Hintergrund

Vor der Abstimmung in Italien wächst die Sorge um die Eurozone

In wenigen Tagen stimmen die Italiener über Verfassungsänderungen ab - auf eine Ablehnung würde wahrscheinlich der Rücktritt der Regierung Renzi folgen. Schon jetzt wächst an den Märkten die Angst vor dem Umsturz - weil sich dann Italien als eines der größten Länder der Währungsunion vom Euro verabschieden könnte.

Wenige Tage vor dem Verfassungsreferendum in Italien verstärken sich Sorgen um die Zukunft des Euro. Das hoch verschuldete EU-Land besorgte sich jetzt frisches Geld und musste dabei für fünf- und zehnjährige Schuldpapiere die höchsten Zinsen seit Mitte vorigen Jahres berappen.

Die Angst um den Euro wächst

Die gestiegenen Kosten spiegeln auch Befürchtungen der Anleger wider, dass sich mit Italien eines der größten Länder der Währungsunion letztlich vom Euro verabschieden könnte. Die EZB steht Insidern zufolge im Falle von heftigen Marktreaktionen nach dem Referendum am Sonntag Gewehr bei Fuß. Bei einem Nein in der Abstimmung dürften die Währungshüter als Krisenfeuerwehr agieren und einen Anstieg der italienischen Anleihen-Renditen eindämmen, erfuhr Reuters von mehreren Notenbank-Insidern.

Die Italiener stimmen über Verfassungsänderungen ab, durch die das Regieren erleichtert werden soll. Ministerpräsident Matteo Renzi hat sein politisches Schicksal an das Ergebnis geknüpft. Ein Nein zu den geplanten Veränderungen könnte die EU Experten zufolge in eine Krise stürzen. "Es würde eine Zeit politischer Unruhe in Italien einläuten, was auch auf den Rest Europas ausstrahlen könnte", sagte Ökonomin Maria Paola Toschi vom Finanzhaus JP Morgan Asset Management.

White Paper zum Thema

"Eine Zeit politischer Unruhe" zu erwarten

Wegen des anstehenden Referendums zogen die Renditen der zehnjährigen italienischen Anleihen überdurchschnittlich an und kletterten zeitweise auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 2,228 Prozent. Die vergleichbare Bundesanleihe, die unter Anlegern als sicherer Hafen gilt, markierte mit 0,397 Prozent ein Zehn-Monats-Hoch.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Italien schließlich aus dem Währungsraum ausscheidet, wird laut der Investmentberatung Sentix mittlerweile auf 19,3 Prozent beziffert und damit so hoch wie nie zuvor. Sentix stützt sich auf eine Umfrage unter rund 1.000 Börsenprofis. Italien rücke als Austrittskandidat mehr und mehr in den Mittelpunkt: "Die Euro-Ängste kommen mit großen Schritten zurück", sagte Sentix-Chef Manfred Hübner.

Bereits vor der Volksabstimmung haben ausländische Anleger offenbar riesige Wetten auf einen Kurssturz an der Mailänder Börse platziert, wie deren Chef, Raffaele Jerusalmi, sagte. Unter Börsianern macht bereits das Wort "Italexit" die Runde - also ein Abschied des Landes aus der Währungsunion. In den vergangenen Jahren stand das hoch verschuldete Eurozonen-Mitglied Griechenland im Fokus. Ein "Grexit" wurde jedoch durch gemeinsame Anstrengungen der Europäer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) abgewendet, die das Land durch massive Finanzhilfen im Euro hielten.

Insider: EZB steht als Krisenfeuerwehr bereit

Investoren blicken nun mit bangem Blick nach Rom: Sie hegen auch die Sorge, dass ein Sturz der Regierung die Sanierung krisengeplagter Banken erschweren würde. Die wichtigsten italienische Geldhäuser haben 29 Prozent aller faulen Kredite von Großbanken in der Eurozone in ihren Büchern, wie aus Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht. Dies ist neben der fast schon chronischen Wachstumsschwäche des Landes, dem hohen Schuldenberg des Staates und der ausufernden Bürokratie nur eines der Probleme, mit denen Renzi zu kämpfen hat.

Heuschrecke auf Schnäppchenjagd: Blackrock leitet die nächsten Deals ein

Der weltgrößte Vermögensverwalter, die amerikanische Finanzfirma Blackrock, nutzte die Zeit vor dem Referendum in Italien unterdessen, um in Europa auf Schnäppchenjagd zu gehen. Das Engagement bei europäischen Banken und anderen Finanztiteln, die vor dem Votum unter Druck geraten sind, sei ausgeweitet worden, sagte Blackrock-Manager Rick Rieder. An italienischen Anleihen halte das Unternehmen weiter fest. Allerdings sei hier das Engagement rückläufig. (reuters/apa/red)