Autoindustrie

Neue Strategie für Mercedes-Benz mit Spannung erwartet: 4 Eckdaten

Konzernchef Källenius will in Kürze eine neue Strategie für den deutschen Premiumhersteller vorstellen, der mit Zuverlässigkeit, Qualität und Eleganz den Weltmarkt erobert hat - nun aber plötzlich einer zunehmend aufgeregten Öffentlichkeit gegenüber steht, die Elektroautos als die wichtigste Lösung des Klimaproblems betrachtet.

Für den heutige Dienstag hat Daimler-Chef Ola Källenius das mit Spannung erwartete Update seiner Strategie für Mercedes-Benz angekündigt: Investoren und Analysten sollen erfahren, wie sich der Premium-Autobauer von PS-starken und spritschluckenden Verbrenner-Modellen auf klimaschonende Elektroautos umstellen will, ohne dass die Rendite unter die Räder kommt. Einen ersten Plan zu Modellen, Kostensenkungen und Gewinnzielen hatte Källenius im November 2019 vorgestellt.

Elf Monate später muss der Schwede nachschärfen, denn die Coronakrise erhöht den Spardruck. Die EU-Kommission will außerdem mit strengeren Reduktionszielen für den Kohlendioxid-Ausstoß der Autos 2021 das Tempo beim Klimaschutz erhöhen. Nachfolgend ein Überblick zu den wesentlichen Punkten:

(1) WIE ÄNDERT SICH DIE MODELLPALETTE?

Ziel des deutschen Autobauers ist es, "Pionier für nachhaltigen modernen Luxus" zu sein. Die Marke mit dem Stern will sich auf die rentabelsten Fahrzeuge in jedem Segment von der Kompakt- bis zur Luxusklasse konzentrieren. Mehr als 20 neue "xEV" waren bis 2022 geplant - also rein batteriebetriebene Autos oder Hybrid-Modelle, die Verbrennungs- und Elektromotor kombinieren. Ihr Absatzanteil sollte von zwei Prozent 2019 über neun Prozent heuer, 15 Prozent im nächsten Jahr bis hin zu mehr als 50 Prozent bis 2030 steigen.

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Kann Mercedes damit das geplante höhere Ziel der EU erreichen, bis 2030 den CO2-Ausstoß von Neuwagen im Schnitt um 50 statt der bisher beschlossenen 37,5 Prozent gegenüber dem Zielwert für 2021 von 95 Gramm pro Kilometer zu senken? Wird die Zahl der Pkw-Modelle von derzeit 40 sinken? Welche werden ausgemustert - etwa reine Verbrennermodelle der Kompakt-Baureihen A- und B-Klasse? Welche Rolle spielen künftig die hochmotorisierten AMG-Modelle?

(2) WORAN SOLL GESPART WERDEN?

In neue Elektroautos muss Daimler Milliarden stecken. Zugleich ist der Absatz durch die Coronakrise eingebrochen, und der DAX-Konzern kämpft mit steigenden Kosten im Dieselskandal. Schon unter Källenius Vorgänger Dieter Zetsche sollten Anfang 2019 alle Ausgaben auf den Prüfstand, Material- und Personalkosten sinken und die Produktion effizienter werden. Auch die Investitionen in Sachanlagen sowie in Forschung und Entwicklung, die Källenius ursprünglich 2020 noch auf dem Rekordniveau des Vorjahres von 16 Milliarden Euro halten wollte, werden aufgrund des Coronaschocks jetzt zurückgefahren.

Welche der vier Trends der vergangenen Jahre unter dem Schlagwort CASE - das steht für Connected, Autonomous, (Car-)Sharing, Electrification - müssen hinten anstehen? Es zeichnet sich schon länger ab, dass die Autobauer autonomes Fahren und Mobilitätsdienste wie Car-Sharing auf Sparflamme setzen. Wieviel Kraft kann Daimler außerdem in die Brennstoffzelle als klimaschonende Alternative zur Batterie bei Pkw stecken?

(3) WAS HEISST DAS FÜR DIE BESCHÄFTIGTEN?

Über die Zahl der Arbeitsplätze, die im Zuge der Transformation zu E-Autos wegfallen werden, ranken sich bei Daimler viele Spekulationen. Von 20.000 bis 30.000 der insgesamt 300.000 Jobs weltweit im Konzern war in Medienberichten die Rede. Offiziell nennen das Management und der Betriebsrat keine Stellenzahl, sondern Einsparsummen. Für Mercedes-Benz Cars & Vans belief sie sich zunächst auf mehr als 1,1 Milliarden Euro.

Alles soll sozialverträglich vonstatten gehen, also über Abfindungen oder Altersfluktuation statt Kündigungen. Bürojobs sind stärker betroffen als Stellen in der Produktion. Und von letzteren müssen in Deutschland die Komponentenwerke in Untertürkheim, Berlin oder Hamburg stärker zittern als die Montagewerke in Bremen, Rastatt oder Sindelfingen, wenn die aus sehr vielen Einzelteilen bestehenden Verbrennungsmotoren allmählich von den viel einfacheren Elektroantrieben verdrängt werden.

Den zusätzlichen Kostendruck durch die Coronakrise haben Unternehmen und Betriebsrat durch eine Vereinbarung zu Arbeitszeit-und Lohnkürzungen abgefangen, die sich laut Betriebsrat auf eine Summe von 450 Millionen Euro belaufen. Offen ist, ob für die Transformation noch mehr gespart werden muss, ob sich genug Freiwillige für Abfindungen finden - und auch, wie viel die Restrukturierung kostet.

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(4) STECKT SICH KÄLLENIUS NEUE RENDITEZIELE?

Ende 2019 hatte der von Daimler angekündigte Ergebnispfad an der Börse für Enttäuschung gesorgt. Im Kerngeschäft mit Pkw und Vans war - unter Einberechnung eines Prozentpunktes Belastung aufgrund des Zollstreits USA-China - für 2020 eine operative Rendite von drei Prozent und ein Anstieg auf fünf Prozent 2022 angepeilt, damals die geringste aller deutschen Autohersteller. Die Coronakrise durchkreuzte alle Pläne - wagt Källenius dazu einen neuen Ausblick? (reuters/apa/red)

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