Volkswagen Xpeng Kooperation : Xpeng und Volkswagen: Wie der kleine China-Partner zum großen Taktgeber wird

Xpeng und Volkswagen dicht hintereinander vor dunkler Stadtkulisse

Volkswagen braucht Xpengs Tempo in China – doch der Partner fährt in Europa längst auf der Gegenspur.

- © Industriemagazin (KI-generiert)

Die jüngsten Absatzzahlen zeigen, wie dringend Volkswagen in China handeln muss. Bereits 2025 gingen die Auslieferungen des Konzerns dort um acht Prozent zurück. Im ersten Halbjahr 2026 verschärfte sich der Einbruch: Volkswagen meldete für China ein Minus von 25,9 Prozent. Der Konzern verwies dabei auch auf einen stark rückläufigen Gesamtmarkt. Dennoch ist die Entwicklung alarmierend, weil Volkswagen in anderen Regionen deutlich stabiler abschnitt. Während die Auslieferungen in Europa und Südamerika zunahmen, wurde China erneut zum größten Belastungsfaktor.

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Hinter den Zahlen steckt mehr als eine vorübergehende Absatzschwäche. Der chinesische Automarkt hat sich innerhalb weniger Jahre grundlegend verändert. Gefragt sind nicht mehr nur Verarbeitung, Markenimage und klassische Antriebstechnik, sondern leistungsfähige Batterien, kurze Ladezeiten, digitale Dienste, Sprachsteuerung, regelmäßige Software-Updates und hoch entwickelte Assistenzsysteme. Chinesische Hersteller entwickeln solche Funktionen häufig in kürzeren Zyklen als ihre europäischen Wettbewerber. Volkswagen muss seine Fahrzeuge deshalb stärker regionalisieren – technisch, digital und bei der Geschwindigkeit der Entwicklung.

Vor diesem Hintergrund vereinbarte der Konzern im Juli 2023 eine strategische Zusammenarbeit mit Xpeng. Volkswagen investierte rund 700 Millionen US-Dollar und sicherte sich knapp 4,99 Prozent der Anteile. Zunächst sollten zwei intelligente, vollständig vernetzte Elektrofahrzeuge für den chinesischen Markt entstehen. Später wurde die Kooperation auf eine gemeinsame elektrische und elektronische Architektur ausgeweitet.

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Xpeng und Volkswagen: Der kleine Partner mit großem Einfluss

Rein wirtschaftlich bleiben die Größenverhältnisse eindeutig. Der Volkswagen-Konzern lieferte 2025 weltweit knapp neun Millionen Fahrzeuge aus und erzielte einen Umsatz von 321,9 Milliarden Euro. Xpeng kam im selben Jahr auf 429.445 ausgelieferte Autos und einen Umsatz von 76,72 Milliarden Yuan beziehungsweise knapp elf Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr wies das chinesische Unternehmen noch einen Nettoverlust von 1,14 Milliarden Yuan aus. Im vierten Quartal 2025 gelang Xpeng allerdings erstmals ein Quartalsgewinn.

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Xpeng ist damit weder finanziell noch bei den Stückzahlen ein gleich großer Partner. Trotzdem hat das Unternehmen erheblichen Einfluss auf den Erfolg der gemeinsamen Projekte. Denn Volkswagen kaufte mit der Beteiligung nicht in erster Linie Produktionskapazitäten, sondern Zugang zu Entwicklungsgeschwindigkeit, Softwarekompetenz und einer Elektronikarchitektur, die auf die Anforderungen des chinesischen Marktes zugeschnitten ist.

Ein zentrales Projekt ist die sogenannte China Electronic Architecture, kurz CEA. Die zonale Elektrik- und Elektronikstruktur soll Steuergeräte zusammenfassen, die Komplexität reduzieren und neue digitale Funktionen schneller in unterschiedliche Fahrzeugklassen bringen. Volkswagen entwickelt sie gemeinsam mit Xpeng, Cariad China und der eigenen chinesischen Entwicklungsgesellschaft VCTC. Vorgesehen ist die Architektur nicht nur für Elektroautos, sondern perspektivisch auch für weitere lokal produzierte Modelle des Konzerns.

Volkswagen-Produktion in China: Der Konzern will mit Xpeng schneller auf den Wandel im E-Auto-Markt reagieren.

- © Volkswagen

ID. UNYX 08: Wie Volkswagen mit Xpeng schneller werden will

Das erste greifbare Ergebnis der Zusammenarbeit ist der Volkswagen ID. UNYX 08. Im März 2026 startete im Volkswagen-Werk in Hefei die Serienproduktion. Nach Angaben des Konzerns wurde das fünf Meter lange Elektro-SUV innerhalb von 24 Monaten bis zur Produktionsreife entwickelt – für Volkswagen ein ungewöhnlich kurzer Zeitraum.

Das Fahrzeug verfügt über eine 800-Volt-Architektur, kann Software-Updates über das Mobilfunknetz empfangen und bietet ein Fahrerassistenzsystem der Stufe 2. Je nach Variante nennt Volkswagen eine Leistung von rund 230 oder 370 Kilowatt sowie eine Reichweite von mehr als 700 Kilometern nach den für den chinesischen Markt verwendeten Herstellerangaben. Ein zweites gemeinsam mit Xpeng entwickeltes Volkswagen-Modell soll ebenfalls 2026 auf den Markt kommen.

Der Volkswagen ID. UNYX 09 steht für die neue China-Strategie des Konzerns: lokal entwickelt, digital aufgerüstet – und mit Xpeng als wichtigem Technologiepartner im Rücken.

- © Volkswagen

Turing-Chip und Level 2: Wo die Technikversprechen enden

Dabei ist eine begriffliche Abgrenzung wichtig: Ein System der Stufe 2 fährt nicht autonom. Es kann Längs- und Querführung gleichzeitig unterstützen, der Fahrer muss den Verkehr jedoch dauerhaft überwachen und jederzeit eingreifen können. Formulierungen wie „autonomes Fahren nach Level 2++“ sind daher missverständlich.

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Auch die Behauptung, im ID. UNYX 08 steckten bereits Xpengs eigene Turing-Prozessoren, lässt sich aus den veröffentlichten technischen Angaben von Volkswagen nicht ableiten. Der Konzern nennt zwar lokal entwickelte Technologien, 800-Volt-Technik, Assistenzfunktionen und die Updatefähigkeit, erwähnt in seiner Mitteilung zum Produktionsstart aber keinen Turing-Chip.

Xpeng selbst positioniert den Turing-Prozessor als zentrale Grundlage seiner künftigen KI-Produkte. Nach Unternehmensangaben besitzt der Chip 40 Rechenkerne und ist für große KI-Modelle ausgelegt. Die Technik soll nicht nur in Autos, sondern auch in Robotern und elektrisch startenden Fluggeräten eingesetzt werden. Der humanoide Roboter IRON nutzt laut Xpeng mehrere dieser Prozessoren. Solche Projekte zeigen, dass sich das Unternehmen bewusst nicht nur als Autohersteller, sondern als Anbieter einer breiteren KI- und Mobilitätsplattform inszeniert. Die technischen Leistungsversprechen stammen allerdings überwiegend vom Hersteller selbst und müssen sich im Großserieneinsatz erst bestätigen.

Xpeng in Deutschland: Chinas Elektroauto-Marke verlässt die Nische

Während Xpeng Volkswagen in China beim Entwicklungstempo hilft, tritt das Unternehmen in Europa als direkter Wettbewerber auf. In Deutschland wurden 2025 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes 2.991 Xpeng-Fahrzeuge neu zugelassen. Von Januar bis Mai 2026 waren es bereits 2.435 Fahrzeuge – ein Plus von 195,2 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Gemessen am Gesamtmarkt bleibt der Anteil gering. Das Wachstum zeigt jedoch, dass die Marke ihre bisherige Nischenposition langsam verlässt.

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Zusätzlich erweitert Xpeng sein Modellprogramm. Der im Juli 2026 angekündigte L03 startet in Deutschland zu Preisen ab 35.600 Euro. Die rein elektrischen Varianten bieten laut Hersteller zwischen 445 und 520 Kilometer WLTP-Reichweite. Die Ladeleistung beträgt bis zu 236 Kilowatt; unter geeigneten Bedingungen soll der Akku in 18 Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen werden können. Die teuerste elektrische Version kostet 46.600 Euro. Außerdem kündigte Xpeng eine Variante mit Range Extender an, bei der ein kleiner Benzinmotor Strom erzeugt, die Räder aber elektrisch angetrieben werden.

Der Xpeng L03 soll den Angriff der chinesischen E-Auto-Marke in Deutschland verbreitern: viel Reichweite, hohe Ladeleistung und Preise ab 35.600 Euro.

- © Xpeng

Aus Graz für Europa: Wie Xpeng seinen Angriff vorbereitet

Oberhalb des L03 steht unter anderem der P7+, der in Deutschland ab 46.600 Euro angeboten wird. Xpeng wirbt hier mit 800-Volt-Technik, einer Ladezeit von zwölf Minuten zwischen zehn und 80 Prozent sowie dem Einsatz des Turing-Chips. Auch diese Werte sind zunächst Herstellerangaben. Sie verdeutlichen aber, mit welchen Schwerpunkten Xpeng in Europa Kunden gewinnen will: hohe Ladeleistung, umfangreiche Serienausstattung, digitale Funktionen und vergleichsweise aggressive Preise.

Die Expansion wird zudem europäischer. Magna bestätigte neue Montageprogramme für Xpeng im österreichischen Graz. Auf seiner österreichischen Internetseite wirbt Xpeng bereits mit dem Hinweis „Aus Graz für Europa“. Damit reduziert das Unternehmen Transportwege und kann seine europäische Marktstrategie stärker auf lokale Produktion stützen.

Volkswagen oder Xpeng: Wer künftig den Takt vorgibt

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Volkswagen bleibt bei Kapital, Produktionsvolumen, Einkaufsmacht, Vertrieb und industrieller Erfahrung deutlich überlegen. Xpeng könnte eine Expansion nach Europa ohne Händler, Servicepartner, Markenvertrauen und langfristig belastbare Qualitätsdaten nur schwer in großem Maßstab beschleunigen.

In der für China entscheidenden Disziplin – der schnellen Entwicklung digital geprägter Elektroautos – hat sich das Kräfteverhältnis jedoch verschoben. Dort ist Xpeng nicht bloß ein kleiner Zulieferer. Das Unternehmen liefert Technologien und Entwicklungsprozesse, die Volkswagen benötigt, um überhaupt wieder näher an das Tempo der chinesischen Konkurrenz heranzukommen.

Xpeng als Rettungsanker und Risiko für Volkswagen

Volkswagen verfolgt deshalb inzwischen verschiedene Softwarestrategien für verschiedene Weltregionen. In China arbeitet der Konzern eng mit Xpeng und weiteren lokalen Partnern zusammen. Für westliche Märkte gründete Volkswagen dagegen ein Gemeinschaftsunternehmen mit Rivian. Bis Anfang 2028 sind Investitionen von bis zu 5,8 Milliarden US-Dollar in Rivian und das gemeinsame Unternehmen vorgesehen. Das zeigt, dass Volkswagen seine künftige Software- und Elektronikarchitektur nicht mehr ausschließlich aus eigener Kraft entwickeln will.

Die Partnerschaft mit Xpeng ist daher zugleich Rettungsanker und Risiko. Gelingt es Volkswagen, die chinesische Entwicklungsgeschwindigkeit mit seinen Stärken bei Qualität, Fertigung und Skalierung zu verbinden, kann die Kooperation den Konzern stabilisieren. Gelingt das nicht, hilft Volkswagen einem technologisch starken Wettbewerber dabei, Erfahrung, Kapital und internationale Sichtbarkeit zu gewinnen.

Xpeng ist noch weit davon entfernt, Volkswagen in Europa bei den Verkaufszahlen ernsthaft zu bedrohen. Doch die entscheidende Veränderung hat bereits stattgefunden: In der alten Autowelt bestimmte der größere Hersteller die Bedingungen. In der Ära des softwaredefinierten Fahrzeugs kann der kleinere Technologiepartner zum Taktgeber werden.

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