VW-Skandal

VW-Skandal: Herbert Diess hat im Ausland offenbar "freies Geleit"

Während Behörden in den USA weiter Jagd auf Volkswagen machen und gegen den ehemaligen Konzernchef Martin Winterkorn einen Haftbefehl ausgestellt haben, gibt es offenbar eine Sondervereinbarung mit dem neuen Konzernchef Herbert Diess.

Bei Ermittlungen im Zusammenhang mit der Abgasaffäre gegen Volkswagen in den USA soll der neue Konzernchef Herbert Diess soll einem Medienbericht zufolge eine Vereinbarung mit der US-Justiz für "freies Geleit" im Ausland haben.

Offenbar liegt gegen Diess in den USA offenbar kein strafrechtlich relevanter Verdacht im Zusammenhang mit der Abgasaffäre vor. Er habe einen Deal mit dem Justizministerium geschlossen, der ihm "freies Geleit" bei Auslandsreisen sichere, berichtete der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf zwei eingeweihte Quellen. Dem Manager sei sogar versprochen worden, im Falle einer Klage gegen ihn im Voraus informiert zu werden.

Bisher kein konkreter Vorwurf gegen Diess

Damit könne sich Diess ohne Angst vor einer Verhaftung weltweit frei bewegen. Weder das Justizministerium noch das Unternehmen wollten sich auf Nachfrage zu dem Bericht äußern. Die US-Ermittler haben Diess bisher noch nie etwas vorgeworfen. Er hatte erst einige Monate vor Bekanntwerden des Skandals bei VW angeheuert, aber im Juli 2015 bei einem Treffen teilgenommen, bei dem Führungskräfte über Unregelmäßigkeiten von Abgaswerten in den USA informiert wurden.

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Wie lange interne Prüfungen bei Volkswagen andauern, ließ der Konzern offen. Im weltgrößten Autokonzern gibt es nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen noch keine zeitlichen Festlegungen zur Aufarbeitung des Diesel-Skandals. Die Prüfung werde vorangetrieben, es gebe keine Vorfestlegungen irgendeiner Art, hieß es. Die Darstellung, es gebe im Kontrollgremium Unmut über die Arbeit von dessen Chef Hans Dieter Pötsch, wurde zurückgewiesen. Das "Handelsblatt" hatte berichtet, VW rechne damit, die internen Untersuchungen erst Mitte 2019 abzuschließen.

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Frage nach Forderungen gegen Winterkorn noch offen

Dabei geht es auch um die Frage, ob der Aufsichtsrat Ansprüche auf Schadenersatz gegen Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn stellt. Das Land Niedersachsen unterstützt diese Prüfung. Der Aufsichtsrat habe bereits vor geraumer Zeit eine Anwaltskanzlei beauftragt, genau diese Frage zu untersuchen, sagte Ministerpräsident Stephan Weil am Montag während seiner Südafrika-Reise in Kapstadt. "Das geschieht mit ausdrücklicher Unterstützung der Vertreter Niedersachsens im Aufsichtsrat von VW", betonte der SPD-Politiker.

Winterkorn will sich bei passender Gelegenheit äußern

Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn will sich nach der Anklage und Ausstellung eines Haftbefehls in den USA laut Insidern bei passender Gelegenheit äußern. Er werde dann seine Sicht auf die schweren Vorwürfe im Abgasskandal umfassend schildern, sagte eine informierte Person. Dies hänge aber vom Fortgang der Ermittlungen in Deutschland ab.

Der damalige VW-Chef war im September 2015 zurückgetreten, nachdem US-Behörden Manipulationen bei Dieselautos aufgedeckt hatten. Winterkorn hatte betont, sich keines Fehlverhaltens bewusst zu sein.

Jetzt will ihn die US-Justiz wegen Betrugs in der Abgasaffäre zur Rechenschaft ziehen. Ihm wird zudem Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden vorgeworfen. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig unter anderem wegen Betrugsverdachts weiter gegen ihn.

Winterkorn fühle sich "nicht im Büßergewand", sagte der Insider, der mit dem 70-Jährigen in Kontakt steht. Der ehemalige VW-Vorstandschef verfolge die aktuellen Schlagzeilen aufmerksam. Seine Familie gebe ihm viel Rückhalt. Auch einer seiner Anwälte erklärte, noch sei der Zeitpunkt einer Stellungnahme nicht genau absehbar. (dpa/apa/red)

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