Transformation und Nachhaltigkeit : TÜV SÜD an der Spitze der Zukunftsthemen Europas
Inhalt
- Effizienz schafft Sicherheit und Qualität
- Impulsgeber und Vermittler
- Sind Nachhaltigkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit vereinbar?
- Raum zur Entwicklung
- Ist die Wasserstoffwirtschaft Europas neuer Impulsgeber?
- European Hydrogen Backbone (EHB)-Initiative
- Herausforderung Fachkräftemangel: Lösungen durch KI und Flexibilität
- Potenziale ausschöpfen
- Europas Zukunft gestalten: Realitätssinn und Innovationskraft

Die beiden Experten Gerald Bachler, CEO von TÜV SÜD in Österreich und CEE sowie Thomas Walzer, Head of Industry Service analysieren die aktuellen Herausforderungen und geben Einblick in die wichtigsten Innovationen und Impulse von TÜV SÜD.
- © MILAGROS MARTINEZ-FLENERTÜV SÜD, eines der weltweit führenden Prüf- und Zertifizierungsunternehmen, übernimmt dabei eine entscheidende Rolle und positioniert sich strategisch an vorderster Front dieser richtungsweisenden Entwicklungen. Das Unternehmen versteht sich als Wegbereiter, der Europas Wirtschaft aktiv durch diese tiefgreifenden Veränderungen begleitet. Die Digitalisierung ist heute weit mehr als ein Schlagwort – sie ist integraler Bestandteil industrieller Prozesse und unverzichtbar für Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz. Bei TÜV SÜD ist sie bereits gelebte Praxis: „Digitale integrierte Managementsysteme sind für uns keine Option mehr, sondern zwingend notwendig, um effizient und wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärt Gerald Bachler. Um dem stetig wachsenden Digitalisierungsdruck gerecht zu werden, hat sich TÜV SÜD den Herausforderungen gestellt und setzt gezielt auf Effizienz durch Entwicklung und zeitgemäße Technologien. „Alle unsere mehr als 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Zugriff auf KI-Anwendungen wie etwa Copilot und werden in deren Umgang geschult. So lassen sich auch manche Datenanalysen deutlich rascher und fehlerfreier durchführen, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Routinearbeiten entlastet und ihnen ermöglicht, sich stärker auf ihre Kernkompetenzen und anspruchsvollere Aufgaben zu konzentrieren“, ergänzt Gerald Bachler im Gespräch.
Effizienz schafft Sicherheit und Qualität
Doch die Anwendung von KI beim TÜV SÜD beschränkt sich keineswegs nur auf administrative oder analytische Tätigkeiten wie Übersetzungen oder die Erstellung von Präsentationen. Das Unternehmen setzt zunehmend auf die technische Integration von KI in seinen Prüfverfahren. Speziell Anlagen mit hohem Risikopotenzial wie Pipelines oder industrielle Großanlagen können von KI-basierten Überwachungssystemen profitieren. Diese Systeme ermöglichen eine kontinuierliche, automatisierte Kontrolle kritischer Betriebsparameter und können Schadstellen bereits frühzeitig erkennen, noch bevor sie zu ernsthaften Problemen führen. „KI-basierte Monitoringsysteme erlauben uns, die Prävention von möglichen Schadensfällen zu stärken, wodurch Sicherheit und Zuverlässigkeit signifikant steigen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass der breite Einsatz solcher Technologien vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen noch Skepsis hervorruft. Es gibt eine gewisse Zurückhaltung, die oft auf Angst und Unwissenheit vor Risiken beruht“, stellt Thomas Walzer fest.
Impulsgeber und Vermittler
Im Rahmen dieser Prozesse übernimmt TÜV SÜD seine Rolle nicht nur als technischer Dienstleister, sondern auch als Wissensvermittler, der Unternehmen unterstützt, innovative Technologien sicher und wirtschaftlich einzusetzen. Insgesamt verstehen die Expertinnen und Experten bei TÜV SÜD die digitale Transformation nicht nur als technologische Revolution, sondern als umfassenden kulturellen Wandel innerhalb der gesamten industriellen Landschaft Europas. Durch zielgerichtete Investitionen in Infrastruktur, Technologie und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzt das Unternehmen klare Maßstäbe, die Europas Industrie dabei helfen, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft zu sichern.
Sind Nachhaltigkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit vereinbar?
„Nachhaltigkeit ist zu einem der wichtigsten globalen Themen geworden. Es beeinflusst die Industrie weltweit maßgeblich. Allerdings unterscheiden sich regionale Prioritäten und Ansätze deutlich. Europa verfolgt einen ambitionierten Kurs mit Schwerpunkten beispielsweise auf Wasserqualität, strengen Hygienestandards und einer umfassenden Dekarbonisierungsstrategie. Gerade die Europäische Union setzt hierbei starke regulatorische Maßstäbe, die nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Aspekte beinhalten. Allerdings sieht sich Europa dabei gleichzeitig mit einer anspruchsvollen Gratwanderung konfrontiert. Denn überambitionierte politische Vorgaben könnten die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen auf dem globalen Markt gefährden. Europa muss sich realistisch aufstellen und klare, umsetzbare Ziele definieren. Ansonsten kann Nachhaltigkeit zum Wettbewerbsnachteil werden, anstatt den Wirtschaftsstandort Europa langfristig zu stärken“, erläutert Gerald Bachler diese zentrale Frage.
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"Digitale integrierte Managementsysteme sind für uns keine Option mehr, sondern zwingend notwendig, um effizient und wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Gerald Bachler, CEO von TÜV SÜD in Österreich und CEE
Raum zur Entwicklung
Im asiatischen Raum wird meist eine stärker differenzierte Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Regionen wie Singapur, China oder Hongkong setzen stark auf digitale Infrastrukturprojekte und nachhaltige Stadtentwicklung. Nachhaltigkeit wird dort als integraler Bestandteil von wirtschaftlichem Wachstum verstanden, verbunden mit starker internationaler Kooperation und intensivem Technologietransfer. „Asien hat keinesfalls geschlafen, sondern verfolgt konsequent eigene ambitionierte Strategien im Bereich Nachhaltigkeit, die oft mit starker internationaler Zusammenarbeit einhergehen. Somit entsteht eine komplexe internationale Wettbewerbssituation, in der wir als global tätiges Unternehmen auch eine wichtige Vermittlerrolle einnehmen, um Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern praxisnahe und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu präsentieren“, betont Gerald Bachler.
Ist die Wasserstoffwirtschaft Europas neuer Impulsgeber?
„Ein herausragendes Zukunftsprojekt Europas ist der Aufbau der Wasserstoffwirtschaft, insbesondere durch das Projekt European Hydrogen Backbone (EHB). Dieses Projekt stellt eines der größten europäischen Infrastrukturvorhaben dar und umfasst rund 53.000 Kilometer Pipelines, die Wasserstoff aus Produktionsstätten in Nordafrika durch Italien, Österreich bis hin nach Deutschland und weiteren europäischen Ländern transportieren sollen. Dieses Netzwerk baut großteils auf bestehenden Gasleitungsnetzen auf, was den Übergang zur Wasserstoffwirtschaft erheblich erleichtert. Die Vision hinter EHB ist klar: eine nachhaltige und langfristige Energieversorgung Europas zu sichern und dabei neue wirtschaftliche Impulse zu setzen“, erklärt CEO Gerald Bachler.

TÜV SÜD fällt hier eine entscheidende Rolle zu, insbesondere durch technische Prüfungen und Bewertungen. „Vieles an Infrastruktur ist vorhanden und muss nicht neu gebaut werden. Bestehende Gasleitungen können oft nach umfassenden technischen Prüfungen für den Transport von Wasserstoff umgerüstet und ertüchtigt werden. Das spart Kosten und verkürzt den Zeitaufwand für die Realisierung des Projekts erheblich. TÜV SÜD führt aktuell europaweit Prüfungen durch, unterstützt Netzbetreiber hinsichtlich der technischen Standards und hilft so den schnellen und sicheren Auf- und Ausbau der notwendigen Infrastruktur umzusetzen“, ergänzt Walzer. Diese Entwicklung wird als industriepolitische Zeitenwende betrachtet, die maßgebliche wirtschaftliche und technologische Impulse für ganz Europa verspricht.
European Hydrogen Backbone (EHB)-Initiative
Die European Hydrogen Backbone (EHB)-Initiative vereint 33 führende europäische Energieinfrastruktur-Betreiber hinter einer ambitionierten Vision: ein klimaneutrales Europa, das auf einem starken Markt für erneuerbaren und kohlenstoffarmen Wasserstoff basiert. Mit dem klaren Ziel, Europas Dekarbonisierung zu beschleunigen, setzt die Initiative auf den Ausbau und die Integration bestehender sowie neuer Pipeline-Infrastrukturen, um einen wettbewerbsfähigen, liquiden und grenzüberschreitenden Wasserstoffmarkt zu schaffen. Dabei stehen vor allem Marktwettbewerb, Versorgungs- und Nachfragesicherheit sowie die intensive Zusammenarbeit zwischen europäischen Ländern und deren Nachbarn im Fokus.
Herausforderung Fachkräftemangel: Lösungen durch KI und Flexibilität
Auch der Fachkräftemangel macht der Wirtschaft zu schaffen und stellt eine große Herausforderung für Industrieunternehmen nahezu aller Branchen dar. TÜV SÜD spürt diese Problematik ebenfalls intensiv. „Um unseren Personalbestand an allen weltweiten Standorten konstant zu halten, müssen wir jährlich etwa 4.000 neue Mitarbeitende einstellen. Besonders anspruchsvoll gestaltet sich die Suche nach hoch qualifizierten und flexiblen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bereit sind, internationale Aufgaben zu übernehmen. Wir begegnen dieser Herausforderung mit einer Kombination aus attraktiven Arbeitsbedingungen, umfangreichen Weiterbildungsangeboten und gezielter Unterstützung“, erklärt Gerald Bachler. Auch Künstlicher Intelligenz kommt dabei große Bedeutung zu. „KI schafft keine Arbeitsplätze ab, sondern sichert bestehende Jobs und eröffnet sogar neue Möglichkeiten“, hebt Thomas Walzer hervor. Besonders jüngere Fachkräfte, die mit digitalen Technologien bestens vertraut sind, sehen große Chancen.
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"Es gibt eine gewisse Zurückhaltung, die oft auf Angst und Unwissenheit vor Risiken beruht."
Thomas Walzer, Head of Industry Service TÜV SÜD in Österreich
Potenziale ausschöpfen
Neben dem breiten Einsatz in administrativen Prozessen wächst die Bedeutung der KI besonders im technischen Bereich. TÜV SÜD investiert gezielt in KI-basierte Technologien zur Optimierung technischer Abläufe, beispielsweise durch automatisierte Fehlererkennung und -analyse in industriellen Produktionsprozessen. „Diese Anwendungen versprechen erhebliche Zeitersparnisse, erhöhte Präzision und optimierte Ressourcennutzung. Dennoch erfolgt die breitere Implementierung solcher Lösungen nur langsam, da viele Anwendungen speziell auf die Bedürfnisse einzelner Unternehmen zugeschnitten werden müssen“, erzählt Gerald Bachler. „Unser entscheidender Erfolgsfaktor liegt hier in der engen Zusammenarbeit von TÜV SÜD mit den Industriepartnern. Gemeinsam werden kundenspezifische KI-Lösungen entwickelt, getestet und schrittweise integriert. Die intensive Kooperation ermöglicht maßgeschneiderte Anwendungen, die konkrete Herausforderungen einzelner Branchen gezielt adressieren. Damit wird KI nicht nur theoretisches Innovationspotenzial, sondern praxisorientierte Realität, die Effizienzsteigerungen, Kosteneinsparungen und Qualitätsverbesserungen in der industriellen Produktion ermöglicht“, führt Walzer weiter aus.
Europas Zukunft gestalten: Realitätssinn und Innovationskraft
Die Rolle des TÜV SÜD bei der Umsetzung europäischer Industriepolitik geht weit über technische Prüfungen hinaus. Das Unternehmen sieht sich als Impulsgeber für eine nachhaltige, technologisch fortschrittliche Industriegesellschaft. Laut Expertinnen und Experten erfordert dies sowohl politische Klarheit und konsequente Unterstützung als auch eine realistische Einschätzung dessen, was technisch und wirtschaftlich umsetzbar ist. „Wir müssen uns mehr fokussieren und priorisieren, was realistisch umzusetzen ist, um nicht im internationalen Vergleich zurückzufallen“, mahnt Gerald Bachler abschließend.