Supply Chain

Deutsche Wirtschaft leidet unter Rückverlagerung von Produktion

produzierender Betrieb mit Fließbändern in großer Fabrikshalle
© industrieblick

Auf der ganzen Welt sind die Lieferketten gestört. Verstärkt diskutiert wird in Deutschland daher die Rückverlagerung internationaler Produktion. Einer neuen Studie zufolge würde das der deutschen Wirtschaft aber mehr schaden als nutzen. Laut Ifo Institut in München würde die Wirtschaftsleistung durch Rückverlagerung um fast zehn Prozent geschmälert.

"Wenn wir ausgelagerte Teile der Wertschöpfung nach Deutschland zurückholen, führt das dazu, dass weniger wettbewerbsstarke Tätigkeiten plötzlich große Anteile im Mix der deutschen Wertschöpfung gewinnen", sagt die Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, Lisandra Flach. "Die damit verbundene geringere Produktivität würde die Wirtschaftskraft schwächen."

Berechnet wird das auf Basis des Ifo-Handelsmodells. "Dabei wird angenommen, dass kein anderes Land eine ähnliche Strategie verfolgt oder Vergeltungszölle als Gegenreaktion erhebt", so Flach. "Die negativen Auswirkungen der Nationalisierung von Lieferketten könnten daher tendenziell noch höher ausfallen."

Wenn Lieferketten national ausgerichtet werden

Bei einem globalen Trend hin zu stärker national ausgerichteten Lieferketten würde für die deutsche Wirtschaft sehr viel auf dem Spiel stehen, warnen die Forscher. "Die Produktion von deutschen Vorleistungen, die anschließend im Ausland weiterverarbeitet werden, trägt mit über 600 Milliarden US-Dollar (528,87 Milliarden Euro) zur deutschen Wertschöpfung bei", sagt Ifo-Forscher Andreas Baur.

Einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) vom vergangenen Herbst zufolge haben etwa 15 Prozent der Unternehmen vor, ihre Produktion oder zumindest Teile davon an neue Standorte zu verlagern. Die Wirtschaft leidet wegen der Corona-Pandemie unter gestörten Lieferketten. Deutschlands wichtigster Handelspartner China etwa machte in den vergangenen Monaten immer wieder wegen Neuinfektionen ganze Betriebe und Hafenanlagen zu. Dadurch fehlten in Deutschland häufig wichtige Vorprodukte.