Elektroindustrie

Zumtobel will im laufenden Geschäftsjahr wieder in die Gewinnzone

Nach schweren Jahren hat der Vorarlberger Beleuchtungsmittelhersteller seinen Verlust deutlich reduziert - heuer soll die Rückkehr in die Gewinnzone gelingen. Das Werk in Jennersdorf wird geschlossen. Der Standort China sei inzwischen teurer als Serbien, so Konzernchef Alfred Felder.

Der börsennotierte Leuchtenkonzern Zumtobel will nach einigen Verlustjahren wieder in die Gewinnzone kommen. Für das laufende Geschäftsjahr 2019/20 (per Ende April) ist die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geplant. Dann soll auch wieder eine Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden, die für 2018/19 angesichts von 15,2 Mio. Euro Nettoverlust ausfällt, kündigte Konzernchef Alfred Felder an.

Hohe Kosten für den Konzernumbau

Das vergangene Geschäftsjahr sei ein "Übergangsjahr" gewesen mit hohen Restrukturierungskosten. "Wir haben das schlimmste hinter uns gelassen und sind langsam auf Wachstumskurs", sagt Felder. Konkret wird wie berichtet das Werk in Jennersdorf im Burgenland geschlossen und die Arbeitsplätze bzw. die Produktion in ein neu eröffnetes Werk in Nis in Serbien verlagert.

China ist teurer als Serbien

Auch aus dem chinesischen Werk Guangzhou kommt die Produktion nach Nis. In China seien die Lohnkosten in den Küstenstädten inzwischen fast so hoch wie in Portugal, zusammen mit den langen Transportwegen, den Aufwendungen für Logistik und Lagerhaltung sowie den Zöllen - Stichwort US-Strafzölle gegen China - sei es heute günstiger und besser, in Nis zu produzieren, so Felder. Zumtobel hat Mitte Juni eine neue Softwareschmiede in Portugal eröffnet.

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Zusätzlich wurde im Vertrieb und in der Verwaltung kräftig gespart, erläutert Finanzvorstand Thomas Tschol bei der Zumtobel-Jahrespressekonferenz am Donnerstag in Wien. Die negativen Sondereffekte aus der Restrukturierung machten im Geschäftsjahr 2018/19 insgesamt 25,0 Mio. Euro aus, nach 27,0 Mio. Euro im Jahr davor. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet er deutlich verringerte Belastungen aus der Restrukturierung.

Derzeit keine direkten Kündigungen mehr in Dornbirn

Die Zahl der Mitarbeiter sank von 6.224 auf 5.878, davon arbeiten rund 2.200 in Österreich. Weitere "Anpassungen" in Österreich am Sitz in Dornbirn sollen über die natürliche Fluktuation sowie über Leiharbeitskräfte geschehen, erläuterte Felder. Im Werk in Nis, das mit einem Investitionsvolumen von rund 30 Mio. Euro errichtet wurde, sind mittlerweile 400 Mitarbeiter tätig. Die Produktion in Jennersdorf mit 90 Mitarbeitern wird bis November 2019 stufenweise geschlossen. Dazu: Burgenländer übernehmen kleinen Teil von Zumtobel in Jennersdorf >>

Belastet hat Zumtobel auch die Unsicherheit rund um den Brexit. Man sei sowohl für einen harten als auch einen weichen Brexit gerüstet, erläuterte Felder, aber die Turbulenzen hätten in Großbritannien zu einem Investitionsrückstau in Industrie, Handel und bei Büros geführt - das seien genau die Bereiche, wo der Konzern seine Umsätze erziele. Der Umsatz in Großbritannien sank um 11 Prozent. Starke Umsatzrückgänge gab es mit minus 18 Prozent auch in den USA. Dazu: Zumtobel stattet Londoner Stadion mit 77.000 Leuchten aus >>

Neues IT-Zentrum in Portugal

Positiv entwickle sich das Projekt in Porto in Portugal, wo ein neues Software-Kompetenzzentrum für die Gruppe mit mittlerweile 30 Mitarbeitern errichtet wird. Am Stammsitz von Zumtobel in Dornbirn wird im März 2020 in einer alten revitalisierten Werkshalle ein neues Lichtforum als "Erlebnisort des Lichts" für Kundenpräsentationen und für Kulturveranstaltungen eröffnet. Dazu: Zumtobel baut aus seiner alten Industriehalle ein "Lichtforum" >>

Im vierten Quartal sei es gelungen, erstmals seit 13 Quartalen ein Umsatzwachstum zu erzielen, sieht Felder die Trendwende zum Positiven bereits gekommen. Der Umsatz stieg im Schlussquartal um 3,4 Prozent auf 298,2 Mio. Euro. Das um Sonderfaktoren bereinigte EBIT stieg auf 3,7 Mio. Euro, unbereinigt belief sich das EBIT auf minus 4,5 Mio. Euro. Das Periodenergebnis war mit minus 9,2 Mio. Euro ebenfalls negativ.

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Zahlen für das Geschäftsjahr 2018/19

Im gesamten Geschäftsjahr 2018/19 hat Zumtobel seinen Nettoverlust von 46,7 auf 15,2 Mio. Euro deutlich verringert. Der Umsatz ging um 2,9 Prozent auf 1,162 Mrd. Euro zurück. Das Betriebsergebnis (EBIT) drehte von minus 7,3 auf 2,7 Mio. Euro ins Positive. Das um Sondereffekte bereinigte Gruppen-EBIT verbesserte sich auf 27,6 Mio. (19,7 Mio.) Euro, die Umsatzrendite stieg entsprechend von 1,6 Prozent auf 2,4 Prozent. Für die Aktionäre wird keine Dividendenausschüttung vorgeschlagen.

Heuer soll ein "Aufbruchsjahr" sein

Im Ausblick sieht der Vorstand das Geschäftsjahr 2019/20 als "Aufbruchsjahr", in dem neben der kontinuierlichen Verbesserung des operativen Geschäfts das Wachstum wieder in den Mittelpunkt der Aktivitäten rücken soll. Für das Geschäftsjahr 2019/20 erwartet der Vorstand ein leichtes Umsatzwachstum sowie eine Verbesserung der bereinigten EBIT-Marge auf 3 bis 5 Prozent (Geschäftsjahr 2018/19 2,4 Prozent). Das Mittelfristziel einer EBIT-Marge von circa 6 Prozent bis zum Geschäftsjahr 2020/21 bleibt weiter aufrecht. (apa/red)

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