Pharmaindustrie

Wiener Sanochemia kann Verluste halbieren

Der Wiener Pharmahersteller Sanochemia hat im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr Betriebsgewinn erwirtschaftet und unter dem Strich seinen Verlust halbiert. Heuer soll das Nettoergebnis ins Plus drehen.

Sanochemia Pharmaindustrie Standort Wien

Das börsennotierte Pharmaunternehmen Sanochemia hat im Geschäftsjahr 2016/17 den Betriebsgewinn (EBIT) von 713.000 auf 1,19 Mio. Euro verbessert und unterm Strich den Verlust auf 252.000 Euro halbiert. Der Umsatz stieg um 5 Prozent auf 41,4 Mio. Euro, wobei das Wachstum großteils aus dem Segment Humanpharmazeutika stammt, wie Sanochemia bekannt gab.

Weil man eine Anleihe am Ende des vorletzten Geschäftsjahres refinanziert habe, sei im Berichtsjahr eine höhere Zinsbelastung angefallen, der Zinsaufwand sei von 1,2 auf 1,45 Mio. Euro gestiegen. Eine Anleihe mit einem Volumen von 10 Mio. Euro, die man im Mittelstandssegment in Deutschland begeben hatte, habe man pünktlich vollständig zurückzahlen können, berichtete Sales-Vorstand Klaus Gerdes bei einem Pressegespräch in Wien.

Dass die Refinanzierung gelungen sei, zeuge vom Vertrauen der Finanzgeber. "Wir werden nicht ganz so schlimm gesehen wie der Aktienkurs ist, weil sonst hätten die Banken nicht das Vertrauen in uns und die Anleihe zu hervorragenden Konditionen refinanziert", sagte Finanzvorstand Stefan Welzig.

Der Kurs der Aktie sei im Jahresvergleich leicht gestiegen, sei aber "für uns und die Aktionäre sicherlich noch unbefriedigend, weil wir denken, dass wir unterbewertet sind", sagte Gerdes. Die Sanochemia-Aktie notiert derzeit bei 1,49 Euro, also auf dem gleichen Niveau wie vor einem Jahr.

Größter Umsatzbringer der Sanochemia Pharmazeutika AG ist der Humanbereich - vor allem Kontrastmittel - mit gut 60 Prozent. Die Kontrastmittel seien auch als Produktgruppe der größte Hoffnungsträger des Unternehmens, sagte Gerdes. Der Veterinärbereich trägt 16 Prozent zum Umsatz bei und die Auftragsproduktion für Dritte etwa ein Fünftel. Forschung und Entwicklung liefern einen Umsatzbeitrag von einem Prozent, "wobei von F&E heraus die Produkte nachher in der Regel in den anderen Geschäftsbereichen landen und dort dann die Profite erzielen", so Gerdes. Insgesamt hat Sanochemia rund 25 Eigenprodukte, die auf elf Wirkstoffen basieren.

Für die Entwicklung des Mittels Tolperison zur Behandlung von akuten Muskelkrämpfen und Spastizität als neues Produkt in den USA - in Europa gibt es das Produkt bereits - habe der US-Partner von Sanochemia Kapital für weitere klinische Studien beschafft, frühestens in drei Jahren könnte das Produkt in den USA auf den Markt kommen, sagte Gerdes. Bereits früher werde man aber über Milestone-Zahlungen für das Produkt Geld verdienen.

Für das Blasenkrebs-Therapeutikum und -Diagnostikum Vidon, für das man 2015 ein Patent angemeldet habe, habe man im Geschäftsjahr einen Partner für die Weiterentwicklung gefunden. Nun suche man einen Lizenzpartner dafür. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Sanochemia mit einem weiteren Umsatzplus. "Der Vorstand strebt auf jeden Fall ein positives Ergebnis an."

Ein möglicher Stolperstein ist ein Verfahrenspatentstreit in München. "Es geht darum, dass Sanochemia ein Magnetresonanz-Kontrastmittel in den Markt gebracht hat, das in unserem Werk in Neufeld hergestellt wird", sagte Gerdes.

Der Hersteller des Originalprodukts - Sanochemia stellt ein Generikum her - argumentiere, dass Sanochemia auch das Herstellungsverfahren kopiert habe. Der Streit werde sich noch länger hinziehen, glaubt Gerdes, im schlimmsten Fall könnte Sanochemia zur Nachzahlung von Lizenzgebühren verpflichtet werden. Darum habe man "aus Vorsichtsgründen" eine kleine Rückstellung gebildet, inzwischen aber auch das Herstellungsverfahren so weit modifiziert, dass der Vorwurf der Nachahmung künftig mit Sicherheit ins Leere laufen würde.

Sanochemia beschäftigt insgesamt 158 Mitarbeiter, davon 110 im burgenländischen Werk in Neufeld und 15 in Wien. (apa/red)

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