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Bank Austria: Erholung der Industrie ab dem dritten Quartal zu erwarten

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© Peter Martens

Die Ökonomen der Bank Austria orten aufgrund der Coronakrise einen "beispiellosen Fadenriss" der Industrieentwicklung in Österreich und sehen aufgrund des Nachfragkollapses "die historisch stärkste Verringerung der Produktion". Der Bank-Austria-Einkaufsmanagerindex stürzte im April um 14 Punkte auf ein Rekordtief von 31,6 Punkten ab und hat damit den Finanzkrise-Tiefstand von 2009 unterschritten.

"Der in der mehr als 20-jährigen Geschichte der Berechnung des UniCredit Bank Austria EinkaufsmanagerIndex stärkste und verhältnismäßig rascheste Rückgang wurde durch den abrupten Einbruch der Nachfrage aus dem In- und Ausland verursacht, der die Betriebe zu einem massiven Zurückfahren der Produktion und zu einem starken Stellenabbau veranlasste", so Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Einkaufsmanagerindex auf einem Rekordtief

Innerhalb von nur zwei Monaten fiel der Einkaufsmanagerindex aus dem Wertebereich über 50 Punkten, der Wachstum signalisiert. Laut Bruckbauer belief sich der stärkste monatliche Rückgang in der Wirtschafts- und Finanzkrise auf knapp über 5 Punkte und bis zum Erreichen des Tiefpunkts dauerte es länger als ein halbes Jahr.

Die Beschränkungen der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens in Österreich aufgrund der Coronavirus-Pandemie führten zu einem Kollaps der Produktion und Nachfrage. "Die Produktion in der heimischen Industrie fiel aufgrund der schwachen Nachfrage aus dem In- und Ausland, der Unterbrechung der globalen Wertschöpfungsketten, Grenzschließungen und dem Lockdown in Österreich selbst auf ein Rekordtief von 17,2 Punkten", sagte Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl.

Rückgänge bei über 70 Prozent der Betriebe

Mehr als 70 Prozent der heimischen Unternehmen hätten im April einen Rückgang der Produktion gemeldet. Einen besonders starken Einbruch habe es in der Konsumgüterindustrie gegeben. Der Beschäftigtenindex fiel innerhalb eines Monats um fast 10 auf 33,3 Punkte, den niedrigsten Wert seit elf Jahren. "Der Stellenabbau in der österreichischen Industrie ist zwar massiv, wird jedoch durch das Corona-Kurzarbeitsmodell deutlich gemildert", so Pudschedl.

Ökonomen: Talsohle wurde im April erreicht

Nach Ansicht der beiden Bankökonomen hat die Industriekonjunktur im April aber voraussichtlich die Talsohle erreicht. Die Erholung ab dem dritten Quartal werde den Einbruch der Industrieproduktion im Jahr 2020 auf weniger als 10 Prozent begrenzen. "Nach dem massiven Einbruch im April sollte sich die Industriekonjunktur in den kommenden Wochen auf tiefem Niveau stabilisieren können", so ", so Bruckbauer. Allerdings sei "erst mit einer spürbaren Lockerung der Maßnahmen der Beginn einer substanziellen Erholung zu erwarten". (apa/red)