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Tüftler auf Zuruf

Immer öfter vergeben Mittelständler klassische F&E-Aufgaben an Externe. Die meisten von ihnen arbeiten effizient, schnell und diskret – und haben höchst visionäre Konzepte in der Schublade.

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Ungewöhnliche Kombinationen führen
zu ungewöhnlichen Lösungen. Veronika Hornung-Prähauser weiß um die Vorteile von Auftragsforschung. „Am Ende“, sagt die Forscherin bei Salzburg Research, stünden 
in der Regel immer „hochgradig spannende, praktisch umsetzbare Ergebnisse“. Hornung-Prähauser leitet das Forschungsprojekt InnovationLens. Dabei entwickelt Salzburg Research eine softwareunterstützte Innovationsmethodik für Betriebe. „Wir helfen Unternehmen, die blinden Flecken ihrer Innovationspotenziale aufzudecken“, fasst sie zusammen. Ihr Fazit: Radikale Innovationen werden immer von außen angestoßen. „Man kann im Unternehmen 50 Workshops machen und trotzdem wird man als Mensch und Institution immer dazu tendieren, das Gleiche wie in der Vergangenheit zu tun“. Für Innovationen Gift.

Zugpferd für den Mittelstand

Die Auftragsforschung entschlüpft ihrem klassischen Rollenbild. Als reine Konzern-Ideenbörse verschrien, wird sie immer mehr auch zum Zugpferd für den Mittelstand. Der F&E-Umsatz der FH Oberösterreich lag im Jahr 2014 bei 13,8 Millionen Euro. Darunter waren auch viele kleine Aufträge von KMUs. Deren Nachfrage nach Auftragsforschung liegt immer öfter darin begründet, dass sie „intern keine oder nur wenige Ressourcen für F&E zur Verfügung haben“, weiß Johann Kastner, F&E-Leiter der FH Oberösterreich. Sie können dabei auf einen erheblichen Erfahrungsschatz zugreifen, den Auftragsforscher in der jahrelangen Zusammenarbeit mit Großbetrieben aufgebaut haben. Hohes Tempo, höchste Diskretion, lautet die Formel. „Wenn es um heikle Dinge und Firmengeheimnisse geht, sind die klassischen kooperativen Forschungsansätze mit mehreren Partnern oft nicht möglich“, erklärt Kastner. In so einem Fall kann die Auftragsforschung das optimale Mittel sein.

Wie im Fall des Projekts InnovationLens. Die Werkzeuge, die zum Einsatz kommen, sind klar von der Vision geprägt, Neues zu entlarven – sie sind vollvernetzt. Durch den Einsatz von Social Media Mining, Online-Community-Analyse oder die systematische Auswertung von Bewertungsplattformen visualisiert die Software von Salzburg Research Innovationschancen und hilft somit, diese frühzeitig zu erkennen.

White Paper zum Thema

Innovation Concept Map

Dabei geht es um die Frage, welche neuen Trends gerade entstehen und wie Themen miteinander verknüpft sind. Dargestellt wird das Ergebnis in einer Innovation Concept Map. „Die Unsicherheit im Zusammenhang mit Innovation wird man nie ausschließen können, aber durch unsere Methodik kann sie reduziert werden“, betont Hornung-Prähauser. Dass externe Forschungsdienstleister es auch hervorragend verstehen, Forschungsfelder aufzuschließen, die noch weit hin klingen, wird vom Mittelstand nunmehr ebenfalls als Chance gewertet.

So war vor einem Jahrzehnt die Bewertung der Potenziale der 3D-Drucktechnologie von Unsicherheit geprägt. Trotzdem gab es Pioniere wie die Fachhochschule Oberösterreich. Man investierte eine halbe Million Euro in eine Anlage zum dreidimensionalen Druck von Metallen und begann in diesem Feld zu forschen. Heute zeigt sich, dass man einen guten Riecher hatte: Das Volumen aus Forschungsaufträgen zu diesem Verfahren steigt kontinuierlich an. „Vor zehn Jahren war das Interesse der Unternehmen an dieser Technologie noch bescheiden. Das hat sich aber in den letzten drei Jahren stark geändert“, erklärt Johann Kastner von der FH Oberösterreich. Er kennt die Koordinaten für nachhaltigen Technologieerfolg. In der Auftragsforschung muss man zukünftige Entwicklungen abschätzen und erkennen können. „Man muss sich auch mit Themen beschäftigen, für die Unternehmen noch kein so großes Interesse zeigen.“

"Kann nicht um die Ecke bohren"

Vor allem Betriebe aus der Branche Werkzeugbau setzen mittlerweile auf die Technologie des 3D-Drucks aus Metallpulver und das langjährige Know-how, das an der FH aufgebaut wurde. „Damit kann man Werkzeuge herstellen, die an kritischen Stellen mit Kühlkanälen ausgestattet werden können. Das kann man mit herkömmlichen Verfahren oft nicht, weil man nicht um die Ecke bohren kann“, beschreibt Kastner. Nachfrage gibt es genug. Etwa aus dem Flugzeugbau oder der Medizintechnik.

Im Anhang finden Sie Österreichs außeruniversitäre Forschungsschmieden im Überblick.

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