Autozulieferer

Zulieferer Wollsdorf: Neuer Standort in Mexiko trotz erwarteter Rückgänge

Der steirische Zulieferer Wollsdorf Leder hat sich beim Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres eine Seitwärtsbewegung erkämpft - rechnet aber für die kommenden Jahre mit Rückgängen am Markt. Trotzdem nimmt in Mexiko ein neuer Standort von Wollsdorf den Betrieb auf.

Der steirische Zulieferer Wollsdorf Leder hat im Geschäftsjahr 2017/2018 seinen Umsatz mit 165 Mio. Euro so gut wie gehalten. Für die kommenden Jahre sei aber am umkämpften Markt für Lederlenkräder ein Rückgang von rund 20 Prozent zu erwarten.

Hersteller erwartet Rückgänge am Markt

Schuld sei eine schwächere Konjunktur in Europa und sinkende Einkaufspreise, sagte Geschäftsführer Andreas Kindermann. Der Hersteller plane, die sinkenden Einkaufspreise an die Kunden weiterzugeben, meinte Kindermann bei der kürzlich abgehaltenen Pressekonferenz in Graz. Der Umsatz dürfte wegen neuer Aufträge dennoch auf etwa dem gleichen Niveau bleiben.

Ein Viertel der weltweiten Lederproduktion geht an die Autoindustrie

Im abgeschlossenen Geschäftsjahr lag das Ergebnis laut Kindermann leicht positiv im einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Mit ein Grund für den umkämpften Markt sind Gerbereien, die von anderen Branchen auf den Lenkradbereich umschwenken würden. Die Preise seien daher stark gesunken, sagte Kindermann. 2018 waren etwa 18 Prozent der weltweiten Lederproduktion für die Autoindustrie, bis 2020 dürfte der Anteil auf 25 Prozent ansteigen.

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Neues Werk in Mexiko startet mit dem Betrieb

Mit Jahresbeginn hat ein neues Werk in Leon in Mexiko den Betrieb aufgenommen - vorerst mit 60 Mitarbeiter. In der ersten Ausbaustufe mit Investitionen von 20 Mio. Euro sollen es 200 sein. Nächster Schritt ist eine Erweiterung um weitere 20 Mio. Euro auf insgesamt 400 Mitarbeiter. Weltweit beschäftigt das steirische Unternehmen derzeit etwa 1.200 Mitarbeiter, etwa auch in Fuzhou in China, High Point in den USA und Varazdin in Kroatien.

In Leon können sich Kunden nun das neue Werk anschauen, sagte Kindermann. In der ersten Ausbaustufe sollen 5.000 bis 7.000 Häute pro Woche verarbeitet werden, in der zweiten in etwa drei bis fünf Jahren sogar rund 15.000. Dann schaffe man in Mexiko die gleiche Kapazität wie derzeit in Österreich am Stammsitz in Wollsdorf nahe Gleisdorf.

Neue Niederlassung auch in Uruguay

Um auch in Südamerika am großen Markt mit Tierhäuten aus der Fleischindustrie mitzumischen, wurde kürzlich ein kleiner Standort in Montevideo in Uruguay eingerichtet. Fünf Mitarbeiter kümmern sich dort um Einkauf und Vertrieb, sagte der Geschäftsführer.

Mexiko: Kein "Billigstandort"

Die Produktion in Mexiko sei laut Kindermann keinesfalls ein "Billigstandort". Man arbeite dort mit der gleichen Qualität wie in Österreich. Die Mitarbeiter in dem neuen Werk haben zehn bis 20 Jahre Ledererfahrung. Leon gilt mit rund 300 Gerbereien als Hot-Spot der Lederproduktion. 2019 erwartet Wollsdorf rund 9 Mio. US-Dollar (8 Mio. Euro) Umsatz durch das Werk in Mexiko. Der Markt - man will vor allem Nord-, Mittel- und Südamerika bedienen - verspreche ein Wachstum bis 2022 auf rund 30 bis 40 Mio. Euro Umsatz. Bisher wurden mehr als 100 Ledermarken zur Bemusterung an die Produzenten im Amerika verschickt: "Nun kommen die Aufträge", so Kindermann.

Wollsdorf beliefert alle großen Autohersteller

Wollsdorf Leder ist Marktführer im Bereich Lederlenkräder und beliefert weltweit alle großen Autohersteller. Rund 72 Prozent des Umsatzes werden im Automotive-Bereich gemacht, etwa 25 Prozent mit Möbel und rund acht Prozent im Flugzeugbereich. (apa/red)