeschlossen), Nichteisen-Metallindustrie sowie Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen. Die einzelnen Arbeitgeberverbände der Metallindustrie verhandeln seit 2012 zwar in getrennten Runden mit den Gewerkschaften den KV Metallindustrie, der einheitliche KV soll aber wie in den Jahren zuvor weiter bestehen bleiben, fordert die Gewerkschaft. (apa)