Zulieferindustrie

Continental fährt in die roten Zahlen

Rückstellungen, Werksschließungen und Personalabbau: Ein verschärfter Sparkurs und trübe Geschäftsaussichten reißen bei Continental große Löcher in die Bilanz. Gleichzeitig bekam Continental in Sachen "Dieselgate" erneut Besuch von der Staatsanwaltschaft.

Der in der Coronakrise verschärfte Sparkurs und die trüben Geschäftsaussichten reißen bei Continental große Löcher in die Bilanz. Der weltweit drittgrößte Autozulieferer ist im dritten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Als Grund nannte der deutsche Konzern mit Sitz Rückstellungen für den Konzernumbau, Werksschließungen und den damit verbundenen Personalabbau.

Außerdem schlugen Abschreibungen auf das Geschäft mit der Vernetzung von Fahrzeugen zu Buche. Conti rechnet damit, dass sich die Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in den nächsten fünf Jahren nicht wesentlich erholen wird. Insgesamt belaufen sich die Belastungen auf mehr als 1,3 Milliarden Euro.

Sowohl beim operativen Ergebnis als auch unter dem Strich kündigte Conti für den Zeitraum Juli bis September einen Verlust an, bezifferte diesen aber noch nicht. Bereinigt um die massiven Sondereffekte lief es dagegen besser als zuletzt: Die bereinigte operative Rendite (Ebit-Marge) verbesserte sich von 5,6 Prozent vor Jahresfrist auf 8,1 Prozent. Der Konzernumsatz lag auf Basis vorläufiger Zahlen bei rund 10,3 (Vorjahreszeitraum 11,1) Milliarden Euro. Damit dürfte das bereinigte Ergebnis damit oberhalb von 800 Millionen Euro liegen, womit Conti den Verlust aus dem zweiten Quartal operativ mehr als wett gemacht hätte.

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Ausblick erst im November

Binnen drei Monaten flossen Conti 1,8 Mrd. Euro an Finanzmitteln (Free Cash Flow) zu. Vor Jahresfrist waren es noch 343 Mio. Euro. Die Erholung des Geschäfts habe die negativen Effekte aus dem zweiten Quartal neutralisiert, teilte Conti mit. Im Zeitraum April bis Juni waren noch fast 1,8 Mrd. Euro aus den Konzernkassen abgeflossen.

Einen Ausblick für das laufende Jahr traut sich das Management erst zur Veröffentlichung der endgültigen Quartalszahlen am 11. November zu. Dabei kamen von den Abnehmern aus der Automobilindustrie zuletzt überwiegend positive Signale. So kehrte Daimler im dritten Quartal überraschend schnell in die Erfolgsspur zurück und steigerte den Betriebsgewinn dank der anziehenden Nachfrage und seines strikten Sparkurses massiv. Beim bayerischen Konkurrenten BMW sorgten ein deutliches Absatzplus und die angekündigten Einsparungen dafür, dass mehr Geld in die Kassen floss. Volkswagen, einer der Großkunden von Conti, steigerte seine Auslieferungen im September.

Erneut Besuch von der Staatsanwaltschaft

Unterdessen wurde bekannt, dass Continental bei den Ermittlungen im Dieselskandal von Volkswagen erneut Besuch von der Staatsanwaltschaft hatte. Bereits am 22. September hätten Ermittler Büros am Unternehmenssitz in Hannover sowie in Regensburg aufgesucht, bestätigte ein Unternehmenssprecher. Die Durchsuchungen stünden im Zusammenhang mit den schon länger laufenden Ermittlungen wegen der von Volkswagen verwendeten Abschalteinrichtung. Bereits im Juli waren deshalb mehrere Standorte von Conti Besuch durchsucht worden. Die "Wirtschaftswoche" berichtete unter Verweis auf die Staatsanwaltschaft Hannover, aus den damals von Conti herausgegebenen Unterlagen hätten sich Hinweise auf weitere relevante Dokumente und Personen ergeben.

Bei den Ermittlungen geht es darum, ob sich Conti-Mitarbeiter der Beihilfe zum Betrug und der mittelbaren Falschbeurkundung in den Jahren 2006 bis 2015 schuldig gemacht haben. Die von VW in einem Dieselmotor verwendete Software stammte von Continental. Der Zulieferer macht geltend, dass solche Motorsteuerungen von der Kundschaft auf ihre jeweiligen Bedürfnisse programmiert werden und er selbst nicht an der Manipulation beteiligt gewesen sei. (apa/Reuters)