Textilindustrie

Massiver Gewinneinbruch bei Lenzing

Der Preisverfall bei Fasern ließ den Gewinn von Lenzing dramatisch sinken. CEO Peter Untersperger rechnet auch 2014 mit keiner Besserung. Für heuer sind Einsparungen von 60 Millionen Euro geplant.

Textilindustrie Lenzing Peter Untersperger

Der Faserhersteller Lenzing hat im Vorjahr aufgrund des Preisverfalls bei Fasern sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn massive Einbußen erlitten. Eine Besserung ist nicht in Sicht, im ersten Quartal 2014 habe sich die negative Entwicklung von 2013 fortgesetzt, sagte Unternehmenschef Peter Untersperger am Freitag beim Bilanzpressegespräch in Wien.

Trotz Sparprogramms, das unter anderem eine Personalreduktion sowie deutlich geringere Investitionen vorsieht, schließt Untersperger auch für heuer einen weiteren Ergebnisrückgang nicht aus. Einen konkreten Ausblick für 2014 gab das Unternehmen nicht.

Überproduktion am Markt

Lenzing kämpft schon seit längerem mit einem Preisverfall bei Fasern. 2013 sanken die Faserdurchschnittspreise um 13 Prozent auf 1,70 Euro je Kilo. Die hohen Baumwollernten in China erhöhten die Lagerbestände, was den Preis drückte. Lenzing produziert zwar Viskose- und nicht Baumwollfasern, der Preis für Viskose orientiert sich aber an dem für Baumwolle. Obwohl der Baumwollanbau nun wieder zurückgehen dürfte, habe man weiterhin eine Überproduktion am Markt, so der Lenzing-Vorstand. China verfüge über 60 Prozent der weltweiten Baumwollbestände. "Das ist ein Damoklesschwert, das noch keiner so richtig einschätzen kann", räumte Produktionsvorstand (COO) Friedrich Weninger ein.

Dividende unverändert

Obwohl die Lage für den börsennotierten Konzern alles andere als rosig ist, werden die Aktionäre voll bedient. Der Vorstand werde der Hauptversammlung eine unverändert hohe Dividende von 1,75 Euro je Aktie vorschlagen. Die Gewinnausschüttung werde aus dem operativen Ergebnis gezahlt. Dieses brach 2013 um fast 63 Prozent auf 86,4 Millionen Euro ein. Der Nettogewinn reduzierte sich noch deutlicher um 72 Prozent auf 50 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibung (EBITDA) ging um 36 Prozent auf 225,4 Millionen Euro zurück.

Der Umsatz verringerte sich um fast 9 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, wenngleich der Faserabsatz um 10 Prozent auf 890.000 Tonnen stieg. "Wir haben eine unbefriedigende Preissituation, aber eine starke Mengennachfrage", so Untersperger. Den starken Rückgang führt der Lenzing-Chef neben dem Preisverfall bei Fasern auf den Verkauf der Plastiksparte im Vorjahr sowie die Umstellung im tschechischen Werk von Papier- auf Faserzellstoff zurück. Heuer erwartet Lenzing ein gegenüber 2013 geringeres Mengenwachstum von 5 bis 6 Prozent.

Striktes Sparprogramm

Um wieder fit zu werden, fährt der Faserhersteller ein striktes Sparprogramm, das auch einen Personalabbau beinhaltet. Konzernweit werden wie berichtet bis zu 600 Vollzeit-Jobs gestrichen, 390 davon in Österreich. Die Investitionen werden auf 100 bis 150 Millionen Euro zurückgefahren. 2013 investierte Lenzing noch 250 Millionen Euro, 2012 waren es 300 Millionen Euro. Der Bau des Viskosefaserwerkes in Indien wird bis mindestens 2016 aufgeschoben. Alles in allem nimmt Lenzing in diesem Jahr Einsparungen in Höhe von 60 Millionen Euro vor. 2015 und 2016 sind es noch einmal je 120 Millionen Euro.

Wie schon öfter angekündigt will Lenzing den Fokus noch mehr auf Asien legen. Das Unternehmen macht schon jetzt sein Hauptgeschäft in dieser Region. Eine Verlagerung des Headquarters oder der Forschung, die derzeit in Österreich angesiedelt sind, sei aber nicht geplant, betonte der Lenzing-Chef.

Neuer CCO ist gefunden

Die Suche nach einem neuen Finanzvorstand ist abgeschlossen. Ein Österreicher, der sich derzeit im Ausland engagiere, werde "in Kürze" vorgestellt, sagte Untersperger, ohne einen Namen zu nennen. Der frühere Finanzvorstand Thomas Winkler legte sein Vorstandsmandat per Jahresende 2013 vorzeitig zurückgelegt - "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung und Organisation der Lenzing Gruppe", wie es im Oktober hieß. Unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Dividende seien nicht der Grund gewesen, so Untersperger heute auf Nachfrage. Winkler kam aus der Telekombranche und werde sich wohl dort wieder engagieren, vermutet Untersperger.

Der neu geschaffene CCO (Chief Commercial Officer) wird seinen Posten ab Mai antreten. Der gebürtige Niederländer Robert van de Kerkhof wird für die Bereiche Marketing und Vertrieb zuständig sein. (APA)