Elektroindustrie

Toshiba bringt alle Anteile von Landis+Gyr an die Börse

Nach dem kompletten Ausstieg des japanischen Technologieriesen Toshiba kommen alle Anteile des Schweizer Industriekonzerns Landis+Gyr an die Börse, und zwar schon in wenigen Tagen. Der Marktwert wird mit bis zu 2,4 Milliarden Franken beziffert.

Nach dem angekündigten Ausstieg des japanischen Mehrheitsaktionärs Toshiba bei Landis+Gyr kommt es definitiv zum Börsengang des Schweizer Industriekonzerns. Bereits Ende nächster Woche soll dieser über die Bühne gehen. Der Konzern soll künftig komplett im Streubesitz stehen.

Landis+Gyr gab am Mittwoch Einzelheiten zum Gang auf das Börsenparkett bekannt. Die Preisspanne für die Aktien beträgt 70 bis 82 Franken. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von 2,1 bis 2,4 Milliarden Franken - umgerechnet bis zu 2,2 Mrd. Euro.

Die Aufnahme des Handels an der Schweizer Börse SIX erfolge voraussichtlich am 21. Juli 2017, ebenso wie die Bekanntgabe des finalen Angebotspreises.

Der bisherigen japanischen Besitzer des Schweizer Stromzähler-Herstellers, der Technologiekonzern Toshiba mit 60 Prozent der Aktienanteile und die Beteiligungsgesellschaft INCJ mit 40 Prozent, bieten alle ihre Aktien an. Das gesamte Angebot umfasst rund 29,5 Millionen bestehende Aktien von Landis+Gyr.

Der angeschlagene Toshiba-Konzern steckt seit längerem in Schwierigkeiten und braucht dringend Geld. Er hatte Mitte April einen Börsengang von Landis+Gyr als strategische Alternative zu einem Verkauf genannt. Als mögliche Kaufinteressenten für den Stromzählerproduzenten waren zuvor der japanische Konkurrent Hitachi und andere japanische Firmen gehandelt worden.

Toshiba behielt sich bis zuletzt einen Verkauf der Schweizer Tochter als Ganzes vor. Aus Sicht von Landis+Gyr war der Börsengang aber die bevorzugte Lösung. Der Konzern soll künftig vollständig im Streubesitz stehen.

Das ehemalige Familienunternehmen hat eine bewegte Geschichte mit zahlreichen Besitzerwechseln hinter sich. Seit 1987 hat Landis+Gyr nicht weniger als sechsmal den Besitzer gewechselt.

Vor dem Kauf durch Toshiba 2011 war Landis+Gyr im Besitz der australischen Investmentgesellschaft Bayard. Zuvor war das 1896 gegründete Firma rund 80 Jahre lang in Familienbesitz.

Die Firma stellt heute nicht mehr nur klassische Stromzähler her, sondern auch Sensoren und Automatisierungstechnik für das Verteilnetz. Damit kann die Nutzung von Energie intelligent überwacht und gesteuert werden - ein Gebiet, in dem Landis+Gyr weltweit führend ist.

Im Zusammenhang mit dem Börsengang gab Landis+Gyr auch die Besetzung des sechsköpfigen Aufsichtsrates bekannt. Neuer Verwaltungsratspräsident wird Andreas Umbach, der bis zum 31. März 2017 Konzernchef der Gruppe war.

Daneben setzt sich das Aufsichtsgremium zusammen aus Eric Elzvik, Andreas Spreiter, Pierre-Alain Graf, Christina Stercken und Dave Geary. ABB-Finanzchef Elzvik werde die Funktion des Lead Independent Director wahrnehmen.

Das Unternehmen bestätigte zudem die zuvor gemachten Angaben zur geplanten Dividendenpolitik. Für das Geschäftsjahr 2017 sieht das Unternehmen eine Dividendenausschüttung von mindestens dem Äquivalent von 70 Millionen Dollar in Schweizer Franken vor. (sda/apa/red)