Jubiläumsheft

Was wurde eigentlich aus ...

Wer es 1990 in die Schlagzeilen geschafft hat, der war wer. Der Promikult war gerade erst geboren – und doch mussten sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nicht mit zweifelhafter B- und C-Prominenz herumschlagen, deren Bekanntheit einzig peinlichen Fernsehauftritten (Baumeister Lugner) und medialer Dauerverfügbarkeit (Rennfahrer Lauda) geschuldet sind. Trotzdem: Es gab auch in den 90ern Personen, die es zu Ruhm gebracht haben. Zehn Personen, über die wir 1990 gesprochen haben – und was aus ihnen heute geworden ist.

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© MAYR Elke / WirtschaftsBlatt / picturedesk.com

... Mike Lielacher

Damals: Börsenguru

Heute: Börsenguru a.D.

Kurz: Behielt sein Faible für schillernde Geschäftspartner

 

Das Attribut ist ihm geblieben. Auch heute noch wird Mike Lielacher als „Börsenguru“ tituliert, nur dass der Bezeichnung meist ein entlarvendes „Ex“ vorangestellt ist. Zum „Bullen des Jahres“, wie es das Magazin Cashflow 1990 tat, kürt ihn heute keiner mehr. Eher schon zum Abwesenheitsprofi. Heuer im Jänner musste zum Beispiel der Prozess rund um die IT-Firma Yline, deren Tochter die umstrittene Gasser-Homepage gestaltete, abgeblasen werden, weil Kronzeuge Lielacher, kolportierter Wohnsitz: Monaco, nicht erschien. In der Welt von IT und Big Money treibt sich der heute 56-Jährige nach Pleiten mit Bluebull und CLC indessen noch immer um. Das Faible für schillernde Geschäftspartner behielt er sich ebenfalls. Eine Zeit lang machte er bei free.tv gemeinsame Sache mit Rudi Fußi, jenem Mann, der es der Reihe nach schaffte, bei ÖVP, FPÖ, SPÖ und Team Stronach Karriere machen zu wollen, und der heute gemeinsam mit Ex-Presse-Chef Michael Fleischhacker das Medienprojekt NZZ.at betreut. 

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© MAYR Elke / WirtschaftsBlatt / picturedesk.com

... Mike Lielacher

Damals: Börsenguru

Heute: Börsenguru a.D.

Kurz: Behielt sein Faible für schillernde Geschäftspartner

 

Das Attribut ist ihm geblieben. Auch heute noch wird Mike Lielacher als „Börsenguru“ tituliert, nur dass der Bezeichnung meist ein entlarvendes „Ex“ vorangestellt ist. Zum „Bullen des Jahres“, wie es das Magazin Cashflow 1990 tat, kürt ihn heute keiner mehr. Eher schon zum Abwesenheitsprofi. Heuer im Jänner musste zum Beispiel der Prozess rund um die IT-Firma Yline, deren Tochter die umstrittene Gasser-Homepage gestaltete, abgeblasen werden, weil Kronzeuge Lielacher, kolportierter Wohnsitz: Monaco, nicht erschien. In der Welt von IT und Big Money treibt sich der heute 56-Jährige nach Pleiten mit Bluebull und CLC indessen noch immer um. Das Faible für schillernde Geschäftspartner behielt er sich ebenfalls. Eine Zeit lang machte er bei free.tv gemeinsame Sache mit Rudi Fußi, jenem Mann, der es der Reihe nach schaffte, bei ÖVP, FPÖ, SPÖ und Team Stronach Karriere machen zu wollen, und der heute gemeinsam mit Ex-Presse-Chef Michael Fleischhacker das Medienprojekt NZZ.at betreut. 

© Beck Lukas / Verlagsgruppe News / picturedesk.com

... André Rettberg

Damals: Wunderkind am Weg zu Börsenruhm

Heute: Selbständiger mit Gerichtserfahrung 

Kurz: Heute kaum mehr von Businessvisionen geplagt

 

Was war das für eine aufregende Zeit! Gerade einmal 27 Jahre alt durfte André Maarten Rettberg, Buchhandelskaufmann aus den Niederlanden, bei Karl Wlaschek ran, um Libro zu sanieren. Wenige Jahre später galt er als ein Wunderkind: nie Wirtschaft gelernt, nichts studiert und dennoch so visionär, so erfolgreich. Bis er 2001 eine der spektakulärsten Pleiten in der österreichischen Firmengeschichte hinlegte. Heute ist Rettberg Mitte fünfzig und kaum noch von Businessvisionen geplagt: Er hat sich als Unternehmensberater, Immobilienspezialist und zuletzt auch als Marketingexperte versucht. Doch mit seiner Vorgeschichte, erzählt er, war es schwierig, Aufträge zu lukrieren: „Sehr interessant. Aber wir haben über Sie einiges in den Medien gelesen, hieß es dann immer.“ Inzwischen hat er die Unsicherheit seines Lebens zu akzeptieren gelernt. Wohl zu Recht: Denn auch den von ihm stets als sicher erwarteten Freispruch bekam Rettberg nicht. Vor rund einem Jahr hat der OGH das Urteil gegen ihn bestätigt. 

© Lukas Ilgner / Verlagsgruppe News / picturedesk.com

... Alexander Maculan

Damals: Bau-Tycoon mit Ostblock-Connection

Heute: Dämmstoffspezialist mit Technikfaible 

Kurz: Comeback-Kid im Ruhestand

 

Der Mann kennt sich mit Comebacks aus. Vielleicht hat Alexander Maculan, inzwischen 74 und heute Alleinvorstand des in Russland höchst erfolgreichen Dämmstoffherstellers Isoroc, deshalb Herbert Stepic an Bord geholt. Seit wenigen Wochen werkt Stepic bei Isoroc als Aufsichtsratsvorsitzender und ist wieder zurück in der Businesswelt. Maculan, der das Comeback einfädelte, brauchte für seine Wiederauferstehung länger. Nach der Wende 1990 kaufte Maculan im Osten Baufirma um Baufirma, wuchs im Schnitt um 20 Prozent jährlich, sammelte Milliarden, ging an die Börse und erlitt den Totalabsturz, als ihm die Bank den Geldhahn zudrehte. In Österreich war er danach gebrandmarkt. Weshalb das Comeback reichlich zeitverzögert in Russland stattfand. Dort mischt Maculan heute bei Dämmstoffen ganz vorne mit und kann sich darauf konzentrieren, was ihm wirklich gefällt: „Ich mache vor allem Projektentwicklung und Technik.“ 

© Weihbold

... Peter Unterweger

Damals: Waffenhändler

Heute: Häuslbauer

Kurz: "Wir Manager waren damals die Opferlämmer einer politischen Zwangssituation"

 

Damals, im Noricum-Prozess, da hat er sich unverstanden gefühlt. Wenn ein Staat eine Waffenproduktion unterhält, dann muss er die Waffen auch verkaufen, war Peter Unterweger überzeugt. 1990 wurde er für diese Auffassung und den Verkauf der Superkanone GHN 45 an die kriegsführenden Staaten Irak und Iran verurteilt. Noch heute sagt Unterweger: „Wir Manager waren damals die Opferlämmer einer politischen Zwangssituation. Man wusste, wir produzieren Waffen. Und man wusste, wir produzieren nicht auf Lager.“ Inzwischen ist Unterweger 65, hat eine Karriere als Wirt hinter sich und betreibt seit einiger Zeit mit dem Industriellen Christian Trierenberg eine Firma, die neuartiges Isoliermaterial für Häuser produziert. Partner Trierenberg kommt übrigens wie Ex-Waffenhändler Unterweger ebenfalls aus einer Branche, die nicht gerade unendliches öffentliches Ansehen genießt: Seinen Reichtum begründete er mit der Produktion von Zigarettenpapier. 

© FOLTIN Jindrich / WirtschaftsBlatt / picturedesk.com

... Josef Taus

Damals: Pleitier

Heute: Financier

Kurz: Als Firmenkäufer erfolgreicher als in der Politik


In wenigen Tagen könnte der Deal perfekt sein. Dann wird der 82-jährige Josef Taus mit seiner Management Trust Holding bei dem oberösterreichischen Maschinenbauer Anger einsteigen. Die beiden Hälfte-Eigentümer Klaus Dirnberger und Dietmar Bahn hätten damit einen Geldgeber gefunden, den sie dringend brauchen, um seit Längerem fällige Investitionen und Expansionen zu finanzieren. Zum Portfolio von Taus würde der Einsteig bei Anger gut passen, schließlich gehört zu seiner Management Trust Holding auch der deutsche Maschinenbauer Krause & Mauser, der wie Anger für die Motorenindustrie zuliefert. Vor 25 Jahren hätte sich Taus, der 2003 auch Libro kaufte, einen solchen Deal kaum leisten können. Da ging er nämlich mit dem Zweiradhersteller KTM selbst in Konkurs. In der Folge verabschiedete Taus sich auch als ÖVP-Wirtschaftssprecher und Nationalratsabgeordneter. 

© INDUSTRIEMAGAZIN Verlag GmbH

... Wolfgang Flöttl

Damals: Spekulant
Heute: Noch immer Spekulant

Kurz: Gereift, aber noch immer hochspekulativ unterwegs

 

So viel ist klar: Papa Walter Flöttl hatte zu Sohnemann Wolfgang viel Vertrauen. Schon 1990, damals war Walter Flöttl BAWAG-Generaldirektor, machte Junior Wolfgang das, wofür er später bekannt, wenn auch nicht berühmt werden sollte: hochriskante Deals für die BAWAG. Der Rest der Geschichte ist bekannt und endete 2013 trotzdem mit einem rechtskräftigen Freispruch. Heute ist Flöttl gealtert, möglicherweise gereift, aber im Grunde derselbe geblieben. Will sagen: nach wie vor feinstes Tuch, verbindliches Lächeln und eisernes Schweigen über die Geschäfte. Die sind grosso modo gleich geblieben: Investmentbanking. Ob Flöttl wieder Kunst sammelt, ist nicht verbürgt: Im Zuge seiner BAWAG- bedingten Geldnöte ist jedenfalls das eine oder andere teure Stück seiner Sammlung als Notverkauf perdu gegangen: zum Beispiel Van Goghs „La Moisson en Provence“, gekauft um 14,6 Millionen Dollar, notverkauft um 10,3. 

© Michael Gruber / EXPA / picturedesk.com

... Viktor Klima

Damals: OMV-Vorstandschef

Heute: Cowboy

Kurz: Kann sich - endlich! - körperlich betätigen

 

Ob Viktor Klima gelegentlich „Hey, siebentausend Rinder! Kinder, Kinder, Kinder!“ schmettert, ist nicht überliefert. In seiner Jugend war das jedenfalls ein großer Hit und heute ist Klima selbst von Fleckvieh umgeben. Rund eine Stunde von Buenos Aires entfernt züchtet Klima auf 240 Hektar Rinder. Nach schweren gesundheitlichen Problemen hat sich der frühere OMV-Vorstand, Ex-Kanzler und langjährige Chef von VW Argentinien und VW Südamerika aufs Altenteil zurückgezogen. Sein Schwenk zu körperlicher Arbeit mag von Medizinern empfohlen worden sein, angekündigt hat er sich schon vor langem. Schließlich ist von Klima überliefert, dass er auf die Frage, womit man ihm eine Freude machen könne, antwortete: „Mit einem Satz Schraubenschlüssel und Sechskantnüssen.“ 

© Alexander TUMA / picturedesk.com

... Ingrid Flick

Damals: Österreichs reichste Rezeptionistin

Heute: Österreichs reichste Witwe

Kurz: Als reichste Erbin nach wie vor von der Politik hofiert

 

Von der Hotelrezeptionistin zur Milliardärin. Über diese Hochzeit konnte die Yellow Press 1990 nicht genug schreiben: Der milliardenschwere deutsche Industrielle Friedrich Karl Flick ehelichte damals die dreißig Jahre jüngere Österreicherin Ingrid Ragger und nahm in der Folge auch die österreichische Staatsbürgerschaft an. Heute ist Ingrid Flick Österreichs reichste Witwe und tut sich keinen Zwang an, das zu verbergen. Legendär ihr Versuch, von der Kärntner Landesregierung um 5,5 Millionen Euro ein Stück Straße zu kaufen, damit die Flick’sche Villa von Verkehr unbehelligt bleibt. Und ebenso legendär der nachfolgende Zickenkrieg mit Kaufhauswitwe Heidi Horten. Die Politik hofiert Frau Flick dennoch nach wie vor. Erst neulich ist sie im steirischen Rottenmann, wo sie weitläufige Latifundien besitzt, für ihr Wirken geehrt worden. 

© Rene Prohaska / Verlagsgruppe News / picturedesk.com

... Herbert Liaunig

Damals: Harter Sanierer

Heute: Wandersmann in Italien

Kurz: Privater auf den Pfaden Goethes

 

Zu den hundert reichsten Österreichern gehört Herbert Liaunig immer noch. Seine gegenwärtige Hauptbeschäftigung unterscheidet sich aber nicht wirklich von jener anderer Pensionisten: Liaunig geht wandern. „Ich habe das Gehen für mich entdeckt“, sagt der bald 70-Jährige. Statt kargen Tagesausflügen in den Wienerwald leistet sich der Mann, der in seinem Vorleben gut zwanzig österreichische Krisenunternehmen saniert hat, allerdings mehrmonatige Trips durch Italien. Die Geschicke der Liaunig Industrieholdung leiten inzwischen der ältere Sohn Alexander und der Manager Thomas Jost. Das auf österreichische Kunst nach 1950 spezialisierte Liaunig-Museum in Neuhaus führt der jüngere Sohn Peter. Ganz aus der Businesswelt ist Liaunig dennoch nicht: Seit 2012 ist er Miteigentümer bei der Semper Constantia Privatbank.