Atomkraft

Prag schiebt Ausbau des AKW Temelin auf Eis - wegen Strompreisen

Die neue tschechische Regierung von Premier Jiri Rusnok wird keine Beschlüsse für den Ausbau des südböhmischen Atomkraftwerkes Temelin fassen. Laut der Chefin der Fraktion der Partei Öffentliche Angelegenheiten (VV), Katerina Klasnova, habe ihr dies Staatspräsident Milos Zeman bestätigt, berichteten tschechische Medien.Zeman führt laufend Gespräche mit den Chefs der Fraktionen im Abgeordnetenhaus, um die eventuelle Unterstützung für das Rusnok-Kabinett bei der bevorstehenden Vertrauensabstimmung zu sondieren. Regierungschef Rusnok: "Keine Eile" mit Ausbau des AKWKlasnova betonte, dass Rusnoks Beamten-Regierung zur Beruhigung der angespannten politischen Situation im Lande beitragen und deswegen keine großen Aufträge billigen sollte. Rusnok selbst hatte kürzlich erklärt, dass sein Kabinett mit dem Temelins Ausbau „keine Eile“ habe.Laut dem bisherigen Plan sollte die tschechische Regierung noch heuer entscheiden, welche Firma Temelin ausbauen wird, und den entsprechenden Vertrag unterzeichnen. Zweifel an der Wirtschaftlichkeits der neuen AKW-BlöckeIn den letzten Monaten tauchten jedoch Zweifel auf, ob es sich bei den sinkenden Strompreisen lohnt, Temelin auszubauen. Temelin liegt rund 50 Kilometer von der österreichischen Grenze und rund 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.Um den lukrativen Auftrag im Wert von rund 200 Mrd. Kronen (7,71 Mrd. Euro) bewerben sich der US-Konzern Westinghouse, das tschechisch-russische Konsortium MIR.1.200 aus Skoda JS, Atomstrojexport und Gidropress sowie die französische Areva. Areva wurde jedoch aus dem Verfahren ausgeschlossen. Fehlende Rentabilität: Temelin-Betreiber will mehr Geld vom Staat Unterdessen fordert der tschechische Akw-Betreiber CEZ fordert eine staatliche Förderung für Atomstrom, namentlich für den Ausbau seines Atommeilers am Standort Temelin in Südböhmen. CEZ-Manager Cyrani räumte gleichzeitig ein, dass sich bei einem Preis von im Schnitt 40 Euro für die Megawattstunde Strom der Akw-Ausbau nicht rentiere. Er forderte eine Art Öko-Umlage für Atomstrom. Bei einem garantierten Abnahmepreis von mindestens 70 Euro pro Megawattstunde - vergleichbar der Förderung erneuerbarer Energien in Tschechien - wäre Temelin gegenüber anderen Stromquellen konkurrenzfähig. Gegenwind aus Wien und Berlin Unter anderem die deutsche Regierung hatte sich zuletzt gegen eine Förderung der Atomkraft in der Europäischen Union ausgesprochen. Die EU-Kommission betonte zwar, zu keiner Form der Subvention für Atomkraft ermuntern zu wollen, doch gehe es um neue Regeln für staatliche Beihilfen bei Umweltschutz und für die Energiebranche. Auch Österreich hatte sich strikt gegen Förderpläne für die Atomkraft ausgesprochen. Kanzler Werner Faymann (SPÖ) betonte, Österreich werde bei der Gegnerschaft "an der Spitze stehen". (apa/pm)