Co2-neutrale Stahlproduktion

BMW-Einkaufsleiter: "Umfassender Umbau unseres Material-Portfolios"

BMW will bis 2030 den Anteil an CO2-Emissionen je Fahrzeug in der Lieferkette um 20 Prozent senken. Volker Giese, Einkauf Flachstahl Europa bei BMW, erklärt, wie das gelingen soll.

Automobilbau BMW Beschaffung Volker Giese

Qualitätskontrolle bei BMW:  Die Presswerke der Gruppe in Europa verarbeiten pro Jahr mehr als eine halbe Million Tonnen Stahl

Ohne Gegenmaßnahmen würden die CO2-Emissionen in der Lieferkette der BMW Group bis 2030 um mehr als ein Drittel steigen. "Diesen Trend wollen wir umkehren und haben dafür unter anderem den CO2-Footprint in der Lieferkette als Vergabekriterium etabliert", schildert Volker Giese, Einkauf Flachstahl Europa bei BMW. „Aufgrund des hohen Einsatzes von stahlbasierten Bauteilen und des daraus resultierenden großen CO2-Fußabdrucks von Stahl in unserer Lieferkette, stehen wir vor einem umfassenden Umbau unseres Material-Portfolios", sagt Giese. Diesen diskutiere man intensiv mit unseren Lieferanten - schließlich sollen die durch Stahl verursachten CO2-Emissionen im Jahr 2030 rund zwei Millionen Tonnen unter dem heutigen Wert liegen“, sagt er.

Um dieses Einsparziel erreichen zu können setzt BMW in Zukunft auf die folgenden Technologien:

# Elektrolichtbogenofenroute mit Grünstrom

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Ausgehend von der Stahlherstellung auf der Hochofenroute mit Primärmaterial, wie sie in Europa und China vorherrschend ist, spart der Einsatz von Elektro-Lichtbogenöfen mit hohem Sekundäranteil bei der Stahlherstellung rund die Hälfte der CO2-Emissionen ein. Stellt man den Betrieb der Elektroöfen zusätzlich auf Grünstrom um, bleiben nur noch ein Drittel der CO2-Emissionen übrig. Vor allem in den USA ist die Elektroofenroute im Bereich Flachstahl bereits zu 50 Prozent etabliert und damit fester Bestandteil des BMW Group Stahl-Portfolios.

# Erhöhung des Sekundäranteils durch Closed Loops

In den deutschen BMW Group Werken werden bereits 100 Prozent aller anfallenden Prozessschrotte entweder über einen direkten Materialkreislauf wiederverwendet (Closed Loop) oder über den Stahlhandel zu den Stahlproduzenten zurückgeschickt und zu neuem Stahl verarbeitet. Closed Loops verbessern die CO2-Bilanz unseres Stahl-Portfolios unmittelbar. 

# Prozessoptimierung der Hochofenroute und Wasserstoffdirektreduktion 

Kurzfristige CO2-Einsparungen sind auf der Hochofenroute durch höhere Sekundäranteile möglich; außerdem evaluieren wir den Einsatz von Wasserstoff im Hochofen. Mit unseren Stahl-Lieferanten diskutieren wir im Detail die Möglichkeit von wasserstoff- bzw. erdgasbasierten Direktreduktionsverfahren, da diese mittelfristig ein hohes CO2-Einsparpotential bieten können. 

# Neue Technologien 

Das Technologiekonzept von Boston Metal fußt auf der Herstellung von CO2-freiem Eisen durch eine mit Grünstrom betriebene Elektrolysezelle. Das neuartige Verfahren steht jedoch noch am Anfang seiner Entwicklung und mit einer Industrialisierung durch die Stahlindustrie wird erst in einigen Jahren gerechnet.