Nutzfahrzeugindustrie

Traton: Starkes Auftragsplus bei MAN und Scania

Volkswagens Nutzfahrzeugsparte mit den Marken MAN und Scania spürt wieder Aufwind bei den Neubestellungen. Nach einem guten dritten Quartal sind sogar schwarze Zahlen für das Gesamtjahr möglich - trotz Coronakrise.

Die Volkswagen-Nutzfahrzeugholding Traton kann nach dem Einbruch in der Coronakrise wieder Gewinne einfahren und auch auf anziehende Bestellungen setzen. "Nach dem deutlichen Markteinbruch im zweiten Quartal infolge der Covid-19-Pandemie hat sich unser Geschäft zuletzt erholt", sagte Traton-Chef Matthias Gründler. Eckdaten hatte der Konzern mit Sitz in München bereits vorgelegt und auch seine Prognose konkretisiert.

Bei den Aufträgen verbuchte die Holding mit den Marken MAN, Scania und der südamerikanischen VW Caminhoes e Onibus in den Monaten Juli bis September ein deutliches Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 58.502 Lkw und Busse. Dass sich Spediteure und andere Kunden mit der Erholung der Wirtschaft nach den starken Coronamaßnahmen im Frühjahr wieder Bestellungen zutrauten, hatte sich schon bei den Rivalen Daimler und Volvo gezeigt.

Sogar schwarze Zahlen für das Gesamtjahr sind möglich

Das dritte Quartal mit den stark verbesserten Auftragseingängen mache Hoffnung, dass Traton auf Jahressicht noch schwarze Zahlen schreiben könne, schrieb NordLB-Analyst Frank Schwope.

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Das Unternehmen verdiente im dritten Quartal zwar mit 131 Mio. Euro um rund 70 Prozent weniger als vor einem Jahr, wie die im SDax notierte VW-Tochter in München mitteilte. Nach dem Verlust im zweiten Quartal war das aber wieder eine deutliche Verbesserung. Der Umsatz hatte mit 5,7 Mrd. Euro knapp 10 Prozent unter Vorjahr gelegen.

Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis lag mit 211 Mio. Euro um fast die Hälfte niedriger. Im bisherigen Jahresverlauf steht eine Umsatzrendite von minus 0,1 Prozent zu Buche. Kürzlich hatte Traton die Jahresprognose für die bereinigte Marge auf minus ein bis plus ein Prozent festgezurrt.

"Die auf Markenebene eingeleiteten Maßnahmen greifen, wir machen uns weiter fit für die Zukunft", sagte Gründler. Im September hatte der Unternehmensverbund angekündigt, dass bei MAN rund 9.500 von insgesamt 39.000 Stellen wegfallen sollen. Bei Scania läuft ein Stellenabbau über 5.000 Arbeitsplätze. Derzeit spricht das Management mit den Arbeitnehmern über entsprechende Schritte.

"Wir haben die Traton Group frühzeitig mit einem straffen Kostenmanagement auf das schwierige Wirtschaftsumfeld eingestellt", sagte Finanzchef Christian Schulz. "Im dritten Quartal konnten wir bereits erste Erfolge unserer Maßnahmen sehen, dennoch werden wir weiter strikt an den Kosten arbeiten müssen."

Kürzungen kommen trotzdem

Schon vor der Coronapandemie hatte sich angedeutet, dass das Jahr schwieriger werden würde, die Branche sah sich auch da schon einem Konjunkturabschwung ausgesetzt. Darauf reagieren die Kunden der Lkw-und Bushersteller empfindlich. Schon länger ist auch klar, dass der VW-Konzern bei seinen Nutzfahrzeugtöchtern den Rotstift ansetzen will, um die Kosten zu senken.

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Daneben will Traton einen weißen Flecken auf der Landkarte wichtiger Märkte beseitigen und übernimmt um 3,7 Milliarden US-Dollar (3,1 Mrd. Euro) die restlichen Anteile am US-Truck- und Bushersteller Navistar. Am Wochenende schlossen die beiden Konzerne eine bindende Vereinbarung, der Vollzug des Deals wird für Mitte des kommenden Jahres angepeilt. Traton ist schon seit mehreren Jahren an Navistar mit knapp 17 Prozent beteiligt. Details dazu: MAN und Traton: Tausende Kündigungen und Milliardenübernahme gleichzeitig >>

Mögliche Modulstrategie

"Ziel des Vorstandes dürfte mittelfristig das Ausrollen einer Modulstrategie - ähnlich wie im Pkw-Bereich des Volkswagen-Konzerns - sein, um deutliche Synergien bei MAN, Scania und Navistar zu heben", schrieb Analyst Schwope. Durch gemeinsame Entwicklungen und einen gemeinsamen Einkauf könnten sich diese nach seiner Schätzung auf einen Milliardenbetrag belaufen.

VW hatte Traton im Juni 2019 an die Börse gebracht und hält noch knapp 90 Prozent der Anteile. Der Ausgabepreis lag mit 27 Euro deutlich höher als der aktuelle Aktienkurs, der um rund 1,3 Prozent auf 18,81 Euro zulegte. (dpa/apa/red)