Metalltechnische Industrie

Alu-Produktionsstopp: Ist die österreichische Industrie in Gefahr?

Durch Energieknappheit und Magnesiummangel in China droht die Aluminiumherstellung Europas auszufallen. Ob es auch in Österreich zu einem Produktionsstopp kommen wird.

Der Aluminium-Industrie droht noch vor Weihnachten ein europaweiter Produktionsstopp. Ursache sind ausbleibende Lieferungen des wichtigsten Legierungsmetalls Magnesium aus der Volksrepublik China, die mit einem Weltmarktanteil von 87 Prozent beinahe über ein Monopol verfügt. Das berichtet WELT AM SONNTAG in der aktuellen Ausgabe.

Auch in Österreich spitzt sich die Lage zu, wie Adolf Kerbl, Geschäftsführer des Fachverbands der Metalltechnischen Industrie, im Gespräch mit dem INDUSTRIEMAGAZIN erklärt. Der ursprüngliche Magnesiumpreis beträgt bereits das 3-4-Fache und sowohl die Verknappung der Rohmaterialien, sowie die immer noch bestehenden Lieferprobleme setzen der Metalltechnischen Industrie bereits stark zu. 

In einem Brandbrief an die Bundesregierung weist die Wirtschaftsvereinigung Metalle (WV Metalle) auf die Folgen des Lieferengpasses hin. „Es wird erwartet, dass die jetzigen Magnesiumvorräte in Deutschland bzw. in ganz Europa Ende November 2021 erschöpft sein werden“, heißt es in einem Schreiben des Branchenverbandes an das Auswärtige Amt, berichtet die WELT.

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Magnesium wird in der österreichischen Gießereiindustrie als Legierungselement in zahlreichen Bereichen des Maschinenbaus und der Automobilindustrie verwendet. "Wir haben uns mit der östereichischen Produktion international gut positioniert und sind zu 70-80% die die Autozulieferindustrie wichtig. Die auf uns zukommenden Engpässe werden für die Gießereiindustrie sehr problematisch", so Kerbl.

Die WELT berichtet weiter aus dem Brandbrief: „Bei einem Versorgungsengpass dieses Ausmaßes drohen somit massive Produktionsausfälle in der gesamten Aluminium-Wertschöpfungskette mit Sektoren wie der Automobil-, Flugzeug-, Elektrofahrrad-, Bau- oder Verpackungsindustrie sowie dem Maschinenbau.“

Zu einem vollkommenen Produktionsausfall soll es in Österreich nicht kommen, so Kerbl. "Es wird ein strategisches Problem und wir müssen uns künftig fragen, zu welchen Kosten wir produzieren können bzw. müssen, denn die Wirtschaftlichkeit darf dabei natürlich nicht vergessen werden." Durch die stetig steigenden Kosten und das Hoch- und Runterfahren der Produktion, ist die Herstellung nicht mehr ausgeglichen. "Wenn es so weiter geht, müssen Unternehmen einspringen und für 2-3 Monate vorfinanzieren, um die Produktion am Laufen zu halten. Es wird also ein großer Kostenfaktor entstehen", so Kerbl.

China geht die Energie aus

Hintergrund der Lieferprobleme ist die extreme Energieknappheit in China. Mitte September hatte die Zentralregierung in Yulin und anderen wichtigen Provinzen und Bezirken der Magnesium-Industrie die Produktion stark eingeschränkt und zum Teil die Stromversorgung der energieintensiven Betriebe eingestellt.

>> Mehr zur Energieknappheit und den verschärften Produktionsbedingungen in China...

(welt/red)