Stahlindustrie

Wolfgang Eder wird als Chef des Weltstahlverbands abgelöst

Der Konzernchef der Voestalpine wird nach zwei Jahren an der Spitze des Weltstahlverbands abgelöst. Seine Nachfolge tritt John Ferriola von der amerikanischen Nucor Corporation an. Die Stahlbranche sei während der Amtszeit von Eder von "noch nie da gewesenen Unsicherheiten" geprägt gewesen, hieß es.

Der Vorstandschef des Linzer Stahlkonzerns Voestalpine, Wolfgang Eder, verabschiedet sich nach zwei Jahren von seiner Präsidentschaft im Weltstahlverband (World Steel Association).

Eder steht dem Verband, der insgesamt etwa 85 Prozent der weltweiten Stahlproduktion vertritt, 2016/17 ein weiteres Jahr als Vizepräsident zur Verfügung.

Seine Nachfolge als Präsident des Verbands tritt turnusmäßig der bisherige Vizepräsident John Ferriola an, Chef der amerikanischen Nucor Corporation. Das gab der Verband bei der Konferenz in Dubai bekannt.

Weltweite Wahrnehmung für die Voestalpine

Der Voestalpine-Chef war der Erste, der zweimal hintereinander für jeweils ein Jahr zum Präsidenten des Weltstahlverbandes gewählt wurde, und zwar 2014 in Moskau und 2015 in Chicago. Zuvor war Eder von Oktober 2009 bis Mai 2014 Vorsitzender des europäischen Stahlverbandes Eurofer gewesen.

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"Die Position im Branchenverband eröffnete neue Möglichkeiten, mit wichtigen industriepolitischen Themen auf breiter Ebene Gehör zu finden", sagte Eder zur Austria Presse Agentur. Die Zeit der worldsteel-Präsidentschaft habe auch für die Voestalpine in der Branche eine verstärkte globale Wahrnehmung mit sich gebracht.

Weltweit Milliarden Tonnen an Überkapazitäten

"Trotz unbestreitbarer Fortschritte in Bezug auf Klimaschutz und technologische Innovationen bleiben es für die durch massive Überkapazitäten geprägte Branche herausfordernde Zeiten", zog Eder am Ende seiner zweijährigen Präsidentschaft gemischte Bilanz.

Die weltweite Stahlproduktion habe sich 2015 auf 2,4 Mrd. Tonnen belaufen, bei einem tatsächlichen Nachfragevolumen von nur 1,6 Mrd. Tonnen, betonte der Voestalpine-Chef unter Verweis auf OECD-Angaben. "Die Stahlindustrie ist daher mehr denn je gefordert, notwendige Schritte für einen möglichst raschen Strukturwandel zu setzen, um ihre Zukunft langfristig abzusichern", so Eder.

"Noch nie da gewesene Unsicherheiten"

Die vergangenen zwei Jahre seien von "noch nie da gewesenen Unsicherheiten und einem wirtschaftlich äußerst herausfordernden Umfeld" für die Stahlbranche geprägt gewesen. Anhaltende militärische und politische Konflikte speziell im Nahen Osten sowie in Afrika und der Ukraine hätten das globale Wirtschaftswachstum nicht zuletzt aufgrund der damit verbundenen Flüchtlingsströme maßgeblich beeinträchtigt.

Mit dem Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommens werde man den angestrebten weltweit einheitlicheren Spielregeln bei der Klimagesetzgebung zwar etwas näher kommen, der Weg sei allerdings noch ein langer. Die Vorreiterrolle Europas beim Klimaschutz unter diesen Voraussetzungen noch zu verschärfen wäre "kontraproduktiv, weil wenig nachhaltig, solange durch Produktionsverlagerungen ins weniger streng regulierte Ausland global dadurch mehr CO2-Emissionen als bisher entstehen", so die Meinung des Konzernchefs.

Die europäischen Stahlhersteller hätten in puncto Umweltschutz die aktuellen technischen Möglichkeiten "bereits weitestgehend ausgeschöpft". Die Entwicklung zukünftiger Technologien - etwa die Stahlproduktion auf Basis von "grünem Wasserstoff" - stehe derzeit noch am Anfang und würde in den kommenden zwei Jahrzehnten entsprechende Investitionen in Forschung und Entwicklung erfordern. Unter neuerlichen regulatorischen Kostenbelastungen seien diese aber kaum realisierbar.

Verband vertritt 85 Prozent der weltweiten Stahlproduktion

Der Weltstahlverband wurde im Oktober 1967 unter dem Namen International Iron and Steel Institute (IISI) ins Leben gerufen. Seit 2008 heißt die Non-Profit-Organisation mit Hauptsitz in Brüssel und einem weiteren Sitz in Peking World Steel Association oder einfach Worldsteel.

Unter den rund 150 Verbandsmitgliedern finden sich neun der zehn weltgrößten Stahlhersteller, nationale und regionale Stahlverbände sowie Forschungsinstitute. (APA/red)

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