Förderungen

Unternehmensprojekte: Think bigger!

Versetzt die globale Viruspandemie der F&E einen Dämpfer? Im Gegenteil. Acht Vorzeigeprojekte, für die jeder Fördercent gut angelegt war.

AT&S war auf der Suche nach einer attraktiven Finanzierungsquelle für den Ausbau des Produktionswerks in Chongqing - und hat sie gefunden.

Es war – trotz Pandemie – ein Jahr des Aufbruchs: Österreichs produzierende Unternehmen investierten in Expansion, Technologieerschließung und Personal. Nun steht eine neue Förderperiode bevor, der Finanzrahmen der Europäischen Union hat für die Jahre 2021 bis 2027 Gültigkeit. Für das kommende Jahr überarbeiteten Fördergeber ihre Programmstrukturen und setzen, auch angesichts der Viruspandemie, neue Schwerpunkte, wie Sie unserem Förderverzeichnis entnehmen können. Wesentliche Programmpunkte wie etwa ein Fokus auf Digitalisierung bleiben freilich bestehen. INDUSTRIEMAGAZIN hat die Projekte heimischer Industrieunternehmen unter die Lupe genommen. Fazit: Nie war es leichter (und lohnender), an eine Förderung zu gelangen. Erfolgsstorys aus einem ziemlich ergiebigen Jahr der Forschung und Entwicklung.

Expansionsturbo

Mit einem 300 Millionen Euro schweren, OEKB-refinanzierten Investitionskredit finanziert sich der Leiterplattenhersteller AT&S den Ausbau des Werks Chongqing.

Gerstenmayer, ATS, AT&S © Helene Waldner

"Investitionen wie jene in Chongqing erfordern eine weitblickende Finanzierungsstrategie."
Andreas Gerstenmayer, CEO AT&S

White Paper zum Thema

Als AT&S auf der Suche nach einer attraktiven Finanzierungsquelle für den Ausbau des Produktionswerks in Chongqing (mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro in den kommenden fünf Geschäftsjahren) die Experten der RBI ansprach, waren diese hocherfreut. Zur Finanzierung dieses Expansionsprojektes hat sich AT&S einen OeKB-refinanzierten Investitionskredit in Höhe von 300 Millionen Euro gesichert, wobei die Raiffeisen Bank International als alleiniger Mandated Lead Arranger, Bookrunner, Documentation und Facility Agent fungiert. Die Finanzierung wurde von einem Konsortium aus lokalen und internationalen Bankpartnern von AT&S (einschließlich Partnern aus dem österreichischen Raiffeisensektor) bereitgestellt. Der Kredit hat eine Laufzeit von knapp 7 Jahren.

Fördergeber: OeKB/ Beteiligungsfinanzierung
Was wir lernen: Ein millionenschwerer Expansionsschritt erfordert Sicherheiten.

Mit Nanotech zur Superbatterie

Ein EU-Projektkonsortium rund um den Messgerätehersteller Keysight, den Batteriepionier Kreisel, das Forschungsinstitut AIT und die Linzer Uni JKU forscht spektakulär an Lithium-Ionen-Batterien.

© AIT

Forschen im EU-Projekt NanoBat an langlebigeren Batterien: 
AIT-Vorstände Wolfgang Knoll (li.) und Anton Plimon

Ziel im Projekt NanoBat ist eine Nanotechnologie-Toolbox, die ultraschnelle Hochfrequenzverfahren bereitstellt. Mit den innovativen Verfahren soll die Herstellung neuer Zellen entschieden verbessert werden. Das bringt auch in der Fertigung und im Endverbrauch zahlreiche Vorteile, die für die Massenproduktion von Batterien genutzt werden sollen: Es fällt weniger Abfall an, der Energieverbrauch ist geringer und die Batterien sind langlebiger mit verbesserter thermischer Stabilität. Dieser nachhaltige Weg unterscheidet sich auch vom Verfahren von Billiganbietern, etwa aus Asien. Etwa ein Drittel der Produktionskosten von Batterien entfällt auf die Phase der ersten Aufladung, die bis zu zwei Wochen dauern kann. Um diese Phase effizienter und damit wesentlich kostengünstiger zu machen, werden im Projekt NanoBat neue Methoden entwickelt. Diese basieren auf Nanotechnologie und Hochfrequenztechnologie. Bei der Herstellung von Batterien zerfällt der
Elektrolyt an der Elektrode und bildet die feste Elektrolytinterphase. Diese Schicht ist etwa 50 Nanometer dünn, also mit freiem Auge nicht sichtbar, aber maßgeblich für die Leistungsfähigkeit und Lebensdauer der Zelle. Spannung, Temperatur und viele weitere Faktoren müssen optimal zusammenspielen.

Projekttitel: NanoBat
Fördergeber: Horizon 2020,
Business Upper Austria, FFG
Laufzeit: bis 2023
Was wir lernen: Dass zwölf Partner aus sieben Ländern ziemlich agil zusammenarbeiten, wenn sie ein gemeinsames Ziel verbindet.

Logistik smart gedacht

Der steirische Eisenbahnlogistiker Innofreight optimiert den Rundholztransport mittels Zustandsdetektion und GPS-Tracking.

© Innofreight

Intelligente Bahnlogistik: Innofreight optimiert den Holztransport

Mit dem Smart GigaWood schlug Innofreight ein neues Kapitel in der Bahnlogistik auf. Bei der Entwicklung des Smart GigaWood hat Innofreight mit Österreichs größtem Holzlogistiker PapierHolz Austria, der TU Graz und dem Logistikconsulter LinkinBiz zusammengearbeitet. Smart ist der GigaWood-Waggon nicht allein deshalb, weil er in Sachen Belastbarkeit an die Grenzen des Möglichen geht und damit den Bedürfnissen der holzverarbeitenden Industrie nach höheren Zuladungen entgegenkommt. Smart ist vor allem auch die Digitalkomponente des neuen Waggons: Mittels Zustandsdetektion und GPS-Tracking lassen sich die Waggons verlässlich instand halten und zudem in ganz Europa nachverfolgen.

Projekttitel: Smarty
Fördergeber: FFG/ Mobilität der Zukunft
Laufzeit: bis 2022
Was wir lernen: Vom Aufbau einer Digitalkomponente zum Logistik- Gesamtkonzept ist es nur ein Schritt.

Wegbereiter der drahtlosen Kommunikation

Ein Konsortium um Siemens und das AIT nimmt sich des Problems der fixen Verkabelung von Steuerungs- und Regelsystemen an.

Tempomacher beim Kapitel dynamisch rekonfigurierbarer Produktionssysteme: 
Siemens-Generaldirektor Wolfgang Hesoun

Die dynamische Rekonfigurierbarkeit von derzeitigen Produktionssystemen ist durch die fixe Verkabelung von Steuerungs- und Regelsystemen stark behindert. Der Austausch von Kabelverbindungen durch hochzuverlässige drahtlose Kommunikationsverbindungen verbessert die Rekonfigurierbarkeit von Produktionsstätten drastisch und ermöglicht neuartige Produktionsprozesse. In zukünftigen hochflexiblen Produktionssystemen muss daher die Kommunikation in einem Regelzyklus zwischen Sensoren, Aktuatoren und Verarbeitungseinheiten durch drahtlose Kommunikation mit geringer Latenz ergänzt werden. Für schnelle Regelvorgänge werden Zykluszeiten von ca. 100 μs benötigt, die aktuell verfügbare drahtlose Kommunikationssysteme nicht erreichen (Stand der Technik sind 16 ms). Die Forschung zielt auf eine industrielle Kommunikationsverbindung mit einer Zykluszeit von 125 μs in einem 6 Knoten-Szenario ab. Mit einem neuartigen Konzept können die effektivsten Signalverarbeitungsalgorithmen und Diversitätsmechanismen für den robusten Betrieb eines drahtlosen Kommunikationssystems in realen industriellen Szenarien untersucht und validiert werden.

Projekttitel: UNWIRE
Fördergeber: FFG/Produktion der Zukunft
Laufzeit: bis 2022
Was wir lernen: Zykluszeitenreduktion ist im IoT-Zeitalter die neue Hartwährung.

Emissionsfreie Laster

Bis 2021 schrauben unter anderem Schenker, Rosenbauer, AVL List und EVN am emissionsfreien Nutzfahrzeugmarkt auf Basis von Brennstoffzellen.

Kfz-Industrie, Zulieferer, AVL List, Steiermark © APA/ANNEMARIE HAPPE

AVL forscht mit zwei LKW-OEMs an der automobilen Zukunft

Um die Ziele der FTI-Initiative des österreichischen Klima- und Energiefonds zu erreichen, wurde ein starkes Projektkonsortium bestehend aus zwei LKW-OEMs (Rosenbauer und FMF (IVECO)), einem Entwicklungsdienstleister für die Automobilindustrie (AVL List), Logistikunternehmen (DB Schenker, MPreis über FEN Systems) sowie unter anderem vier Forschungseinrichtungen aufgestellt. Auf der Grundlage des oben genannten Stands der Technik von Brennstoffzellenfahrzeugen bietet HyTruck einen bedeutenden technologischen Fortschritt, da aktuelle Barrieren wie Leistungsabgabe, Lebensdauer, Energie- und Wärmemanagement sowie Kosten mit neuartigen und innovativen Lösungen überwunden werden. Die Ziele des Projekts: unter anderem die Entwicklung, der Aufbau sowie die Kalibrierung und Validierung eines HD- Brennstoffzellensystems und seiner Schlüsseltechnologien.

Projekttitel: HyTruck
Fördergeber: FFG/ Energieforschung (e!MISSION), Vorzeigeregion Energie Laufzeit: bis 2021
Was wir lernen: (Auch) Für die großen Technologiefragen sind die Fördertöpfe gut gefüllt.

Plasmaspray gegen Keime

Der Maschinenbauer Inocon schraubt die Effizienz keimtötender Oberflächen in die Höhe.

© Inocon

Inocon-Chef Fritz Pesendorfer: Oberflächen mittels Plasmabeschichtung gegen Keime immunisiert.

Der oberösterreichische Maschinen- und Anla- genbauer Inocon beschäftigt sich seit 2012 mit Beschichtungen im Plasmasprayverfahren. Im Rahmen mehrerer FFG-geförderter Projekte werden keimtötende Beschichtungen für Krankenhaus-Einrichtungen getestet. Oberflächenmit bioziden Lacken zu bestreichen ist ein Weg, um die Keimbildung im Ansatz zu verhindern. Ein anderer Weg, der eine höhere Beständigkeit der bioziden Oberflächen gewähren soll, ist jener von Ino mit Sitz in Attnang-Puchheim: Das Unternehmen erprobte in einem FFG-geförderten Projekt die Möglichkeiten für biozide Beschichtungen durch atmosphärisches Plasmasprayen (APS). In einem 2017 aus dem FFG-Basisprogramm geförderten Projekt hat Ino gemeinsam mit den Studiengängen Metall- und Kunststofftechnik sowie Biologie und Umwelttechnik der FH Wels die grundsätzliche Umsetzbarkeit dieses Beschichtungsverfahrens erprobt. Aktuell laufen in einem neuen Projekt, das Inocon unter anderem mit der Medizinuniversität Graz durchführt, umfangreiche Verschleißprüfungen und Alterungstests im Labor, um realistische Werte für die Langzeitwirkung der bioziden Beschichtung zu erhalten.

Projekttitel: Biozide APS
Fördergeber: FFG/Basisprogramm
Laufzeit: abgeschlossen
Was wir lernen: Dranbleiben macht sich bezahlt, wie dieses 2017 gestartete Projekt, das in ein wiederum gefördertes Folgeprojekt mündete, zeigt.

Brüder im Geiste

Die CAG Holding wurde durch ein Matching- Service der aws mit dem KI-Start-up Craftworks zusammengeführt.

In Cornelius Grupps Industriegruppe sind Start-ups hoch im Kurs

Die Ausgangssituation: Das KI-Unternehmen Craftworks suchte Industrieunternehmen, um Zugang zu Daten, neuen Kunden und Märkten sowie Vertriebs-Know-how zu gewinnen und somit neue Anwendungsfälle für ihre Predictive-Analytics-Lösungen zu entwickeln. Die CAG Holding suchte Start-ups für eine langfristige Kooperation. Als Ziel ihrer Zusammenarbeit nennen die Kooperationspartner die gemeinsame Entwicklung und Erprobung einer Predictive Maintenance Software. Da die Kooperation sich noch in der Anfangsphase befindet, sind konkrete Ergebnisse in der näheren Zukunft zu erwarten. Bei der Selektion ihrer Partner war es beiden Unternehmen wichtig, dass der Kooperationspartner kompatibel ist.

Fördergeber: aws/Industry-Startup.Net Was wir lernen: Wenn die Industrie aufs richtige Start-up trifft, entsteht Großes.

Exoskelette für die Arbeitswelt

Exoskelette kommen für Querschnittsgelähmte, in der Raumfahrt oder im Behindertensport zum Einsatz. Bald auch in der Industrie?

© Simlinger

Oberösterreichs Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner mit einem Rosenbauer-Mitarbeiter, der demonstrierte, wie sich ein Exoskelett in der Praxis einsetzen lässt 

Dass Exoskelette eine geeignete Technologie darstellen können, zeigt das vom Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA) an der Johannes Kepler Universität Linz initiierte Forschungsprojekt „EnableMe 50+“, bei dem der Feuerwehrausrüster Rosenbauer beteiligt ist. „Der Fachkräftebedarf von Oberösterreichs Unternehmen besteht auch in Zeiten einer Corona-bedingten höheren Arbeitslosigkeit weiter. Mit zunehmender Erholung der Wirtschaft wird dieser Fachkräftebedarf auch noch weiter zunehmen. Daher haben das Institut für Arbeitspolitik & Arbeitsforschung an der Johannes Kepler Universität Linz und das Institut für Innovation & Industrie Management an der TU Graz in einem von der FFG geförderten Projekt ‚EnableMe 50+‘ den Einsatz derartiger Assistenzsysteme erforscht. Praxistests bei der REWE Group Österreich und der Rosenbauer International AG haben wertvolle Inputs geliefert“, erklärt Landesrat Achleitner auch in seiner Funktion als Präsident des Instituts für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA).

Projekttitel: EnableMe 50+
Fördergeber: FFG, Business Upper Austria
Laufzeit: bis Ende 2020
Was wir lernen: Die industrielle Arbeitswelt ist im Umbruch – und Förderprogramme tragen dem Rechnung.