AMAG-General Gerhard Falch

„Wollen wir weiter nur aus Europa liefern?“

Im April übergibt AMAG-General Gerhard Falch das Ruder an Nachfolger Helmut Wieser. Jetzt feilt Falch an einer Strategie, die das Unternehmen ins nächste Jahrzehnt leiten soll.

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AMAG Aluminium Aluminiumindustrie Gerhard Falch

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Falch, als ich vor fünf Jahren hier in Ranshofen war, ist es mir noch gelungen, ohne einer einzigen Person zu begegnen bis direkt an Ihren Schreibtisch zu gelangen ...

Gerhard Falch: Wirklich? Das haben Sie mir damals aber nicht erzählt ...

... heute kontrolliert der freundliche Werksschutz die Betriebsgrenzen, und eine Empfangsdame managt Ankömmlinge. Wie bezeichnend sind diese Veränderungen für die vergangenen fünf Jahre Ihres Wir-kens hier in Ranshofen?

Falch: (lacht) Na, ich hoffe nicht sehr. Sie wissen, dass ich offene Türen, eine ehrliche und intensive Gesprächskultur und das Miteinander im Unternehmen schätze. Barrieren will ich keine aufbauen. Aber im Ernst: Dass aus unserem ambitionierten Investitionsprogramm der letzten Jahre auch kleine Teile für die Renovierung des Verwaltungsgebäudes vorgesehen waren, war klar. Das war damals in der Tat eines börsennotierten Technologiekonzerns nicht würdig.

Das laufende Investitionsprogramm ist 220 Millionen Euro schwer, unter anderem wird da neben einer Plattenfertigung und einem Warenlager ein völlig neues Warmwalzwerk gebaut. Warum?

Falch: Nun, wir fahren jetzt schon das dritte Jahr mit Volllast. Wir könnten viel mehr absetzen als wir zur Zeit produzieren können. Und der Ausbau versetzt uns in die Lage, den neuen Anforderungen am Markt nach neuen Produktdimensionen zu begegnen. Etwa im Automobilbereich. Autos werden speziell in der Premiumklasse tendenziell größer und sportlicher mit markigeren Konturen. Das verlangt breitere Flächen, die aus einem Stück produziert werden können. Mit der neuen Produktionsbreite von 2.300 mm werden wir da gut ins Geschäft kommen. Oder im Verpackungsbereich. Hier ist 900 Millimeter eine Standardbreite. Mit dem neuen Walzwerk können wir doppelt breit produzieren und die Bänder anschließend längs teilen, womit Kostenvorteile entstehen.

Das Investitionsprogramm trägt den Namen AMAG 2014. Das Jahr, in dem Helmut Wieser, den Sie sehr schätzen, Ihr Amt übernehmen wird. Ist Ihre Arbeit hier in Ranshofen eigentlich getan?

Falch: Die wesentlichen Weichenstellungen wie Börsegang und Großinvestitionsprogramm sind erledigt, aber ich bin bis März 2014 Generaldirektor der AMAG – und bis dahin arbeite ich, neben dem operativen Geschäft, das anspruchsvoll genug ist, mit meinem Team auch an einer Strategie für 2020. Ich will dem Unternehmen eine Ausrichtung, ein Ziel, einen Fokus für die Zukunft geben.

Das heißt, bis April 2014 bekommt die AMAG eine neue Strategie?

Falch: Ob wir das zeitlich hinkriegen, die Strategie bis dahin auch zu beschließen, kann ich nicht sagen. Es ist auch nicht so wichtig, ob der Beschluss noch im März 2014 erfolgt. Die generelle Linie wird bis zu diesem Zeitpunkt aber weitgehend klar sein. Bis dato hat der Aufsichtsrat alle Schritte der Strategie, die ich ihm vorgelegt habe, genehmigt.

Was ist denn der Inhalt dieser Strategie?

Falch: Wir müssen überlegen, wo und wie wir weiter wachsen können. Da liegt natürlich die Erweiterung der Bandkapazitäten nahe. Nachdem wir gerade das Warmwalzwerk ausbauen, müssen wir im Downstreambereich überlegen, wie wir die neuen Breiten am besten nutzen. Dann stellt sich für mich auch die Frage: Wo ist die Investition am wirtschaftlichsten? Gibt es die Möglichkeit, irgendwo irgendetwas zu akquirieren?

... etwa mit Ihren Kunden in die USA gehen, wie das die Voestalpine gemacht hat ...

Falch: Aus heutiger Sicht ist Europa der Zielmarkt Nummer 1. Aber ob es hier was gibt, ob man es bekommen kann ... Aber es stellt sich auch die Frage, ob der wachsende US-Markt eine Perspektive darstellt. Wir müssen uns die Frage stellen: Wollen wir weiterhin von Europa aus liefern? Oder doch einen finalen Fertigungsschritt in den USA andenken?