Wirtschaftspolitik

Zwei Großaufträge an Siemens - Medizinsparte könnte trotzdem verkauft werden

Siemens kann sich über zwei Großaufträge aus den USA und Indien freuen. Einer davon ist milliardenschwer und geht an die Sparte für Medizintechnik: Washington bestellt Radiologie-Systeme in ungewöhnlich großem Umfang. Trotzdem liebäugelt Konzernchef Joe Kaeser mit dem Verkauf eben dieser Sparte.

Der deutsche Industriekonzern Siemens kann sich über zwei Großaufträge aus den USA und Indien freuen. Zum einen erhielt die vor dem Börsengang stehende Medizintechniksparte einen Rahmenvertrag vom US-Verteidigungsministerium für Radiologie-Systeme in ungewöhnlich großem Umfang, wie die Behörde mitteilte.

Das Pentagon kann demnach in den kommenden fünf Jahren mit einer Option auf weitere fünf Jahren Technik, Zubehör und Schulungseinheiten von bis zu 4,1 Mrd. Dollar (3,8 Mrd. Euro) ordern. Die Verbuchung der Einzelaufträge erfolge je nach Abruf, betonte ein Siemens-Sprecher.

Medizintechnik ist eine der profitabelsten Sparten von Siemens

Die Medizintechnik, die unter dem Namen Healthineers firmiert, ist eines der größten und profitabelsten Geschäftsfelder von Siemens. Aufträge in dem Gesamtumfang sind allerdings äußert selten, zumal von der US-Regierung unter Donald Trump eher eine Bevorzugung des heimischen Rivalen GE erwartet wurde. Siemens-Chef Joe Kaeser will die Medizintechniksparte im laufenden Jahr noch an die Börse bringen und erwägt ein Notierung in New York.

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Eckdaten zum Auftrag in Indien

In Indien erhielt Siemens zusammen mit seinem japanischen Partner Sumitomo Electric einen Großauftrag für Netztechnik. Für 520 Mio. Dollar sollen die Firmen eine Hochspannungsgleichstrom-Verbindung (HGÜ) bauen, davon entfällt mit 258 Mio. Dollar rund die Hälfte auf Siemens. Die rund 200 Kilometer lange Trasse solle 2020 in Betrieb gehen und das zentrale Südindien mit der Küste verbinden.

Der indische Netzbetreiber investiert derzeit massiv in den Ausbau seiner Leitungen und bestellt dafür bei Siemens und dem Schweizer Rivalen ABB, um die gesamte Bevölkerung rund um die Uhr mit Strom versorgen zu können.

Joe Kaeser liebäugelt weiter mit dem Verkauf der Medizintechnik

Siemens-Chef Joe Kaeser lässt sich für den geplanten Börsengang der Medizintechniksparte weiter alle Optionen offen. "Wir haben vieles durchdacht, aber es ist noch nichts entschieden", sagte er dem Schweizer Blatt "Finanz & Wirtschaft". Sowohl die Platzierung neuer Aktien in einem Börsengang als auch ein Teil-Spin-off sind möglich.

Auch der Ort der Börsennotiz ist offen: "Der US-Aktienmarkt ist sehr liquide und hat ein gutes Verständnis für den Gesundheitssektor", fügte er hinzu. Es bleibe abzuwarten, ob US-Präsident Donald Trump Bürokratie und Steuern abbaue. "Auch die Börsen Frankfurt und Hongkong sind ebenfalls Optionen." Die Arbeitnehmervertreter hatten sich gegen eine Notiz in Amerika ausgesprochen, weil sie die Aushöhlung der Mitbestimmungsrechte fürchten.

Teilverkauf ebenfalls möglich

Für die nächste Zeit seien keine weiteren Abspaltungen geplant, sagte Kaeser. "Die große strukturelle Neuausrichtung ist abgeschlossen", formulierte der Manager, der den Konzern in seiner Amtszeit wiederholt neu aufgestellt hat. Eine reine Beteiligungsgesellschaft, wie Betriebsräte und Gewerkschafter befürchten, solle Siemens nicht werden.

Auch Restanteil an Osram will Kaeser abstoßen

Die Restbeteiligung am Lichttechnikkonzern Osram von knapp 18 Prozent will Kaeser weiter loswerden, hielt sich aber über die Art und Weise weiter bedeckt. "Es gibt keinen inhärenten Grund mehr, beteiligt zu sein. Es gibt auch die Option, einen strategischen Zusammenschluss zu ermöglichen, um Osram zu stärken."

Zuletzt hatten sich Chinesen für das Traditionsunternehmen interessiert, hatten sich aber nach massiven Protesten der Belegschaftsvertreter wieder abgewandt.

(reuters/apa/red)