Eisen- und Stahlindustrie

Trotz Covid kehrt Voestalpine in die Gewinnzone zurück

Der börsennotierte Stahlkonzern Voestalpine hat die Verlustzone im Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende März) hinter sich gelassen und verzeichnet ein Nettoergebnis von 32 Millionen Euro.

v.l.n.r.: Robert Ottel (CFO), Franz Kainersdorfer (Leitung Metal Engineering Division), Herbert Eibensteiner (CEO), Franz Rotter (Leitung High Performance Metals Division), Hubert Zajicek (Leitung Steel Division), Peter Schwab (Leitung Metal Forming Division)

Der börsennotierte Stahlkonzern Voestalpine hat die Verlustzone im Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende März) hinter sich gelassen. Unter dem Strich verdienten die Linzer 32 Mio. Euro, nachdem sie im Jahr davor noch 216 Mio. Euro Verlust erlitten hatten. Die Dividende soll nun von 20 auf 50 Cent je Aktie kräftig aufgestockt werden, wie Herbert Eibensteiner, Vorstandsvorsitzender der Voestalpine, heute bekannt gab. Der Konzern tätigte Sonderabschreibungen von 197 Mio. Euro. Diese Summer teilte sich in drei Bereiche auf: 163 Mio. an das Werk in Texas, 25 Mio. an das Werk in Tubulars und 9 Mio. für den Drahtbereich. Der Umsatz sank um 11,4 Prozent auf 11,3 Mrd. Euro. Ca. 1000 Mitarbeiter mussten im vergangenen Jahr entlassen werden und so verzeichnet die Voestalpine derzeit 48700 Angestellte.

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Schuldenabbau trotz Coronakrise

Zu den aktuellen Zahlen und dem Coronajahr 2020 äußerte sich heute der Vorstand in einer Pressekonferenz. "Neben dem konjunkturellen Rückenwind lieferten vor allem unsere internen Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung einen entscheidenden Beitrag zum positiven Jahresabschluss - trotz Wirtschaftskrise verfügt die voestalpine heute über eine höhere Liquidität und weniger Schulden als noch vor einem Jahr", erklärte Eibensteiner. Das Krisenmanagement war erfolgreich, denn es priorisierte die Aufrechterhaltung der Lieferfähigkeit, den Fokus auf das Kostenmanagement, die Ergebnisstabilisierung, Cash-Flow-Optimierung und den Schuldenabbau. „Doch an oberster Stelle standen natürlich Sicherheit und Gesundheit unserer Belegschaft, denn nur durch ihre hohe Einsatzbereitschaft und ihre Flexibilität  konnten wir es gemeinsam schaffen“, so Eibensteiner.

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Das abgelaufene Geschäftsjahr sei "von einem Wirtschaftseinbruch historischen Ausmaßes geprägt" gewesen. Im ersten Quartal 2020/21 sei die Nachfrage in beinahe allen Kundensegmenten massiv eingebrochen, ab dem zweiten Quartal verbesserte sie sich trotz neuerlicher Lockdowns in vielen Märkten und stieg kontinuierlich an. Vor allem die Automobilindustrie, die die Voest mit Stahlprodukten beliefert, "kehrte überraschend stark aus dem Coronatief zurück". Aktuell verzeichneten beinahe alle wichtigen Kundenbranchen des Konzerns eine "anhaltend hohe Nachfrage". In manchen Bereichen sei sogar "nahezu eine durch Nachholeffekte ausgelöste Überhitzung" feststellbar.

Eine besonders hohe Nachfrage verzeichnen die Bereiche der hochqualitativen Produkte für Autoindustrie, Maschinenbau, Bauindustrie und Infrastruktur. Letzterer war während der Krise besonders stabil, da die Nachfrage nach Schienen und Weichen konstant bliebt.

Die von der Krise besonders stark getroffene Öl- und Gasindustrie beginne sich schrittweise zu erholen. In der Luftfahrt dauert das aber wohl noch etwas länger - hier sei "bestenfalls eine leichte Verbesserung im Laufe des Geschäftsjahres 2021/22" zu erwarten. Ein Allzeithoch beim Auftragseingang verbuchte das Segment Lagertechnik, das vom boomenden Online-Handel profitierte.

Die Ergebnisse der Voestalpine verbesserten sich von Quartal zu Quartal "markant". Vor Zinsen und Steuern drehte das Ergebnis (EBIT) gegenüber dem Jahr davor von minus 89 Mio. auf plus 115 Mio. Euro - es fielen Sonderabschreibungen in Höhe von 197 Mio. Euro an, die vor allem das 2016 eröffnete Roheisenwerk in Texas sowie auf Voestalpine Tubulars in Kindberg (Steiermark) auslösten, wo der Konzern Nahtlosrohre für die Öl- und Gasindustrie herstellt. Die EBIT-Marge betrug 1 Prozent (Jahr davor: minus 0,7 Prozent). Der Rückgang des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 4 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro sei angesichts der Coronakrise moderat ausgefallen. Das Ergebnis je Aktie drehte von minus 1,24 Euro auf plus 0,24 Euro. Der Personalstand verkleinerte sich um 2 Prozent - von 49.682 auf 48.654 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente) zum Ende des Geschäftsjahres.

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Direktreduktionsanlage, Texas © Voestalpine

Direktreduktionsanlage Texas

Management ist für das laufende Geschäftsjahr sehr zuversichtlich

Angesichts der nun insgesamt positiven Nachfragesituation und der voraussichtlichen weiteren Erholung der Gesamtkonjunktur ist das Management zuversichtlich für das laufende Geschäftsjahr 2021/22 und rechnet mit einem wesentlichen Anstieg des EBITDA, das zwischen 1,6 und 1,9 Mrd. Euro erreichen soll. Wichtige Wachstumsimpulse würden auch von den billionenschweren Konjunkturpaketen der EU und USA zur Belebung der Wirtschaft nach der Covid-19-Krise erwartet. Die Krise sei jedoch noch nicht überwunden. Trotz der Verfügbarkeit wirksamer Corona-Impfstoffe und einer steigenden Durchimpfungsrate seien die weitere Entwicklung der Pandemie und deren ökonomische Auswirkungen "noch nicht endgültig absehbar".

Investition in eine nachhaltige Zukunft

In den vergangenen 10 Jahren wurden rund 2,4 Mrd. Euro für Klimamaßnahmen investiert, um die CO2 Einsparungen voranzutreiben. Für die nächsten Jahre ist erneut rund 1 Mrd. für die Standorte Linz und Donawitz eingeplant, um den Weg der nachhaltigen Stahlproduktion weiterhin ausbauen zu können.

Zu diesen Investitionen zählt auch das künftig vollautomatisierte Edelstahlwerk in Kapfenberg, Steiermark, welches das modernste Werk der Welt werden soll. An diesem Standort sind aufgrund der hohen Produktivität derzeit ca. 100 Mitarbeiter angestellt. Diese höchstqualifizierten Mitarbeiter sollen aber keinen Abbaumaßnahmen zum Opfer fallen. Sie werden Weiterhin für die Entwicklung dieses Standorts eingesetzt werden.

>> Mehr zum Bau des Edelstahlwerks in Kapfenberg: Es wird deutlich teurer

Voestalpine, Kapfenberg © Klaus Morgenstern

Edelstahlwerk Kapfenberg

Mit dem Projekt „Greentec Steel“ ist ein langfristiger Technologietransfern geplant, der zur Dekarbonisierung der Stahlproduktion führen soll. Die nachhaltige Produktion von Stahl soll bis zum Jahr 2030 durch ein Hybridkonzept bis zu 30% an CO2 einsparen. Der Umstieg vom Hochofen auf die Elektrostahlroute wurde bereits in die Wege geleitet. Die Voestalpine ist als  Umweltbenchmark zu sehen und es ist ihr schon heute möglich, Stahl mit reduziertem CO2 Fußabdruck zu produzieren und so Kundenwünschen nachzukommen. Auch die Forschung an Zukunftstechnologien wird forciert, um das Unternehmen bis 2050 CO2 neutral zu machen. Hierfür wurde der Schwerpunkt „Grüner Wasserstoff“ gewählt.

Geheimnis um die neue Vorstandsspitze

Auf die Frage hin, wann die Entscheidung zur Neubesetzung der Aufsichtsratsspitze fallen wird, hielten sich die Vorstände zurück. Dr. Wolfgang Eder steht Berichten zufolge derzeit zur Debatte um diese Position. Bisher gab es von Seiten des Aufsichtsrats noch keine Kommunikation zu diesem Thema. Ob die Entscheidung bei der Hauptvesammlung am 7.Juli getroffen wird, wird ebenfalls unkommentiert gelassen. (apa/red)