Konkurrenz

Deutsche Post macht Post AG massive Konkurrenz

Damit wurde wahr, was der Chef der Österreichischen Post AG, Georg Pölzl, bei der Präsentation der Halbjahreszahlen befürchtet hatte. Die Deutsche Post ist dabei ein wichtiger Geschäftspartner der Österreicher, denn 60 Prozent des Paketaufkommens der Österreichischen Post aus dem Online-Handel kommt aus Deutschland - und das Packerl-Geschäft mit Internet-Bestellungen nimmt stetig zu. Die Deutschen liefern bisher bis zur Grenze, dann übernehmen die Österreicher. Der wichtigste Versandhändler für Österreich, das US-Unternehmen Amazon, liefert von Deutschland aus. Pölzl will dem mit mehr Service begegnen, so hat er erst kürzlich bekannt gegeben, dass noch heuer sämtliche Ballungszentren eine Samstagzustellung bekommen und will auch den Wunschtag für die Zustellung umsetzen.

Dank der stetig wachsenden Online-Bestellungen - und ihrer Retouren - konnte das Paketgeschäft sowohl beim deutschen wie auch beim österreichischen Ex-Monopolisten das rückläufige Briefgeschäft kompensieren. Beim Brief hat die Österreichische Post ohnehin - nicht zuletzt aufgrund des Postmarktgesetzes - eine De-facto-Monopolstellung. Jedenfalls hat die Post in den vergangenen Jahren viel Geld in die Hand genommen, um den Paketbereich auszubauen. Rund 100 Millionen Euro investiert die Post AG pro Jahr insgesamt. Damit relativiert sich auch der "dreistellige Millionenbetrag", den die Deutschen nun "auf der grünen Wiese" bis Anfang nächsten Jahres investieren wollen.

Auf die leichte Schulter nimmt man in der Wiener Postzentrale jedoch die deutsche Offensive nicht. Wobei: Als während der IT-Blase rund um die Jahrtausendwende T-Online, die Tochter der Deutschen Telekom, in den österreichischen Markt drängte, erwarteten Beobachter ein Erdbeben. Geworden ist es ein laues Lüfterl. "Nach den Benelux-Ländern, Polen, der Tschechischen Republik und der Slowakei erschließt der im letzten Jahr ins Leben gerufene europäische Paketbereich von Deutsche Post DHL Group mit Österreich ein weiteres Land mit großem E-Commerce-Potenzial", so die Deutsche Post in einer Aussendung. Online-Einkäufe aus Deutschland sollen dann durchschnittlich einen Tag nach dem Versand beim Empfänger in Österreich eintreffen.

DHL Österreich-Chef ist der gebürtige Österreicher Günter Birnstingl, der auf lange Erfahrung im Logistikbereich bei den Deutschen zurückblicken kann. Die Unternehmenszentrale wird gerade in der Clemens Holzmeister-Straße im 10. Wiener Gemeindebezirk fertiggestellt. Bis Jahresende will DHL die Nummer zwei am Markt werden, so Sprecherin Dunja Kuhlmann.

Die Österreichische Post befindet sich noch zur Hälfte in Staatsbesitz und ist ihrerseits in Deutschland im Paketbereich aktiv - allerdings läuft das Geschäft der dortigen trans-o-flex mehr schlecht als recht. Einen Verkauf hat Pölzl zuletzt nicht ausgeschlossen. (apa)