Xpeng Magna Steyr Graz : Xpeng setzt auf Graz: Magna Steyr wird zur Europa-Brücke gegen EU-Zölle

Produktion des Xpeng p7 in einer modernen Produktionshalle

Xpeng lässt bereits mehrere Elektroauto-Modelle bei Magna Steyr in Graz für den europäischen Markt montieren. Nun soll ein viertes Modell folgen.

- © Xpeng

Der chinesische Elektroautohersteller Xpeng vertieft seine Fertigungskooperation mit Magna Steyr in Graz. Nach den SUV-Modellen G6 und G9 sowie der Limousine P7+ soll künftig ein viertes Modell im österreichischen Werk montiert werden. Bestätigt wurde die Ausweitung von Xpeng-Chef He Xiaopeng, der die europäische Lokalisierung der Produktion als Teil der weiteren Wachstumsstrategie des Unternehmens darstellt. Offen bleibt allerdings, welches Fahrzeug als nächstes nach Graz kommt.

Für Xpeng ist der Schritt mehr als eine reine Produktionsentscheidung. Seit September 2025 lässt das Unternehmen G6 und G9 bei Magna Steyr fertigen; Anfang 2026 folgte der P7+. Die in Österreich montierten Fahrzeuge sind für europäische Kunden bestimmt. Xpeng selbst bezeichnet Magna Steyr als ersten lokalen Fertigungspartner des Unternehmens in Europa.

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China-Elektroautos unter Druck: Was die EU-Zölle auslösen

Der Zeitpunkt ist strategisch bedeutsam. Die EU hat für batterieelektrische Fahrzeuge aus China seit Ende Oktober 2024 zusätzliche Ausgleichszölle eingeführt. Nach Angaben der Europäischen Kommission gelten diese für fünf Jahre; für kooperierende Hersteller, die nicht einzeln aufgeführt sind, liegt der Satz bei 20,7 Prozent, für nicht kooperierende Unternehmen bei 35,3 Prozent. Die Kommission begründet die Maßnahme mit ihrer Untersuchung zu mutmaßlich unfairen Subventionen entlang der chinesischen Wertschöpfungskette für Elektrofahrzeuge.

Parallel arbeitet die EU an möglichen Alternativen zu den Zöllen. Im Januar 2026 veröffentlichte die Kommission Leitlinien für Preisverpflichtungsangebote chinesischer Hersteller. Dabei geht es unter anderem um Mindestimportpreise, Vertriebskanäle, den Ausschluss von Quersubventionen sowie mögliche Investitionen in der EU. Für Hersteller wie Xpeng erhöht das den Anreiz, europäische Fertigungskapazitäten aufzubauen oder auszuweiten: Lokale Montage kann Zollrisiken reduzieren, Lieferketten verkürzen und die Marke näher an den europäischen Markt rücken.

Magna Steyr wird zum Schlüssel für Xpeng in Europa

Magna Steyr ist für solche Projekte ein naheliegender Partner. Das Unternehmen mit Sitz in Graz tritt als markenunabhängiger Entwicklungs- und Fertigungspartner für Autohersteller auf. Magna verweist darauf, im Grazer Werk verschiedene Antriebsarten – von konventionellen Fahrzeugen über Plug-in-Hybride bis zu reinen Elektroautos – teils auf denselben Linien fertigen zu können. Diese Flexibilität ist für neue Anbieter besonders wichtig, weil sie europäische Produktion ohne eigenes Werk ermöglicht.

Welches vierte Xpeng-Modell nach Graz kommt, ist nicht bestätigt. Als Kandidat gilt der X9, ein großer vollelektrischer Van mit sieben Sitzen. Das Modell wurde Mitte Juni 2026 in mehreren europäischen Märkten eingeführt, darunter Deutschland, Finnland, Norwegen, Island, Kroatien, Slowenien und Ungarn. In Deutschland startet der X9 bei 77.600 Euro. Angeboten werden Varianten mit 94,8-kWh-LFP-Batterie und bis zu 535 Kilometern WLTP-Reichweite sowie Versionen mit 110-kWh-NMC-Batterie und bis zu 615 Kilometern WLTP-Reichweite. Die stärkste Variante verfügt über Allradantrieb mit 370 kW und soll bis zu 580 Kilometer nach WLTP schaffen.

Das Magna-Steyr-Werk in Graz wird für Xpeng zur wichtigen Produktionsbasis in Europa. Der chinesische Elektroautohersteller will dort künftig ein viertes Modell montieren lassen.

- © Wikipedia

Xpeng X9: Kommt der Elektro-Van nach Graz?

Für den X9 spricht, dass Xpeng ihn bereits in Europa positioniert und das Fahrzeug mit seiner 800-Volt-Architektur, hoher Ladeleistung und geräumigem Innenraum klar auf ein anspruchsvolles Kundensegment ausrichtet. Das Modell kann laut Herstellerangaben unter geeigneten Ladebedingungen in zwölf Minuten von zehn auf 80 Prozent laden. Zugleich ist die technische Komplexität hoch, was gegen eine vorschnelle Festlegung spricht: Xpeng hat bisher nicht offiziell erklärt, dass der X9 das vierte Magna-Modell wird.

Eine weitere Möglichkeit ist ein Modell aus der Mona-Reihe. Die Mona-Familie wurde zunächst für den chinesischen Markt entwickelt; der M03 ist dort als günstigere Elektro-Limousine positioniert. Für Europa ist vor allem der kommende Mona L03 interessant. Nach Angaben aus dem Umfeld des „Future of the Car Summit“ der Financial Times soll Xpeng die Mona-Serie im Juli in München für Europa vorstellen, wobei der L03 den Auftakt bilden soll. Auch hier gilt: Eine Fertigung in Graz ist möglich, aber nicht bestätigt.

Xpeng will in Europa wachsen – doch die Kapazitäten werden knapp

Die Ausweitung der Produktion passt zu Xpengs breiterer Europa-Offensive. Der P7+ wird laut Unternehmensangaben seit April 2026 in 25 europäischen Märkten ausgeliefert, darunter Österreich, Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Spanien, die Niederlande, Belgien, Schweden, Dänemark und Polen. Xpeng meldete zudem, 2025 weltweit mehr als 429.000 Fahrzeuge ausgeliefert zu haben; Europa habe dabei rund die Hälfte der Auslandsverkäufe ausgemacht.

Gleichzeitig prüft Xpeng offenbar weitere Optionen für eine stärkere industrielle Präsenz in Europa. Medienberichten zufolge sprach Elvis Cheng, Xpengs Managing Director für Nordosteuropa, im Mai beim Future of the Car Summit über Gespräche mit Volkswagen und anderen Herstellern zu möglichen europäischen Produktionsstandorten. Cheng verwies dabei auch darauf, dass die bestehende Vertragsfertigung an Kapazitätsgrenzen stoßen könne.

Landeshauptmann Mario Kunasek und Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (r.) sehen in der ausgeweiteten Xpeng-Produktion bei Magna Steyr in Graz ein positives Signal für den steirischen Industriestandort.

- © Land Steiermark

Magna Steyr und Xpeng: Graz profitiert von Chinas E-Auto-Offensive

Für Graz ist die Entscheidung ein wichtiges Signal. Mit jedem weiteren Modell steigt die Bedeutung des Magna-Standorts als europäische Brücke für chinesische E-Auto-Marken. Für Xpeng wiederum wird lokale Fertigung zu einem wichtigen Baustein, um im Wettbewerb mit etablierten europäischen Herstellern, Tesla und anderen chinesischen Marken sichtbarer zu werden. Noch fehlt der entscheidende Name des vierten Modells. Klar ist aber: Xpengs europäische Produktionsstrategie nimmt Konturen an – und Magna Steyr spielt dabei eine zentrale Rolle.

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