Stahlindustrie

Wegen US-Strafzöllen: Stahlschwemme nach Europa wird größer

Sechs deutsche Bundesländer gründen eine "Allianz der Stahlländer", um sich in Zukunft gemeinsam für die Stahlindustrie einzusetzen. Am Weltmarkt zeigen Strafzölle der USA Wirkung: Immer mehr billiges Stahl gelangt nach Europa.

Wegen der Strafzölle auf Stahl in den USA verstärkt sich der Effekt einer "Stahlschwemme" nach Europa. Die Einfuhren in die EU seien sprunghaft gestiegen, berichtet die Zeitung "Welt" unter Berufung auf Zahlen der deutschen Wirtschaftsvereinigung Stahl. Ausführlich dazu weiter unten im Text.

"Allianz der Stahlländer"

Gleichzeitig ist in Deutschland in der Stadt Saarbrücken eine "Allianz der Stahlländer" besiegelt worden. Beim ersten nationalen Stahlgipfel wurde die Vereinbarung von Vertretern der Landesregierungen des Saarlandes, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen und der Stadtstaaten Bremen und Hamburg unterzeichnet. Ziel sei es, "die Kräfte zu bündeln, um einen starken Stahlstandort in Deutschland aber auch darüber hinausgehend in Europa für die Zukunft erhalten zu können", so Saarlands Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD).

Eine Wirtschaft mit weniger CO2 braucht den Werkstoff Stahl

Ihrer Ansicht nach habe die Vergangenheit gezeigt, "dass wir einen abgestimmteren und einen strategischeren Ansatz brauchen, als wir ihn bislang hatten." In der Charta wird unter anderem darauf verwiesen, dass der Werkstoff Stahl für eine emissionsärmere Welt unverzichtbar sei. Damit der Stahlstandort Deutschland eine Zukunft habe, seien faire Wettbewerbs- und Rahmenbedingungen laut Rehlinger zwingend erforderlich.

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Unter dem Motto "Stahl stärken. Zukunft sichern" hatte die Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz zusammen mit der Wirtschaftsvereinigung Stahl, der IG Metall und dem Verband der Saarhütten zu dem Fachtreffen eingeladen, an dem rund 2.500 Gäste der Branche teilnahmen.

Stahlschwemme nach Europa wird größer

Die US-Strafzölle auf Stahlimporte zeigen einem Medienbericht zufolge Wirkung. Die Exporte in die USA gingen in den vergangenen Monaten deutlich zurück, während die Einfuhren in die Europäische Union sprunghaft gestiegen seien, berichtet die Zeitung "Welt" unter Berufung auf Zahlen der deutschen Wirtschaftsvereinigung Stahl.

US-Strafzölle wirken: "Einfuhrdruck hat sich enorm verschärft"

Seit Juni erheben die Vereinigten Staaten einen Aufschlag von 25 Prozent für Lieferungen aus bestimmten Ländern. Ende Juli lagen demnach die Stahlimporte in den Vereinigten Staaten zehn Prozent oder umgerechnet gut 1,6 Millionen Tonnen niedriger als im Vorjahr. Gleichzeitig wurden rund 1,7 Millionen Tonnen Stahl mehr nach Europa geliefert.

"Die befürchteten Handelsumlenkungen sind nicht zu übersehen", sagt daher Martin Theuringer, Geschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Vor allem die Türkei und Russland liefern große zusätzliche Kontingente in die EU-Länder, aber auch aus der Ukraine und aus Taiwan gibt es spürbare Zuwächse. "Der Einfuhrdruck hat sich enorm verschärft", beschreibt Theuringer die aktuelle Lage.

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EU hat erste Schutzmaßnahmen erlassen - als vorläufiges Instrument

"Die Konkurrenz auf dem internationalen Stahlmarkt ist hart und die US-Zölle auf Stahl haben den Druck noch verstärkt und Lieferketten verändert. Unsere EU-Schutzmaßnahmen waren ein angemessener und notwendiger Schritt, um den europäischen Markt von Handelsumlenkungen zu schützen", bewertet der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier die getroffenen Entscheidungen nach den US-Strafzöllen. "Wir brauchen und wollen eine starke Stahlindustrie. Ihre Innovationen strahlen in die gesamte Wertschöpfungskette aus – vom Maschinenbau über die Autoindustrie bis zur Baubranche", sagte Altmaier dem Blatt.

Allerdings handelt es sich bei den EU-Schutzmaßnahmen, den sogenannten Safeguards, mit denen sich Stahl-Importe nach Europa begrenzen lassen, um ein vorläufiges Instrument – sehr zur Sorge der Industrie. "Wir werben bei der Bundesregierung und der EU-Kommission deshalb intensiv dafür, dass daraus auch endgültige Maßnahmen werden", sagte Theuringer.

(dpa/reuters/apa/red)