Stahlindustrie

Voestalpine hat so viel investiert wie noch nie

Der Linzer Stahlkonzern Voestalpine hat in dem Ende April abgelaufenen Geschäftsjahr seine Investitionen auf eine neue Rekordhöhe geschraubt. Die größte davon ist das neue Werk für Eisenschwamm in Texas - hier die Übersicht zu den Projekten.

Der Linzer Stahlkonzern Voestalpine hat im abgelaufenen Geschäftsjahr so viel investiert wie noch nie zuvor: "Mit über 1,3 Mrd. Euro hatten wir das Jahr der höchsten Investitionen in unserer Geschichte und wir hatten keine Probleme, diesen enormen Betrag zu finanzieren", betonte Konzernchef Wolfgang Eder bei der Bilanzpressekonferenz.

Die Nettofinanzverschuldung in Relation zum Eigenkapital (Gearing) habe sich 2015/16 (per Ende März) im Vergleich zum Jahr davor sogar von 58,2 auf 54,5 Prozent verbessert. "Die Eigenmittel sind viel stärker gewachsen als die Schulden", so Eder. Konkret vergrößerte sich das Eigenkapital von 5,12 auf 5,65 Mrd. Euro, die Nettoschulden stiegen von 2,98 auf 3,08 Mrd. Euro.

Eine halbe Milliarde Euro für Anlagen in Österreich - für Anlagen im Ausland deutlich mehr

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Im Ausland investierte die Voestalpine, die weltweit in über 50 Ländern vertreten ist, deutlich mehr als in Österreich. Hierzulande floss zuletzt in Summe eine halbe Milliarde in neue Anlagen. Aktuell wird die Errichtung eines völlig neuen Edelstahlwerks im steirischen Kapfenberg um 250 bis 300 Mio. Euro geprüft. Dieses soll das bestehende Werk ersetzen, in dem rund 3.000 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Die endgültige Entscheidung dafür soll 2017 fallen und hängt den Angaben zufolge von den politischen Rahmenbedingungen in Österreich und Europa ab. Die ersten Äußerungen der neuen Regierung unter Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) ließen jedenfalls "Verständnis für und Affinität zur Wirtschaft erkennen und das stimmt uns positiv", sagte Eder. Er glaube auch, dass Österreich mit Alexander Van der Bellen nun einen Bundespräsidenten habe, "der diese Rolle angemessen wahrnehmen wird".

USA statt Kapfenberg - "Amerika ist eine Option"

Sollte es mit dem neuen Werk in Kapfenberg nichts werden, sei "Amerika sicher eine Option, aber sicher nicht die einzige", sagte Vorstand Franz Rotter, der auch den Unternehmensbereich Special Steel (Edelstahl) leitet. Ein Standort irgendwo im internationalen Netzwerk der Voest würde dann ins Auge gefasst. Nähere Angaben zu einer Alternative wurden vorerst nicht gemacht.

Die soeben fertiggestellte Eisenschwammanlage in Texas, die bisher größte Einzelinvestition eines ausländischen Unternehmens in den USA, soll im Verlauf des Sommers, "wahrscheinlich im Juli", in Betrieb genommen werden, die offizielle Eröffnung ist im Herbst geplant; der Spatenstich erfolge im April vor zwei Jahren. Die Basisinvestition belief sich dort auf rund 550 Mio. Euro. Ab 2017/18 sollen in Corpus Christi jährlich zwei Millionen Tonnen Eisenpellets produziert werden, die dann zur Weiterverarbeitung in die ganze Welt verschifft werden - 800.000 Tonnen davon nach Österreich.

Investitionen von einer Milliarde Euro im laufenden Geschäftsjahr geplant

Im laufenden Geschäftsjahr 2016/17 wird das Investitionsvolumen laut Finanzvorstand Robert Ottel voraussichtlich wieder "auf 1 Mrd. Euro zurückgehen und im darauffolgenden Jahr werden wir uns dem Abschreibungsniveau nähern und einmal verdauen", so der CFO.

Parallel zu der Errichtung neuer Werke und Anlagen fährt die Voestalpine im nunmehr dritten Jahr in Folge einen groß angelegten Sparkurs. "Wir haben noch bis Ende 2016/17 ein Gesamtprogramm von 1 Mrd. Euro laufen und werden auf diese Ziffer kommen", ist Eder zuversichtlich. Der Konzern stockte den Personalstand im abgelaufenen Geschäftsjahr von weltweit 47.418 auf 48.367 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalent per Ende März) auf - in Österreich sind davon rund 23.000 Arbeitnehmer beschäftigt. (apa/red)

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