Transport der Zukunft

Wie BRP-Rotax und Schenker den automatisierten Gütertransport erproben

Autonom fahrende Lastkraftwagen könnten künftig Bestandteil eines vollautomatisierten Straßengütertransports sein. Tests im industriellen Kernland Oberösterreich laufen an.

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Nur 600 Meter trennen den Logistik-Hub von Schenker vom BRP-Rotax-Produktionswerk in Gunskirchen. Besser also kann ein Produktionsstandort nicht an einen Logistikknoten angebunden sein. Doch im EU-Projekt AWARD sind 600 wiederkehrende Meter eine ganz schön stattliche Distanz, die es von Standort zu Standort zurückzulegen gilt: Das Projekt zielt auf die Erprobung eines vollautomatisierten Straßengütertransports ab, aktuell wird am Fahrzeug, eine  Sonderanfertigung, die einen umgebauten Elektro-Lkw als Basis hat und von Kamag Transporttechnik produziert und adaptiert wird, final getüftelt.

Und auch dann wird es noch ein Weilchen - bis 2023 - dauern, bis der Versuchs-Laster in Gunskirchen losfährt: Sozusagen das Warm-Up dafür geht 50 Kilometer weiter östlich auf einem geschlossenen Areal in St. Valentin - Teil der oberösterreichischen Testregion Digitrans des Automobil Clusters - über die Bühne. Für Ann-Catherine Engelbrecht und das Logistikteam laufen die Vorbereitungen dieser Tage auf Hochtouren. Sie begleitet als Specialist Value Chain Planning bei BRP-Rotax das Projekt. Und weiß, wo die Herausforderungen liegen: Erstmal soll das Fahrzeug bei jeder Witterung fahren, also auch Schnee, Nebel, Regen und Eis“, schildert Engelbrecht. 

BRP-Rotax, Ann-Catherine, Engelbrecht © FOTOWerkgarner

"Das Fahrzeug soll bei jeder Witterung autonom fahren, also auch Schnee, Regen und Eis.“ 
Ann-Catherine Engelbrecht, Specialist Value Chain Planning, BRP-Rotax

White Paper zum Thema

Backup-Szenarien mitgedacht 

Dann braucht es eine Lademöglichkeit am Rotax-Areal, die noch zu schaffen ist. Und schließlich bringt das Streckenprofil in Gunskirchen einige Herausforderungen mit: Namentlich sind das unterschiedliche Geschwindigkeitsbegrenzungen, eine Bahnunterführung sowie eine Linksabbiegekreuzung sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt. Auch an Backup-Szenarien, falls eine Technologie des autonomen Lkw auf der Strecke schwächelt, muss gedacht werden. Für den österreichischen Antriebsbauer der zum kanadischen BRP Konzern gehört, der auch in der E-Mobilität ein Standbein hat und die verringerten Lärmemissionen im Ort als Erfolg verbuchen könnte, war die Schlussfolgerung dennoch: Da sind wir dabei! 

Schenker, BRP © Schenker

600 Meter sind es vom Schenker-Hub (li. im Bild) zum BRP-Rotax-Werk: Testlauf autonom fahrender Lkw in Gunskirchen

Avantgarde im Beschaffungswesen 

Wohl auch deshalb, weil viele der Technologien, die der Antriebsbauer sich am Shopfloor zueigen macht, durchaus avantgardistische Züge trägt. So sind fahrerlose Transportsysteme im Unternehmen schon länger gesetzt. Sie könnten die Brücke zur automatischen Be- und Entladung des LKW Prototypen schlagen, ein Bereich, bei dem auch eine Automatisierung angedacht ist. „Haben wir den Lkw auf der Strecke, wird dieser im ersten Schritt noch von einem Fahrer begleitet“, sagt Engelbrecht.

Sobald der Prototyp da ist und alle Ampeln im Projekt auf grün stehen, wolle man in Gunskirchen mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit die erste Fahrt in Angriff nehmen. Nicht auszuschließen: Dass einige der BRP-Rotax-Mitarbeiter dann an den Fenstern hängen werden.