Xpeng Deutschland Elektroauto : Xpeng: Chinas VW-Partner will Deutschland ohne Rabattschlacht knacken

Produktion von Xpeng in einer modernen Umgebung bei Magna in Graz, Österreich

Xpeng will sich in Deutschland mit Elektroautos wie G6, G9 und L03 etablieren – nicht über aggressive Rabatte, sondern über Händlernetz, Service, Ladeleistung und die strategische Nähe zu Volkswagen.

- © Xpeng

Auf Deutschlands Straßen werden chinesische Automarken immer sichtbarer. BYD, Leapmotor, MG und andere Hersteller erhöhen den Wettbewerbsdruck – und auch Xpeng will sich dauerhaft etablieren. Die Marke ist gemessen an den großen Herstellern weiterhin ein kleiner Anbieter, doch die Wachstumszahlen zeigen deutlich nach oben.

2025 wurden in Deutschland 2.991 Xpeng-Fahrzeuge neu zugelassen. Damit hatte die Marke ihren Absatz gegenüber dem Vorjahr vervielfacht. Besonders gefragt waren der G6 mit 1.664 und der größere G9 mit 1.172 Fahrzeugen. Für 2026 setzte sich das Unternehmen anschließend ein deutlich ambitionierteres Ziel: rund 8.000 Neuzulassungen.

Dieses Ziel erscheint inzwischen keineswegs unrealistisch. Von Januar bis einschließlich August 2026 kamen nach KBA-basierten Zulassungsdaten 5.773 neue Xpeng auf deutsche Straßen. Allein im August waren es 1.163 Fahrzeuge, im Juli sogar 1.253. Im Gespräch mit t-online geht Markus Schrick, Geschäftsführer der Xpeng-Vertriebsregion Central Europe, inzwischen noch weiter: Selbst rund 10.000 Fahrzeuge im Gesamtjahr hält er für möglich.

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Elektroauto-Markt Deutschland: Warum Xpeng jetzt Rückenwind bekommt

Xpeng profitiert dabei von einem Markt, der sich 2026 deutlich zugunsten elektrifizierter Fahrzeuge entwickelt. In den ersten acht Monaten wurden in Deutschland insgesamt 515.545 reine Elektroautos neu zugelassen. Das waren 53 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Allein im August kamen 68.930 neue batterieelektrische Pkw hinzu – ein Plus von 75 Prozent gegenüber August 2025.

Damit wächst der Markt, in dem Xpeng ausschließlich beziehungsweise schwerpunktmäßig antritt, wesentlich schneller als der Gesamtmarkt. Gleichzeitig nimmt jedoch auch der Konkurrenzdruck zu. Internationale Marken erreichten im August 2026 nach Berechnungen des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller einen Rekordanteil am deutschen Pkw-Markt. Für vergleichsweise junge Marken bedeutet das: Wachstum ist möglich, aber keineswegs garantiert.

Markus Schrick treibt Xpengs Deutschland-Offensive voran: Der chinesische Elektroautohersteller setzt auf Händler, Service und stabile Restwerte.

- © Xpeng

Xpeng ohne Rabatte: Warum der China-Autobauer auf stabile Restwerte setzt

Xpeng versucht deshalb, sich nicht allein über den Preis zu definieren. Das ist bemerkenswert, weil gerade chinesische Hersteller in ihrem Heimatmarkt seit Jahren unter erheblichem Preisdruck stehen. Auch in Europa wird immer wieder darüber diskutiert, ob neue Anbieter mit hohen Nachlässen versuchen könnten, schnell Marktanteile zu gewinnen.

Schrick weist diese Strategie für Xpeng zurück. Preisnachlässe seien derzeit kein zentrales Instrument, erklärt er im Interview. Die Nachfrage liege teilweise sogar über dem verfügbaren Angebot. Wichtiger seien stabile Preise und Restwerte. Für Käufer soll ein Xpeng nach mehreren Jahren nicht deshalb übermäßig an Wert verlieren, weil der Hersteller Neuwagen kurzfristig mit massiven Rabatten in den Markt drückt.

Xpeng Händlernetz Deutschland: Warum der Elektroautohersteller auf Vertragshändler setzt

Ein zweiter Baustein der Strategie ist ungewöhnlich für eine junge Elektroautomarke: Xpeng setzt konsequent auf klassische Vertragshändler. Beim deutschen Marktstart 2024 verfügte das Unternehmen zunächst über rund zwei Dutzend Verkaufsstandorte. Ende 2025 waren es bereits 50. Für 2026 kündigte Xpeng offiziell einen Ausbau auf rund 110 Standorte an. Im aktuellen Interview beziffert Schrick das Netz inzwischen auf 75 Standorte und erwartet zum Jahresende etwa 100 bis 110.

Damit orientiert sich Xpeng stärker am traditionellen deutschen Automobilvertrieb als manche andere neue Elektromarke. Das hat einen einfachen Grund: Der Verkauf ist nur ein Teil des Geschäfts. Wer über Jahre eine relevante Fahrzeugflotte aufbauen will, braucht auch Werkstätten, Ersatzteile und Ansprechpartner vor Ort.

Gerade bei neuen Herstellern kann dieser Punkt entscheidend sein. Kunden kaufen nicht nur Reichweite, Ladeleistung und Displays, sondern erwarten, dass ihr Fahrzeug nach einem Schaden oder technischen Defekt repariert werden kann.

Xpeng Service und Ersatzteile: So will die China-Marke Vertrauen gewinnen

Schrick zufolge liefert Xpeng mehr als 90 Prozent der benötigten Ersatzteile innerhalb von 72 Stunden, Express-Sendungen sollen innerhalb von 24 Stunden verfügbar sein. Das sind Unternehmensangaben und keine unabhängige Qualitätsmessung. Sie zeigen aber, an welchem Punkt Xpeng Vertrauen gewinnen will: weniger über spektakuläre Versprechen als über die alltägliche Nutzbarkeit seiner Fahrzeuge und seines Servicenetzes.

Der Manager bezeichnete Xpeng deshalb sogar als Kandidaten für den „deutschesten“ unter den chinesischen Autoherstellern. Gemeint ist damit nicht die Herkunft der Produkte, sondern ein Anspruch an Zuverlässigkeit, Kundenservice und Kommunikation.

Xpeng L03: Neues Elektro-SUV soll den Massenmarkt erreichen

Parallel wächst die Modellpalette. Gestartet war Xpeng in Deutschland mit vergleichsweise hoch positionierten Elektroautos. Inzwischen arbeitet sich das Unternehmen schrittweise in günstigere und volumenstärkere Segmente vor.

Eine zentrale Rolle spielt dabei der neue L03. Das 4,65 Meter lange SUV-Coupé startet als batterieelektrische Standard-Range-Version bei 35.600 Euro. Dafür gibt es einen 58,3-kWh-LFP-Akku, 180 kW beziehungsweise 245 PS und nach vorläufiger WLTP-Homologation bis zu 445 Kilometer Reichweite. Die Long-Range-Version soll mit einer 71,2-kWh-Batterie bis zu 520 Kilometer schaffen. Erste Kundenauslieferungen sind für das vierte Quartal 2026 angekündigt.

Damit bewegt sich Xpeng erstmals deutlich näher an einem Bereich, in dem wesentlich größere Stückzahlen möglich sind. Der L03 soll nach den Vorstellungen des Unternehmens nicht mehr nur technikbegeisterte Early Adopters erreichen, sondern unter anderem jüngere Familien und Käufer zwischen etwa 30 und 45 Jahren.

Xpeng G6 und G9: 800-Volt-Technik, Schnellladen und lange Garantie

Bemerkenswert ist zudem die Garantie: Xpeng gibt auf den L03 sieben Jahre beziehungsweise bis zu 160.000 Kilometer Fahrzeuggarantie sowie acht Jahre beziehungsweise 160.000 Kilometer Garantie auf die Hochvoltbatterie.

Auch bei den größeren Modellen setzt die Marke stark auf Ladetechnik. Die überarbeiteten G6 und G9 verwenden eine 800-Volt-Architektur und sogenannte 5C-Batterien. Xpeng gibt für die Modelle Ladeleistungen von bis zu 451 beziehungsweise 525 kW sowie unter geeigneten Bedingungen eine Ladezeit von zwölf Minuten von zehn auf 80 Prozent an. Solche Spitzenwerte hängen in der Praxis allerdings von Batterietemperatur, Ladestand und verwendeter Schnellladesäule ab.

Volkswagen und Xpeng: Warum der VW-Partner aus China wichtiger wird

Xpeng unterscheidet sich von vielen anderen chinesischen Neueinsteigern außerdem durch seine enge Verbindung zu einem der größten deutschen Autokonzerne.

Volkswagen stieg Ende 2023 mit rund 706 Millionen US-Dollar bei Xpeng ein und erwarb etwa 4,99 Prozent der Aktien. Von Beginn an ging es dabei nicht nur um eine Finanzbeteiligung. Beide Unternehmen vereinbarten eine weitreichende technische Zusammenarbeit für den chinesischen Markt.

Inzwischen sind die Ergebnisse sichtbar. Volkswagen und Xpeng entwickelten gemeinsam Fahrzeugtechnik und arbeiteten zusammen mit Volkswagen China Technology Company und Cariad China an einer neuen zonalen Elektronikarchitektur. Die sogenannte China Electronic Architecture soll die Zahl klassischer Steuergeräte verringern, Softwarefunktionen vereinfachen und schnelle Over-the-Air-Updates ermöglichen. Volkswagen hatte ursprünglich eine Reduzierung der Zahl elektronischer Steuergeräte um bis zu 30 Prozent angekündigt.

Xpeng liefert Technik für Volkswagen: Was hinter der China-Kooperation steckt

Im März 2026 startete im chinesischen Hefei die Produktion des ID. Unyx 08, eines der gemeinsam entwickelten Projekte. Das Fahrzeug ist ausschließlich für China vorgesehen und kommt nicht auf den deutschen Markt. Bei der Auto China folgte zudem der gemeinsam mit Xpeng entwickelte ID. Unyx 09.

Für Xpeng ist diese Kooperation von strategischer Bedeutung. Eine relativ junge chinesische Marke liefert Technologie für Volkswagen – einen Konzern, der selbst über Jahrzehnte zu den technologischen Taktgebern der Branche gehörte. Gleichzeitig erhält Xpeng Zugang zur Erfahrung eines etablierten globalen Herstellers.

Der ID. Unyx 08 ist eines der gemeinsam entwickelten Projekte von Volkswagen und Xpeng. Produziert wird das Elektroauto im chinesischen Hefei – für den deutschen Markt ist das Modell nicht vorgesehen.
 

- © Volkswagen

Xpeng bei Magna Steyr: Wie Produktion in Europa gegen EU-Zölle helfen soll

Eine weitere Herausforderung für chinesische Elektroautobauer sind die europäischen Ausgleichszölle. Die EU-Kommission hatte ihre Anti-Subventionsuntersuchung Ende Oktober 2024 abgeschlossen. Für in China produzierte batterieelektrische Fahrzeuge wurden zusätzliche Zölle verhängt, deren Höhe je nach Hersteller und Kooperation im Verfahren unterschiedlich ausfällt. Die derzeit geltenden Sätze bewegen sich zwischen 7,8 und 35,3 Prozent; die Maßnahmen sind grundsätzlich bis Ende Oktober 2029 angesetzt.

Xpeng reagiert darauf unter anderem mit europäischer Fertigung. Partner ist Magna Steyr in Graz. Dort wurden zunächst der neue G6 und G9 produziert beziehungsweise montiert; mittlerweile ist auch der P7+ hinzugekommen. Xpeng bezeichnet ihn als drittes Modell aus europäischer Fertigung.

Das verändert die Ausgangslage. Denn die EU-Ausgleichszölle richten sich gegen den Import fertiger batterieelektrischer Fahrzeuge aus China. Lokale Fertigung kann deshalb ein wichtiger Baustein sein, um Handelsbarrieren und Logistikkosten langfristig zu reduzieren – auch wenn die tatsächliche Kostenrechnung von Bauteilherkunft, Fertigungstiefe und Produktionsvolumen abhängt.

Xpeng-Neuzulassungen in Deutschland: Warum der große Test erst beginnt

Trotz des rasanten Wachstums sollte die Größenordnung nicht überschätzt werden. Selbst 10.000 Xpeng-Neuzulassungen im Jahr wären auf dem deutschen Automarkt noch ein überschaubares Volumen. Allein im August 2026 wurden hierzulande mehr als 212.000 Pkw zugelassen. Volkswagen kam in diesem einen Monat auf mehr als 32.000 Fahrzeuge. Xpeng erreichte 1.163.

Doch für eine Marke, die erst seit 2024 regulär in Deutschland verkauft wird, ist die Entwicklung bemerkenswert. Entscheidend wird sein, ob Xpeng den Sprung von den technologieaffinen Erstkäufern zu einem breiteren Publikum schafft.

Dafür setzt das Unternehmen auf eine Kombination, die strategisch durchaus nachvollziehbar ist: günstigere Modelle, ein wachsendes Händler- und Servicenetz, lange Garantien, hohe Ladeleistungen und möglichst wenig Preisdumping. Hinzu kommen die industrielle Kooperation mit Volkswagen und die beginnende Produktion in Europa.

Xpeng in Deutschland: Aus Wachstum muss jetzt Vertrauen werden

Schrick macht gleichzeitig deutlich, dass Xpeng Erfolg nicht allein über Marktanteile definieren will. Entscheidend sei, ob Händler und Hersteller mit ihren Fahrzeugen wirtschaftlich arbeiten können und ob die Marke dauerhaft im Bewusstsein der Kunden ankommt.

Genau dort liegt die eigentliche Herausforderung. Ein technisch konkurrenzfähiges Elektroauto zu bauen, reicht inzwischen nicht mehr. In einem zunehmend dicht besetzten Markt müssen neue Hersteller beweisen, dass sie Ersatzteile liefern, Werkstätten bereitstellen, Wiederverkaufswerte schützen und auch Jahre nach dem Kauf noch verlässliche Ansprechpartner sind.

Xpeng hat dafür in Deutschland inzwischen eine beachtliche Infrastruktur aufgebaut. Ob daraus tatsächlich eine feste Größe auf dem deutschen Automarkt wird, entscheidet sich jedoch nicht an einem einzelnen Verkaufsrekord – sondern daran, ob die Marke ihr schnelles Wachstum dauerhaft in Vertrauen übersetzen kann.

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