Risikokapital

Speedinvest-Gründer Holle: "Es wird Börsengänge geben"

Der Wiener Frühphasen-Investor Speedinvest hat in zehn Jahren 350 Millionen Euro in über 250 Start-ups investiert.

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Der Wiener Frühphasen-Investor Speedinvest hat in den vergangenen zehn Jahren rund 350 Mio. Euro in mehr als 250 Start-ups investiert. Vier Speedinvest-Investments - Bitpanda, GoStudent, Tier und Wefox - sind bereits mit mehr als 1 Mrd. Dollar bewertet. "Es wird Börsengänge geben", sagte Speedinvest-Gründer Oliver Holle am Freitag vor Journalisten in Wien an. Über einen IPO des Berliner Insurtech Wefox und der Wiener Kryptoplattform Bitpanda wurde bereits medial spekuliert.

Im Portfolio habe man außerdem zehn Jungunternehmen, denen eine gute Chance eingeräumt werde, ebenfalls eine Bewertung von 1 Mrd. Dollar zu erreichen, sagte der Speedinvest-Chef. Mehr als die Hälfte dieser Start-ups hätten ihren Sitz in Österreich oder Deutschland.

Insgesamt hat Speedinvestor bei institutionellen und Privatinvestoren rund 450 Mio. Euro eingesammelt, damit stehen derzeit noch 100 Mio. Euro für Investments zur Verfügung. Mit an Bord sind viele heimische Investoren und Unternehmen, unter anderem Russmedia, Styria, die Unternehmensgruppe Heinzel, Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz, die staatliche Förderbank aws oder auch Uniqa, Raiffeisen, Erste Bank und Bawag. Speedinvest investiert normalerweise zwischen 500.000 und 3 Mio. Euro in ein Start-up und erhält dafür 5 bis 20 Prozent der Firmenanteile.

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Bisher hat sich Speedinvest rund 14-mal gewinnbringend von Beteiligungen getrennt. Der größte Exit gelang mit dem Wiener Kleinanzeigen-Plattform Shpock, das beim Verkauf an den norwegischen Medienkonzern Schibsted rund 200 Mio. Euro wert war. Wie viel Speedinvest bei den Anteilsverkäufen bisher eingenommen, wollte Holle auf Nachfrage nicht kommentieren. Der im Jahr 2011 gestartete Beteiligungsfonds "Speedinvest 1" mit 10 Mio. Euro und der 2015 gestartete "Speedinvest 2" mit 91 Mio. Euro hätten sich im Wert verdrei- bis vervierfacht, erklärte Holle.

Speedinvest hat bisher rund zwei Drittel des gesamten Risikokapitals in Österreich für Start-ups eingeworben. In den vergangenen zehn Jahren haben die heimischen Risikokapitalgeber rund 680 Mio. Euro eingesammelt. Holle wies darauf hin, dass Wien als Start-up-Standort von London, Berlin und Warschau weiter abgehängt wurde. In London gibt es laut Holle 656 Risikokapitalgeber und 24 Jungunternehmen mit Einhorn-Status (1 Mrd. Dollar Unternehmensbewertung), in Berlin haben 112 Venture Capital (VC)-Geber und 11 "Einhörner" ihren Sitz und in Wien sind es 6 Risikokapitalgeber und 2 "Einhörner" (Bitpanda und GoStudent).

In den vergangenen zehn Jahren stagnierte die Zahl der Risikokapitalgeber in Wien. Im Jahr 2011 gab es bereits fünf VCs in Wien. "Das muss sich ändern, da gibt es einiges zu tun", sagte der Speedinvest-Chef. Für die Zukunft sei er aber "extrem optimistisch". "Es hat nichts zu tun mit der Politik, sondern mit den Start-ups". An die Politik appellierte Holle Ankündigungen umzusetzen.

(APA)