Stromwirtschaft

Wenig Stromausfälle: Gutes Zeugnis der E-Control für heimische Netzbetreiber

Im Vorjahr hat es in Österreich deutlich weniger Stromausfälle gegeben. Die Kontrollbehörde E-Control stellt heimischen Netzbetreibern ein sehr gutes Zeugnis aus, auch zu raschen Reparaturen. Die Stromlieferausfälle werden über die Jahre immer kürzer.

Österreichs Stromkunden sind voriges Jahr wegen ungeplanter Stromausfälle durchschnittlich fast 25 Minuten ohne Elektrizität gewesen, um sieben Minuten kürzer als 2017. Das ist der zweitbeste Wert seit Beginn der Erhebungen, sagt Energie-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer. Er stellt den Netzbetreibern ein sehr gutes Zeugnis aus, auch was die Schnelligkeit der Beseitigung von Störungen betrifft.

Auch langfristig sei der Trend klar fallend, das heißt die Zuverlässigkeit der Stromversorgung verbessert sich über die Jahre. Voriges Jahrzehnt gab es noch Jahre mit fast einer Stunde Ausfall - 56 Minuten 2007 bzw. 55 Minuten 2006. Auch im Europa-Vergleich bewegt sich Österreich im Spitzenfeld. So verzeichnete 2016 etwa Italien 37,11 Minuten Ausfall, Frankreich 48,7 Minuten und Tschechien gut 73 Minuten, Österreich damals 24 Minuten - jüngere internationale Zahlen liegen noch nicht vor.

Der sogenannte SAIDI-Indikator

Der hier relevante kundengewichtete SAIDI-Indikator zielt darauf ab, wie lange ein Kunde im Durchschnitt keinen Strom hatte. Ungeplante Versorgungsunterbrechungen gab es 2018 in Österreich 25,21 Minuten (ohne "regional außergewöhnliche Ereignisse"). Des Weiteren gab es für 12,89 Minuten geplante Versorgungsunterbrechungen. Diese resultieren etwa aus turnusmäßigen Arbeiten im Versorgungsnetz, sind aber jeweils mindestens fünf Tage vorher den Kunden anzukündigen.

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Voriges Jahr haben sich gegenüber 2017 speziell die außergewöhnlichen unwetterbedingten Ausfälle verringert, so Eigenbauer, also die - laut internationaler Nomenklatur - "regional außergewöhnlichen Ereignisse" (RAE). Bei den RAE handelt es sich um sehr seltene Wetterereignisse, die vom Regulator E-Control im Einzelfall geprüft und hinsichtlich Relevanz bewertet werden.

Atmosphärische Einwirkungen nehmen zu

In Summe ist rund ein Viertel der Stromunterbrechungen auf "schlechtes Wetter" zurückzuführen, betont Eigenbauer, also auf die Natur bzw. das Wetter oder das Klima. Zu 19,4 Prozent waren das 2018 atmosphärische Einwirkungen, worunter Gewitter, Stürme, Eis, Schnee, gefrierender Regen, Kälte, Hitze, aber auch Lawinen oder Erdrutsche fallen können. Weitere 6,1 Prozent entfielen auf regional außergewöhnliche Ereignisse. Genau die diversen Wettereinflüsse waren aber 2018 spürbar weniger als 2017.

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2019 könnte es nach dem bisherigen Jahresverlauf wieder eine "Verschlechterung" geben, ablesbar im Sommer 2020 in der nächsten Ausfall- und Störungsstatistik. "Spannend wird, was der vergangene Winter angerichtet hat, denn einzelne Täler waren tagelang ohne Stromversorgung", erinnert Eigenbauer an "Ausfälle im Zusammenhang mit Schnee" - bis hin zu "Schneelagen von fünf Metern Höhe" oder auch Mastbrüche, teils aber nur mit netzbetreiberinternen Effekten.

Diese schlagen sich in der kundenbezogenen SAIDI-Statistik nicht nieder, wenn die Netzgesellschaft Probleme selbst ausgleichen kann, ohne dass die Abnehmer überhaupt etwas bemerken. 2018 gab es im Oktober die meisten wetterbedingten Ausfälle, auch solche mit regional außergewöhnlichem Charakter - laut Eigenbauer die klassischen Herbststürme. Auch Juni und September stachen durch besonders viele ungeplante Unterbrechungen hervor.

Die in Österreich im EU-Vergleich hohe Ausfallsicherheit sei auch dem hohen Verkabelungsgrad zu verdanken, so der E-Control-Vorstand. Auf der 20-kV-Ebene gebe es keine neuen Freileitungen, dort werde nur verkabelt - mit dem fast einzigen Risiko, dass ein Bagger bei Bauarbeiten eine Stromleitung beschädigt. Von atmosphärischen Störungen sei man dort jedenfalls unabhängig. (apa/red)

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