Lean Management

Trägheitsmoment

Investitionsunlust, Ungeduld, Entscheidungen über Mitarbeiterköpfe hinweg: Beim Versuch der Prozessverschlankung scheitern viele Betriebe spektakulär. Selbst Automobilisten zeigen katastrophale Ergebnisse, enthüllt eine Studie.

Von
Helmut Schwarzl Geberit Management

Besonders "lean" sind Österreichs Industriebetriebe noch nicht - viele arbeiten mit Überbeständen.

Der erste Versuch war ein glatter Misserfolg. Und das, obwohl die Vorzeichen grundsätzlich stimmten. Geberit-Geschäftsführer Helmut Schwarzl war von der Idee beseelt, Lean Management in seinem Unternehmen zu implementieren. Berater standen ihm zur Seite. Auch die teils skeptische Führungsmannschaft des Sanitärtechnikherstellers war von der Verschlankung überzeugt. Und trotzdem wurde das Vorhaben ein Schlag ins Wasser. „Ich war viel zu ungeduldig“, weiß es Helmut Schwarzl heute besser. „Wir haben rasch einen ersten Schritt im Fertigungsbereich umgesetzt“, erzählt er. Der war aber nicht ausreichend eingebettet, das Feld war nicht aufbereitet, die Mitarbeiter zu wenig eingebunden. „Damit war das Thema Lean Management natürlich noch weiter diskreditiert.“

Parallel statt sequenziell

Zu schnell, zu partiell, zu wenig integriert: Was im Falle von Geberit eine längst überwundene Frühphase war, ist in vielen Betrieben State of the Art. Unter dem Studien-Titel „Wie lean ist Österreich?“ befragten die Barkawi Management Consultants 76 heimische Industrieunternehmen zu Lean Management – und der Befund ist ernüchternd. Zwar ist den meisten der befragten Geschäftsführer und Produktionsleiter der Begriff bekannt, viele geben auch an, Lean Management bereits anzuwenden, und halten es für sinnvoll. Doch schon bei der Frage, in welchem Umfang Lean Management bereits umgesetzt wird, gehen die Werte zurück.

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