BMW hat diese Phase vergleichsweise gut überstanden, weil der Konzern früh auf einen technologieoffenen Ansatz setzte und Produktionsstrukturen beibehielt, die Nachfrageverschiebungen zwischen Verbrennern, Plug-in-Hybriden und Elektroautos besser abfedern konnten. Vorstandschef Oliver Zipse hält bis heute an dieser Linie fest. „Wir haben frühzeitig die Weichen für die erfolgreiche Zukunft des Unternehmens gestellt und setzen auf drei starke Säulen: unseren technologieneutralen Ansatz, unseren starken globalen Footprint und unsere begeisternden Marken und Produkte“, sagte er auf der Jahreskonferenz.
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Volkswagen und Mercedes-Benz haben auf frühere Schwächen inzwischen reagiert. Neue Elektroautos rücken optisch wieder näher an bekannte Modellreihen heran, frühere Submarkenlogiken wurden zurückgenommen, und die technische Konkurrenzfähigkeit bei Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Software soll sich verbessert haben. Dass Volkswagen im europäischen Elektrogeschäft wieder zur Spitze gehört, ist ein erstes Indiz dafür. Dennoch bleibt offen, ob sich daraus rasch wieder hohe Gewinne entwickeln lassen. Die operative Realität ist härter: Transformation, Preisdruck und geopolitische Risiken wirken gleichzeitig.
Deshalb reicht eine Modelloffensive allein nicht aus. Volkswagen und Mercedes-Benz verschärfen parallel ihren Sparkurs. Volkswagen-Finanzchef Arno Antlitz mahnte, das aktuelle Ergebnisniveau reiche „langfristig nicht aus, um kraftvoll in die Zukunft investieren zu können“. Konzernchef Blume kündigte an, „jeden Stein umzudrehen“. Reuters berichtete zuletzt zudem über die Absicht des Konzerns, in Deutschland bis 2030 rund 50.000 Stellen abzubauen. Mercedes setzt ebenfalls auf Effizienzprogramme und hat bereits mehrere Tausend Beschäftigte über ein Freiwilligenprogramm zum Ausscheiden bewegt.
BMW hebt sich auch an diesem Punkt von den Konkurrenten ab. Der Konzern setzt zwar ebenfalls auf Kostenkontrolle, verzichtet bislang aber auf ein ähnlich offensives, öffentlich sichtbares Großprogramm zum Personalabbau. Stattdessen verweist BMW auf sinkende Forschungs-, Verwaltungs- und Herstellungskosten sowie auf das bereits erreichte Ziel, die Zukunftsinvestitionen nach dem Höhepunkt der Vorjahre wieder zu normalisieren. Das verschafft dem Unternehmen im Vergleich eine günstigere Ausgangsposition.