Standort

MAN Steyr: Hesoun fordert Erhalt des Industriestandorts

Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun appelliert für den Erhalt des Industriestandorts Steyr in Oberösterreich. Zu den Vorwürfen gegen Kanzler Kurz sagt Hesoun, bei industriellen Entscheidungen seien Möglichkeiten der Politik begrenzt. Es sei keine Aufgabe der Politik, Arbeitsplätze zu erfinden. Das müsse schon von der Wirtschaft selbst kommen.

Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun appelliert für den Erhalt des Industriestandorts Steyr in Oberösterreich. Der zum VW-Konzern gehörenden Lkw-Produzent MAN will das Werk schließen und die Produktion nach Polen verlagern. Der Industriestandort Steyr sei "ein wichtiger Standort, auch für die Zulieferindustrie", betont Hesoun im APA-Interview und verweist auf die Belegschaft: "Es ist wichtig, Konzepte zu sehen, die soviel als möglich dieser Arbeitsplätze erhalten."

Hesoun: Nicht persönlich bei einem Übernahmeangebot involviert

Hesoun war sogar persönlich als Mitglied einer Gruppe von Interessenten unter Federführung des Linzer Unternehmers Karl Egger (KeKelit) genannt worden - was er aber prompt zurückgewiesen hatte. Das sei eine Falschmeldung gewesen, er sei weder als Siemens-Manager noch als Person involviert. Der Industriestandort Steyr gehe aber weit über jene direkt im Werk Beschäftigten hinaus. Die weitere Nutzung des bisherigen MAN-Standorts für industrielle Maßnahmen und zur Erhaltung der Arbeitsplätze könne man nur begrüßen: Die Infrastruktur sei gut, die Zuliefersituation sei gut, daher wäre es günstig, wenn man hier Möglichkeiten fände, diese Rahmenbedingungen auch industriell zu nutzen.

Vorwürfe gegen Regierung wegen MAN unredlich

Die Opposition und hier vor allem die SPÖ hat die Ereignisse in Steyr für harte Vorwürfe gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) genutzt. Kurz sei das Schicksal der Beschäftigten egal, so die SPÖ. Aus der ÖVP hieß es dazu, es sei unredlich so zu tun, als könne die Regierung einem Konzern einfach  Befehle erteilen, ob ein Standort geschlossen werde oder nicht.

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Auch Hesoun sagte im Hinblick auf die Rolle der Politik, dass man deren Möglichkeiten nicht überbewerten dürfe. Wenn Forschungsaktivitäten am Standort stattfinden, könne man die unterstützen - aber Arbeitsplätze zu erfinden sei keine Aufgabe der Politik, die Schaffung von Arbeitsplätzen müsse schon von der Wirtschaft kommen. Die Politik könne aber die Rahmenbedingungen optimieren und als Moderator, wenn die Gespräche ins Stocken kommen, deren Fortsetzung betreiben.

Hesoun: Keine Subventionen beim Angebot von Wolf

Das Konzept von Ex-Magna-Manager Siegfried Wolf habe seines Wissens nach keine öffentliche Unterstützung gefordert. Mit zusätzlichen Konzepten darüber hinaus könnte der Standort besser genutzt werden und auch mehr Arbeitsplätze gesichert werden, meint Hesoun. "Wenn eine Kombination von Konzepten möglich wäre, wäre das für den Standort optimal."

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Was eine Schließung des MAN-Werks für die Region bedeuten könnte, hat kürzlich eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo im Auftrag der Arbeiterkammer gezeigt: Demnach wären inklusive Zulieferern und induzierten Effekten rund 5.900 Jobs bedroht. Direkt bei MAN arbeiten rund 2.300 Menschen. (apa/red)