Außenhandel

Wien und WKÖ: Erleichterung und Skepsis zugleich

Die EU und die USA haben eine weitere Eskalation ihres Handelsstreits in letzter Minute abgewendet. Donald Trump spricht von einem "großen Tag". Vertreter der heimischen Wirtschaft zeigen sich vorsichtig optimistisch.

Die Handelsvereinbarung zwischen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump sei ein positives Signal, so die ersten Kommentare der österreichischen Bundesregierung und der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

"Es ist ganz entscheidend, einen Handelsstreit mit den USA zu verhindern", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Donnerstag in einer an die APA übermittelten Stellungnahme. Daher sei es gut, dass Juncker mit Trump daran arbeite, die Beziehung zwischen der EU und den USA zu stärken. Gerade als Exportnation unterstütze man dieses Anliegen. Die konkreten Details seien nun zu verhandeln, so Kurz, der wie berichtet mit Juncker vor dessen Abreise in die USA gesprochen hat. Österreich hat derzeit in der EU den Ratsvorsitz inne.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) zeigte sich angesichts der wieder aufgenommenen Gespräche "vorsichtig positiv". Wenn auch die Details zu den Verhandlungen noch abzuwarten seien, habe sich bereits gezeigt, dass die Strategie eines geeinten Auftretens der EU die Richtige sei.

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Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer sprach in einer Aussendung von einem "ersten wichtigen Schritt zur Entschärfung des Handelskonflikts mit den USA". Zwar seien noch einige Klarstellungen zu der Übereinkunft notwendig und den Worten müssten nun auch erst Tagen folgen. "Aber nach der aufgeheizten Stimmung der vergangenen Wochen und Monate besteht jetzt wieder Grund zur Zuversicht für die Ausweitung des transatlantischen Handel".

Skepsis beim WU Wien-Experten Harald Oberhofer

Etwas vorsichtiger äußerte sich der Ökonom Harald Oberhofer. Der Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Wifo kann den Ankündigungen von Juncker und Trump zwar etwas abgewinnen. So sei positiv, dass die von Trump angedrohten Autozölle nicht in Kraft treten. Auch dass die Zölle auf Stahl und Aluminium wegfallen und langfristig der Abbau weiterer Handelsbarrieren angedacht sei, beurteilt der Wirtschaftsforscher positiv.

Allerdings sei es für eine endgültige Beurteilung der Ergebnisse zu früh: "Wir wissen zu wenig". Die Einigung kaufe Zeit und nehme Druck aus der Debatte. "Entscheidend wird aber sein, was in den nächsten Wochen passiert und wie ernsthaft verhandelt wird", sagte Oberhofer. So habe US-Präsident Trump vor wenigen Wochen mit China eine ähnliche Vereinbarung getroffen, die nicht lange gehalten habe. (apa/red)

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