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Weniger Insolvenzen in Österreich

In Österreich gab es im Vorjahr um knapp zwei Prozent weniger Pleiten. Heuer im ersten Quartal ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar um sechs Prozent gesunken. Dagegen steigt in Westeuropa dieser Wert wieder an.

Erstmals seit 2013 hat sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa 2018 leicht erhöht. In Mittel-und Osteuropa hingegen gingen diese im Schnitt um 6,6 Prozent merklich zurück, wobei die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sehr groß waren. Österreich verzeichnete im abgelaufenen Jahr einen Rückgang von 1,8 Prozent und heuer im ersten Quartal ein Minus von 6,1 Prozent.

Die meisten Pleiten bei Baufirmen

Österreich verzeichnete heuer im ersten Quartal 1.317 Firmenpleiten, wobei diese beispielsweise in Tirol um 57,4 Prozent in die Höhe schnellten und im Burgenland um 34 Prozent zurückgingen. Die meisten Insolvenzen gab es in den Bereichen Bauwesen (240), unternehmensbezogene Dienstleistungen (232) und Handel (229) zurückzuführen. Veränderungen im Bau- und Handelsbereich wie etwa massive Umstrukturierungen und das Verschwinden von Kleinhändlern würden diese Branchen unter Druck setzen, so Michael Bretz vom Verband der Vereine Creditreform e.V.

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In 17 westeuropäischen Staaten (15-EU-Ländern sowie Norwegen und der Schweiz) stiegen die Insolvenzzahlen im abgelaufenen Jahr mit 0,3 Prozent leicht an - es gab insgesamt 165.213 Unternehmensinsolvenzen. Diese Zahlen legten der Österreichische Verband Creditreform (ÖVC) und der Verband der Vereine Creditreform e.V. bei einer Pressekonferenz vor. In Österreich verringerte sich die Zahl der Firmenpleiten 2018 gegenüber dem Jahr davor um 1,8 Prozent.

Ausschlaggebend für den Anstieg ist laut dem Bericht die Entwicklung in Luxemburg und Skandinavien - "Luxemburg mit plus 27,8 Prozent, Skandinavien mit zweistelligen Insolvenzen - diese Zahlen treiben die Insolvenzzahlen in Europa hinauf", sagte Helmut Rödl, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei der Creditreform AG in Deutschland.

Deutlich weniger Pleiten in Griechenland

Deutlich weniger Unternehmensinsolvenzen wurden 2018 mit minus 31,7 Prozent in Griechenland verzeichnet, was Rödl "erstaunlich" findet. Viele europäische Krisenländer, die im Zuge der Finanzkrise 2008 besonders betroffen waren, die "berühmt-berüchtigten" Krisenstaaten wie Irland, Griechenland, Spanien, Portugal und Italien, seien insgesamt auf einem guten Kurs.

Michael Bretz vom Verband der Vereine Creditreform e.V. erklärte: "Warum so wenige Pleiten in Griechenland oder Spanien stattfinden ist, weil die Betriebe ganz still von der Bildfläche verschwinden und als Unternehmensruinen stehenbleiben." Eine "hohe Betroffenheit von Insolvenzen" wie in Westeuropa lasse den Rückschluss zu, dass es in diesen Ländern funktionierende Insolvenzverfahren gebe.

Die Firmeninsolvenzen in Mittel- und Osteuropa gingen 2018 im Vergleich zum Vorjahr insgesamt deutlich zurück. (Nur für Ungarn liegen keine Daten für 2018 vor.) Dabei gehen die Entwicklungen in einzelnen Ländern sehr weit auseinander. Während sich die Pleiten in Tschechien um 42,4 Prozent und in der Slowakei um 29,7 Prozent verringerten, zogen die Insolvenzzahlen in Mazedonien um 309,2 Prozent an.

Das hänge mit der politischen Situation in Hinblick auf die Marktwirtschaft und die Demokratie zusammen, meinte Bretz. Auch die Zahlen für die Türkei überraschen: Insolvenzen haben im Vergleich zu 2017 um 7,5 Prozent abgenommen. Angesichts hoher Inflation und Arbeitslosigkeit werde sich das in den kommenden Jahren ändern, glaubt Bretz. "Die Situation in der Türkei ändert sich auch wirtschaftlich und wir sind uns sicher, dass das kein guter Weg in die wirtschaftliche Entwicklung ist." (apa/red)

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