Produktpiraterie

"Vaterschaftstest" gegen Fälschungen

Schweizer Firma kann Originalprodukte mit synthetischer DNS markieren.

Eine Spin-Off-Firma der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um Fälschungen auf die Spur zu kommen. Sie funktioniert wie ein Vaterschaftstest mit DNS, der Trägerin der Erbinformation.

Dafür wird bei der Herstellung eines Produkts dem Ausgangsmaterial synthetisch hergestellte DNS beigemischt, wie die ETH am Mittwoch in ihrer Onlinezeitung "ETH Life" schrieb. Die DNS verhält sich wie eine natürliche DNS: Mit einer Gen-Analyse kann das Ausgangsmaterial identifiziert werden.

DNS in Glaskügelchen

"Es funktioniert wie ein Vaterschaftstest", sagt Produktleiter Max Grass von der Spin-Off-Firma "Genuine-ID". Damit die DNS während der Produktion oder durch den Gebrauch des Produkts nicht verändert oder zerstört wird, wird sie in kleinste Glaskügelchen eingebracht, die nicht mit anderen Stoffen interagieren.

Für die spätere Analyse genügt schon ein Milligramm des Ausgangsmaterials. Die DNS könne festen Stoffen wie Plastik und Textilien, Flüssigkeiten wie Cremes oder Ölen und sogar Lebensmitteln oder Medikamenten beigemischt werden, da sie gesundheitlich unbedenklich sei, schreibt die ETH.

Weiter könnten Versicherungen die Methode einsetzen, zum Beispiel um bei Schäden an Gebäuden nachzuweisen, dass der verwendete Zement den geforderten Qualitätsansprüchen entspricht. Damit wäre der Hersteller nicht haftbar. Die Methode sei auch vor Gerichten zugelassen.

"Der Preis des Produkts liegt im Rappenbereich pro Kilogramm Endmaterial und verteuert das Endprodukt nur geringfügig", sagt Max Grass. Die im Juni 2012 gegründete Spin-off-Firma bietet die DNS-Kügelchen im Gesamtpaket mit der Gen-Analyse an.

Erste Testläufe absolviert

Entwickelt hat die Methode der Firmengründer Robert Grass vom Institut für Chemie und Bioingenieurwissenschaften der ETH Zürich. Dass sie im Prinzip funktioniert, haben die Jungunternehmer mit Tests an verschiedenen Materialien überprüft. Nun suchen sie nach Abnehmern, laut Max Grass wollen erste Firmen das Verfahren prüfen.

Mit gefälschten Produkten - Uhren, Taschenmessern oder gar Medikamenten - werden weltweit Milliarden von Franken erwirtschaftet. Hersteller versuchen, ihre Produkte mit speziellen Verpackungen, Hologrammen, das Auftragen von Farbe oder Kennzeichnen durch Codes zu sichern.

Diese sind laut Max Grass jedoch nicht so fälschungssicher wie die DNS. Für einen Nachbau der gesamten eingebetteten DNS würde ein Fälscher mit den heutigen Techniken 1.900 Jahre benötigen, sagt er. (APA/sda)

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