Stahlindustrie

Voest-Chef Eder zum Standort Kapfenberg, Russland-Sanktionen, Trump

Die Voestalpine hat ihren Gewinn im ersten Quartal mehr als verdoppelt und beschäftigt nun rund 23.000 Menschen in Österreich. International sind es erstmals mehr als 50.000. Über den Standort Kapfenberg will der Hersteller heuer im Herbst entscheiden. Hier der Überblick.

Bei der Bekanntgabe der aktuellen Zahlen der Voestalpine hat Konzernchef Wolfgang Eder auch den aktuellen Stand zum möglichen neuen Standort in Kapfenberg sowie zu Auswirkungen der internationalen Politik aufs Geschäft des Unternehmens genommen.

Entscheidung zum neuen Edelstahlwerk heuer im Herbst

Die Voestalpine will wie berichtet ein neues Edelstahlwerk bauen. Im Herbst werde klar sein, wo dieses Werk gebaut werde, meint Eder. Dabei habe das obersteirische Kapfenberg "natürlich gute Karten", derzeit würden gerade alle Argumente zusammengeführt und bewertet.

Im Oktober werde man wissen, wo, in welchem Zeitraum und mit welchen Kosten das Werk gebaut werde. Zuvor würden Vorstand und Aufsichtsrat sich damit befassen. Die Investitionshöhe könne bis zu 300 Mio. Euro ausmachen.

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Voestalpine "kein Stahlkocher"

Natürlich freue er sich, dass die Stahlwelt jetzt wieder in Ordnung sei, aber "die Voest lebt nicht ergebnismäßig vom Stahl", meint Eder, der den Konzern nicht als "Stahlkocher" bezeichnen will.

Selbst in diesem Quartal mit der "hervorragenden" Entwicklung der Steel Division kämen 56 Prozent des operativen Ergebnisses von den Downstreaming-Aktivitäten und 44 Prozent von Stahlprodukten. "Die Stabilität unserer Entwicklung kommt aus dem Downstream-Bereich".

Russland-Sanktionen: Für die Voest ziemlich unwichtig

Was die neuen Russland-Sanktionen der USA gegen Russland angeht, so gibt Eder im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Voestalpine Entwarnung. Für den Hersteller wären eventuelle Auswirkungen der Sanktionen "von absolut untergeordneter Bedeutung", sagte Eder. In Russland habe man ein offenes Umsatzvolumen unter einem halben Prozent des Konzernumsatzes.

Im Hinblick auf die aktuellen Ergebnisse und der Dimension eines eventuell betroffenen Geschäfts in Russland gebe es keine große Aufregung, betonte Eder. Wegen der guten Konjunktursituation würden sich für den Konzern sicher auch Alternativen auftun. Außerdem sei noch nicht wirklich klar, wie die Russland-Sanktionen der USA überhaupt umgesetzt würden.

Die Voestalpine ist beim Pipeline-Projekt Nord Stream engagiert und liefert Grobblech an einen russischen Rohrproduzenten, das in der Tiefsee eingesetzt wird, heißt es aus dem Unternehmen. Mehr als die Hälfte des Auftrags sei bereits abgearbeitet.

Bedrohungen auf weltpolitischer Bühne

Deutlich mehr Sorgen macht Eder die geopolitische Lage auf der Weltbühne, die sich gerade weiter zuspitzt - Stichwort Nordkorea. "Wenn man sich die letzten Stunden vor Augen führt, Gott bewahre, eine militärische Intervention würde natürlich auch das gesamte Wirtschaftsgefüge durcheinanderbringen."

Aktuell zu Problemen der Voestalpine in den USA:

"Schwarzer Staub": Millionenklage gegen die Voestalpine in Texas >>

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Wegen der geopolitischen Unsicherheit zeigte sich Eder auch auf Nachfragen zu den Erwartungen für die zweite Jahreshälfte vorsichtig. Er verwies auch auf eine "extreme Volatilität im Bereich der Rohstoffpreisentwicklung", bei Erz und Kohle gebe es Sprünge in beide Richtungen. "Nichtsdestotrotz, wir haben keine Angst vor der zweiten Jahreshälfte", unterstrich er.

Zuversicht im Hinblick auf die Industriekonjunktur

Für die Konjunkturentwicklung zeigte er sich optimistisch. "Wir gehen davon aus, dass wir in Europa auf breiter Front in den nächsten eineinhalb, zwei Jahren eine sehr solide Entwicklung sehen". Man merke auch eine neue Dynamik der öffentlichen Auftragsvergaben. Eine Fünf-Jahres-Prognose würde er jedoch nicht machen können.

Der Abgasskandal ist bisher egal

Was den Abgasskandal der Autoindustrie angehe, meinte Eder, die Geschäftsbeziehungen der Voestalpine zu deutschen Autoherstellern hätten bisher darunter in keiner Weise gelitten. Er gehe davon aus, dass das Ganze positiv abgearbeitet werde. (apa/red)

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