140 Jobs

Wollsdorf Leder schließt Stanzerei in Weiz

Größeres Werk in Kroatien: Ein Teil der Belegschaft kann dort neue Arbeitsplätze finden.

Zulieferindustrie Wollsdorf Leder

Das oststeirische Unternehmen Wollsdorf Leder wird bis Juni 2015 seine Stanzerei am Standort Weiz schließen. Etwa 100 der 240 eigenen Mitarbeiter des Werks werden im nur wenige Kilometer entfernten Hauptsitz in Wollsdorf weiter beschäftigt. Die übrigen 140 werden abgebaut oder könnten in das neue und größere Werk nach Kroatien mitgehen, gab die Geschäftsführung am Donnerstag in Graz bekannt.

Der Anlass für die Siedelung zu einem neuen Standort im kroatischen Varazdin sei der notwendige Ausbau der Stanzerei. Schon im vergangenen Jahr ist der Umsatz gestiegen, und vor allem im Sektor Auto sei weiteres Wachstum zu erkennen, erklärte Geschäftsführer Andreas Kindermann. Der Auto-Markt in den USA sowie der Sektor Flugzeug wachse und neue Artikel sind geplant. Ein der Auftragslage entsprechender Ausbau ist in der Gerberei in Wollsdorf möglich, nicht jedoch beim Werk in Weiz, das "mittlerweile fast schon mitten in der Stadt" stehe, so Kindermann.

Kürzere Wege ausschlaggebend

Die Stanzerei bereitet das Lenkrad-Leder für Abnehmer auf der ganzen Welt ausgenommen China vor. Dort hat Wollsdorf einen eigenen Standort. Da der Ausbau in Weiz nicht mehr möglich sei, habe sich das Unternehmen im Vorjahr für den neuen Standort in Kroatien entschieden. Ausschlaggebend sei aber nicht der niedrigere Lohn, sondern der kürzere Weg nach Rumänien. Dort lassen viele Autohersteller ihre Lenkräder produzieren. Varazdin liege auf der Achse nach Rumänien und sei nur etwa zwei Autostunden von Wollsdorf entfernt, sagte der Geschäftsführer. Über die Investitionskosten in den neuen Standort wollte er keine Auskunft geben.

Nicht die gesamte Produktion von Weiz wird zum neuen Standort, der bereits ab September 2014 in Betrieb geht, siedeln. Die sogenannte Markierung der Lederstücke werde im Juni 2015 nach Wollsdorf verlegt und mit ihr etwa 60 Mitarbeiter - mehr als die Hälfte Frauen - aus Weiz. Weitere 40 bis 50 Mitarbeiter kommen in der Lederproduktion in Wollsdorf unter. Die Stanzung und Sortierung dagegen wird bis Juni 2015 sukzessive nach Kroatien ausgelagert.

Gesprächsbereitschaft

"Wir haben bereits erste Gespräche mit dem Betriebsrat über soziale Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter geführt", versicherte Kindermann. Außerdem bestehe auch Gesprächsbereitschaft mit den betroffenen Mitarbeitern: Mehr als die Hälfte der Arbeitskräfte aus dem Weizer Werk kommen aus Südungarn und Slowenien. Sie könnten eventuell auch im kroatischen Sitz beschäftigt werden, müssten aber wohl niedrigere Löhne in Kauf nehmen.

"Natürlich ist das für die betroffenen Mitarbeiter eine schlechte Nachricht, aber für die gesamte Firma bedeutet der neue Standort eine Absicherung des Werks in Wollsdorf und Potenzial für die Zukunft", so die Geschäftsführung. Der Standort Varazdin werde bereits in der ersten Ausbaustufe 20 Prozent mehr Kapazität bieten und weise Platz für die doppelte Kapazität auf.

Neben den 240 fix angestellten Mitarbeitern sind derzeit auch noch 50 bis 60 Leiharbeiter in Weiz beschäftigt. Am Standort Wollsdorf arbeiten momentan etwa 550 Frauen und Männer. Zusammen mit dem Werk in China beschäftigt Wollsdorf Leder insgesamt mehr als 1.000 Mitarbeiter weltweit.

Das Werk in Kroatien wird eine Fläche von 9.500 Quadratmeter aufweisen und mit Juni 2015 den Vollbetrieb aufnehmen. Derzeit werden 130.000 Stück Lederlenkradstreifen pro Woche gefertigt, künftig sollen es 150.000 Stück sein. In Varazdin wird mit Nähmaschinen auch die Fertigungstiefe erhöht und erste Aufträge aus dem Bereich Flugzeuge seien bereits für den Herbst in Aussicht. Insgesamt sollen 250 Mitarbeiter in Kroatien beschäftigt werden. Das dort verarbeitete Leder soll ausschließlich aus der Gerberei Wollsdorf kommen. (APA)