ZTALK mit Video

"In Datenraffinerien Wert schaffen"

Datengetriebene Innovation bringt Unternehmen neue Einnahmequellen und Performancesprünge in der Produktion. Wo Österreichs Industrie beim Aufbau einer Datenökonomie steht und warum der Mensch bei alledem oberste Instanz bleibt, diskutierten hochkarätige Experten beim ZTALK. 

Eine stolze Anzahl an Use Cases, die klare Verhältnisse schaffen. Darunter das Retrofitting von Bearbeitungsmaschinen, ein Fokus auf Vernetzung und Edge Computing. Dazu ein Datenlabor als Kulminationspunkt, in dem die Fäden zusammenlaufen: In sehr klaren Worten kann Michael Eder davon berichten, warum in der Division High Performance Metals des Technologiekonzerns Voestalpine - Eder verantwortet hier als Global CDO die  Digitalisierungsagenden - Daten ein Schlüssel zu mehr lukrierter Wertschöpfung sind.  

Freilich: In der Überzeugung, dass in der Pluralität der Produktion noch erhebliche Potenziale schlummern, befindet sich Eder in guter Gesellschaft, wie der von Zühlke und INDUSTRIEMAGAZIN ausgetragene ZTALK aufs anschaulichste illustrierte: Projekte zur Schaffung von Datenlabors - oder im ersten Schritt dem Aufsetzen einer Datenlandkarte im Unternehmen - gewinnen vielerorts an Plastizität. Unternehmen würden dabei ihre Ressourcen und Energien nicht darauf verschwenden, „den schönsten Algorithmus oder die schönste Auswertung“ hervorzubringen, beobachtet Andreas Pfleger, Industrial Innovation Manager beim Innovationsdienstleister Zühlke Österreich.

Vielmehr würde er nüchternes, rationales Zweckstreben in den Organisationen orten. Unternehmen hätten heute zumeist schon eine klare Vorstellung davon, wo der Fokus ihrer Arbeit mit Daten liegen solle - „etwa bei einer höheren Gesamtanlageneffektivität oder dem Schaffen wertschöpfender Zusatzleistungen über disruptive pay-per-use-Modelle“, konstatiert der Zühlke-Experte einen stetig wachsenden Reifegrad. 

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Aufbau von Datenraffinerien

Dass dem so ist, liegt auch an Dienstleistern wie Zühlke, die Unternehmen explorativ dabei helfen, bei der Vernetzung Maschinen- und sogar Organisationsgrenzen zu überwinden, Datensilos aufzubrechen und sukzessive „Datenraffinerien“ (O-Ton Pfleger) aufzubauen. Und an den Unternehmen selbst, denen im Datenzeitalter die verantwortungsvolle Aufgabe zukommt, abseits der Welt von SCADA, SPS und ERP neue Möglichkeiten auszukundschaften, Daten in Wert umzuwandeln.

Gefallen an den Möglichkeiten eines gezielten Daten-Upstreams findet etwa der Tiroler Pulvermetallurgie- und Werkzeugbauspezialist Plansee. Ein gruppenweiter Standard, bei dem die Eigenheiten der vier Divisionen nicht zu kurz kommen, werde angestrebt, sagt CIO Karlheinz Grübler. Die Ziele - etwa höhere Prozessstabilität - sind definiert, wiewohl auf höchst unterschiedlichem Weg erreichbar: „Da gibt es ältere unsensorierte Anlagen, die erst anzubinden sind, dann wieder haben wir Anlagen mit mehreren hundert Sensoren, von denen es die richtigen zu adressieren gilt“, sagt Grübler. 

Datenkonsolodierung - und Identifikation sinnvoller Cases

Erfahrungen, die fast jeder Produktionsbetrieb so oder so ähnlich macht. Matthias Siefert spricht die unterschiedlichen Niveaus bei der Datenqualität an. Er ist Competence Center Manager bei Omya, der Industrieminderalienhersteller geht das Thema datengetriebene Innovation mit Verve an. Zu den Herausforderungen eines dezentral agierenden Unternehmens zähle, über alle Standorte hinweg „belastbare Daten in einer guten Qualität zu gewinnen“, sagt Siefert.

Eher einfachere Datenbankenstrukturen bei kleineren Minengesellschaftern seien ebenso wie vollautomatisierte Systeme bei technologisch hochgerüsteteren Standorten im Unternehmen im Einsatz. Aufgabe sei es nun, „die Daten zu konsolidieren und jene Prozesse herauszufiltern, bei denen auch ein maßgeblicher Mehrwert durch die Datennutzung generierbar ist“, so der Experte. Er sei Bergbauer „mit Herz und Seele“, wolle aber auch die Möglichkeiten neuer Technologien nicht geringschätzen - etwa bei Performancevergleichen von Produkten unterschiedlicher Maschinenlieferanten.  

KI als nächste Zündstufe  

Dass der Schritt zu noch treffsicheren Analysen mittels Künstlicher Intelligenz dabei zumindest gedanklich kein großer ist, überrascht in der Industrie - der Monumentalachse des Optimierens und Verbesserns - nicht. Warum, so fragt Siegfried Mittendorfer, Leiter Technik und Entwicklung beim Industriesteuerungshersteller Hainzl rhetorisch, sollten die Vorzüge „hier nur dem privaten Umfeld vorbehalten sein und nicht auch in der Produktion nutzbringend herangezogen werden?“ Mit skalierbaren Steuerungssystemen habe der Hersteller dafür jedenfalls eine günstige Ausgangslage geschaffen. Auch erste Projekte zur datengetriebenen Innovation seien initiert. „Da wollen wir künftig noch viel mehr machen“, sagt Mittendorfer.  

Mensch bleibt oberste Instanz 

Der Mensch - darüber herrscht in der Runde Konsens - wird bei alledem auch weiterhin die höchste Instanz sein und Oberhand über die Maschinen und Algorithmen behalten. „Viele Informationen schlummern in den Köpfen der Mitarbeiter“, fasst es Zühlke-Experte Andreas Pfleger zusammen. Nur im „reworking“ durch den Menschen würde aus einer Menge an Daten jene herausgefiltert, die verwertbar seien und ebenso jene, „die schlicht Ausschuss sind“, sagt er. Die „kulturelle mit der technologischen Komponente“ im Unternehmen zu verknüpfen sei da der einzig richtige Zugang, meint Michael Eder von Voestalpine HPM.

Dass die Division kürzlich in einer eigenen Gesellschaft die Digitalisierung bündelte, passt da gut ins Bild. 

Die gesamte Diskussion und mehr Use Cases finden Sie im Video.

https://www.youtube.com/watch?v=4nvoFixB9wA