Energieindustrie

Konzernchef von Uniper nimmt überraschend den Hut

Beim deutschen Energieriese Uniper hat Vorstandschef Andreas Schierenbeck überraschend seinen Rückzug angekündigt - mit sofortiger Wirkung. An seiner Stelle übernimmt Aufsichtsratchef Klaus-Dieter Maubach. Offenbar setzt hinter den Kulissen der finnische Konzern Fortum, dem Uniper inzwischen mehrheitlich gehört, die Deutschen unter Druck.

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Beim deutschen Energiekonzern Uniper werden mit dem überraschenden Chefwechsel die Karten einmal mehr neu gemischt. Vorstandschef Andreas Schierenbeck lege seinen Posten mit sofortiger Wirkung nieder, teilte der Konzern mit. Nachfolger werde Aufsichtsratchef Klaus-Dieter Maubach.

Dieser hatte zuvor mitteilen lassen, dass er seine Mitgliedschaft im Kontrollgremium des finnischen Mehrheitsaktionärs Fortum aufgibt. Bei Uniper muss auch Finanzchef Sascha Bibert gehen. Auf ihn folgt Tiina Tuomela.

Schierenbeck war seit Juni 2019 Chef des Düsseldorfer Konzerns. Sein Vorgänger Klaus Schäfer hatte die Übernahme durch Fortum heftig bekämpft. Fortum hält inzwischen rund 75 Prozent an Uniper.

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"Wir haben mit Uniper bereits einige Fortschritte gemacht. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass wir mehr tun können und müssen, um vereinbarte und zusätzliche Kooperationsvorteile zu erzielen und Wertschöpfung für beide Unternehmen und die gesamte Fortum-Gruppe zu erzielen", sagte Fortum-Chef Markus Rauramo. "Daher werden wir jetzt konkrete Schritte in Richtung einer wesentlich stärker integrierten Zusammenarbeit einleiten.

Finnischer Mehrheitseigner Fortum setzt Deutsche unter Druck

Maubach war früher Vorstandsmitglied von Eon - dem ehemaligen Mutterkonzern von Uniper. Schierenbeck war im Juni 2019 bei Uniper angetreten. Der frühere Chef der Aufzugssparte von Thyssenkrupp hatte sich für eine Entspannung der Beziehungen zu Fortum eingesetzt. Die Finnen halten nach letzten Angaben mittlerweile rund 75 Prozent an Uniper. Vor wenigen Wochen wurden Dissonanzen zwischen den Konzernen deutlich. Uniper ließ in einer Pflichtmitteilung wissen, dass es noch keine gemeinsame Haltung zur künftigen Dividendenpolitik gibt.

Fortum bestätigte seine Zusage, bis Ende 2021 auf einen Beherrschungs- und/oder Gewinnabführungsvertrag mit Uniper sowie auf einen Squeeze-Out zu verzichten. Für die Zeit danach sei noch keine Entscheidung gefallen. (reuters/apa/red)

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