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Wifo-Chef fordert eine Nachschärfung der Corona-Maßnahmen

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© APA/HANS KLAUS TECHT

Wifo-Chef Christoph Badelt hat die wirtschaftspolitischen Maßnahmen in der Coronakrise zwar als "prinzipiell richtig" bezeichnet. "Sie haben die Krise abgemildert. Sonst gäbe es sicher eine totale Katastrophe", so der Ökonom. "Für die Zukunft ist aber ein Nachschärfen bei einigen Maßnahmen notwendig - vor allem in der Praxis der Umsetzung", sagte er bei einer digitalen Pressekonferenz.

Hilfspakete bergen "ein paar Lücken"

Freilich sei es "immer schwierig, wenn man über Nacht ein Paket schnürt", daher gebe es auch "ein paar Lücken". Diese ortet der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) etwa bei jungen und kleineren Unternehmen. Denn diese würden zum Teil durch die Eigenkapitalrestriktion im Notfallfonds von 8 Prozent, die für gewisse Hilfen notwendig ist, von diesen überlebensnotwendigen Hilfen ausgeschlossen: "Obwohl sie an sich lebensfähig sind und die Hilfen brauchen", so Badelt. Firmen in den ersten Jahren haben oft negatives Eigenkapital. "Sie kommen nicht an den Notfallfonds heran."

Zudem könnten die Zahlungen aus dem Härtefallfonds "womöglich zu kurz und zu niedrig ausfallen". Möglich sind zwei Mal drei Monate. "Ich glaube nicht, dass beispielsweise ein freiberuflicher Physiotherapeut mit 2.000 Euro seine Kosten decken und davon auch noch leben kann."

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"Wir rechnen auch damit, dass bei Einpersonenunternehmen noch größere Schwierigkeiten auftauchen werden", warnte der Wirtschaftsforscher. Das gelte vor allem wenn diese im Veranstaltungsbereich tätig seien, der noch länger nicht laufen werde.

Richtig sei es, jetzt Hilfen primär auf die Liquidität abzustellen. "Aber nach der Liquidität kommen wahrscheinlich Probleme bei der Eigenkapitalbasis der Unternehmen." Das gelte vor allem für kleinere Firmen.

Staatsbeteiligungen pragmatisch sehen

Das Thema Eigenkapital werde eines der größten volkswirtschaftlichen Probleme werden, wenn die Coronakrise vorbei ist. "Bei größeren wird sich auch die Frage nach Staatsbeteiligungen stellen", so Badelt. Solche sollte man pragmatisch und nicht ideologisch sehen und auch eingehen. Einige Jahre solle der Staat in Unternehmen einsteigen, wo dies notwendig sei um sich danach am besten mit einem Gewinn wieder aus ihnen zu verabschieden.

Beispielsweise die Mehrwertsteuer zu senken, um mehr Konsum im Tourismus oder in der Gastronomie zu generieren, davon hält Badelt nichts. Für den Tourismus zeichnete Wifo-Prognosechef Baumgartner allerdings ein dunkles Bild. Nach dem derzeitigen Totalausfall werde es nur eine langsame Erholung geben. Manche Hotels dürften im Sommer wegen fehlender Ausländer gar nicht aufsperren, sagte er. Zwar werde der inländische Tourismus wohl aktiviert werden. Niemals könne man damit aber an ein touristisches Normaljahr herankommen. Besonders hart dürfte es für längere Zeit den Städtetourismus erwischen.

Der Tourismus sorgte in Österreich zuletzt für rund 16 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Daran wird man zumindest heuer bei weitem nicht herankommen. (apa/red)

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